verstaubtes altes Zeug?

old-books-436498_1920Viele mögen denken: „Warum müssen wir so viel unnützen alten Kram aufbewahren? Das kostet nur Geld, nimmt Platz weg und interessiert doch eh keinen.“

Gut, dann reißen wir den Kölner Dom ab, entsorgen die Mona Lisa, verschrotten die erste Dampfmaschine, verbrennen all die verstaubten Massen von Akten und Papieren in den zahlreichen Archiven!

Und dann? Wer sind wir dann? Fehlt uns dann nicht die Identität?

Besonders das „Altpapier“ ist wichtig und kann so spannend sein! Denken Sie an die berühmten Stasiakten. Viele ehemalige DDR-Bürger nutzen sie, um Verwandte zu finden, ihre Herkunft zu klären. Die persönliche Ahnenforschung wäre ohne die alten Kirchenbücher über Eheschließungen, Geburten und Todesfälle unmöglich. All das trägt zu unserer Identität bei. Und so geht es auch den Städten.

Städte und Dörfer – und andere Siedlungsarten – haben eine Identität, die sich auch aus der Vergangenheit ergibt. Und wo ist diese Dokumentiert, wenn nicht in den Bauakten in den entsprechenden Archiven? Gut, für manche Orte mag es schon eine Chronik geben. Doch wo haben die Chronisten ihre Infos her?

ProjektflyerLobend ist da das Engagement der Stadt Karlsruhe zu erwähnen, die in einem Großprojekt mit der Konservierung, Erschließung und Digitalisierung ihrer Bauakten diese besondere Identität bewahren möchte. Denn die „Fächerstadt“ Karlsruhe blickt wirklich auf eine sehr spannende Herkunft zurück: Die von Karl Wilhelm erst 1715 gegründete Planstadt sollte wohl nur einer temporären Machtdemonstration dienen, da ihre Häuser zunächst nur in „Leichtbauweise“ entstanden. Doch die Menschen blieben, bauten ihre neue Heimat aus und gestalteten sie. Heute erlebe ich die Einheimischen als stolze Karlsruher. Sie identifizieren sich mit ihrer Stadt und gestalten sie aktiv; nehmen das Verkehrschaos wegen der U-Bahn-Baustellen mit Humor, sehen sie als „badische Baukunst“ an.

Wäre das möglich, wenn man keine Geschichtsdokumente aus der Vergangenheit hat?

Klar, steht doch alles im Internet!

Und wo hat das Internet das her?

Von so verstaubtem alten Zeug, das von Fachleuten interpretiert werden kann, weil es durch Experten erhalten wird.

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