Restaurierung eines Hanno-Hockey-Automaten

Wieder hatte ich kürzlich die Gelegenheit einen Hanno-Hockey-Automaten zu restaurieren.

Im Vergleich zu dem letzten von mir restaurierten Automat war dieser in deutlich schlechterem Zustand.IMG_5105

Die gesamte Verschmutzung war weit stärker ausgeprägt, alle Metallteile erheblich korrodiert, die Glasplatte gesprungen, Kunststoffe teilweise so sehr versprödet, dass sie nicht mehr zu halten waren. Bis auf die Beine war der Automat aber vollständig: Alle zehn Spielkugeln, der Kassenbehälter und die Gehäuseschlüssel waren vorhanden. Zusätzlich fanden sich im Korpus sogar noch fünf Pfennig und vier Spiralen, welche die Spielfiguren mit dem jeweiligen Drehknauf verbinden.

IMG_5141Die Spielfiguren waren so stark korrodiert, dass kaum noch ursprüngliche Fassung
gehalten werden konnte. Da auch dieser Automat durchaus für den Privatgebrauch bespielbar sein sollte, wurden die beiden Figuren nach der Konservierung nach Befund neu gefasst. Auch die Kunststofffolie des Spielfeldgrunds wurde komplett durch eine handelsübliche Selbstklebefpolie ersetzt. Die drei Kunststoffplatten zur Abdeckung des Spielfelds mussten entsorgt werden. Die Weichmacher waren ausgetreten und die Substanz chemisch soweit abgebaut, dass sie komplett vergilbt und versprödet war. Durch diesen Zerfallsprozess wurden auch die vier Papieretiketten der Spielfeldzwickel soweit geschädigt, dass die ehemalige silberfarbene Oberfläche überwiegend zerstört ist. In den Bereichen, wo die Kunststoffscheiben auflagen, sind die Etiketten irreversibel verbräunt. Die Zukunft wird zeigen, wie stark das Papier tatsächlich durch etwaige Säuren geschädigt ist.

Für mich sehr interessant war die Erfahrung über das besondere Korrosionsverhalten verchromter Eisenteile. Die beiden Bandeisen, die quer über dem Spielfeld zur Unterstützung der Kunststoffplatten liegen, zeigten sich beim Zerlegen des Automaten nahezu komplett korrodiert. Die Oberfläche wurde teilweise mit einer fast 2 mm starken Rostschicht überzogen. Bei Freilegungsversuchen stellte ich aber fest, dass ein Großteil der Chromoberfläche darunter erhalten geblieben ist. Also konnte ich diese Teile behutsam freilegen, um die ursprüngliche Oberfläche wieder überwiegend erfahrbar zu machen.

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Die Metallkonservierung nahm den Großteil der aufgebrachten Arbeitszeit in Anspruch. Ansonsten war aber viel durch trockene und partiell feuchte Reinigung zur Verbesserung des Zustands beizutragen. Furniere mussten gefestigt werden, kleine Ausbrüche gekittet und retuschiert. Die Glasscheibe konnte geklebt werden. Neben den oben beschriebenen Erneuerungen, mussten auch einige Schrauben ersetzt werden. Auch der abgängige CN-Lack der Gehäuseoberfläche wurde – abweichend vom Befund – durch Schellack ersetzt.

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Der Funktionstest zeigte einige Stellen, an denen die Spielmechanik nachjustiert werden musste. Durch einen kleinen Holzklotz wurde der Automat reversibel auf Freispiele eingestellt und brachte den neuen Besitzern bereits viel Freude.

Und mir bei Testspielen natürlich auch! Es ist ein besonderes Erlebnis, die charakteristischen Geräusche und die Lautstärke wahrzunehmen. Man ist es kaum noch gewöhnt, bei der Bedienung eines Automaten Kraft aufzuwenden, die dabei aber doch noch gefühlvoll sein muss.

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