Kleiner Rahmen. Große Freude – während und nach der Restaurierung

Vor einiger Zeit habe ich in einem Trödelladen einen kleinen (16,2 x 10,9 x 1,3 cm), alten (vermutlich um 1900) Fotorahmen erworben, den man aufstellen und aufhängen kann. Er ist aus hölzernen Halbrundstäben hochrechteckig mit abgeschrägten Ecken konstruiert und mit Holz- und Steinmarmorierung gestaltet. Rückwand aus Pappe und Papier sowie das Glas sind original.

Er war in sich so verwunden, dass das originale Glas nicht mehr passte und die Rückseite nicht mehr zu verschließen war. Er war also so erst einmal nicht nutzbar. Aber mit ein klein bisschen Zuwendung wurde aus ihm bald eines meiner Lieblingsstücke.

Zunächst habe ich das Glas entnommen und mit Alkohol von Schellackrückständen gereinigt.

Anschließend habe ich die Papprückwand vom Holzrahmen getrennt. Sie ist ausschließlich im oberen Bereich mit kleinen Stiften am Rahmen befestigt. Mit Methocel A4C, 5 %ig in destilliertem Wasser habe ich das vordere Schmuckpapier großflächig, das rückseitige schwarze Papier partiell und aufgefächerte Pappstellen gefestigt. Zum Beschweren habe ich teilweise leichte Bücher und Wäscheklammern genutzt.

Am filigranen Holzrahmen habe ich dann die nötigen Eckverbindungen gelöst, um ihn später wieder gerade zusammensetzen zu können. Dafür konnten die alten Leimfugen mit destilliertem Wasser einfach angequollen werden. Zahlreiche kleine Nägelchen, die im laufe der Zeit zur Stabilisierung der Ecken eingetrieben wurden, habe ich vorsichtig entfernt. Der Rahmen muss bereits mindestens einmal zerbrochen gewesen sein, denn eine Fuge war mit einem synthetischen Leim verklebt. Ein kleines Eckelement scheint später ersetzt worden zu sein, denn es passt nicht korrekt und bedingt dadurch maßgeblich die verwundene Form.

Nach der Reinigung und ausgiebigen Trocknung der Hölzer habe ich die Einzelteile Stück für Stück passgenau mit 20%igem Hautleim in dest. Wasser unter leichtem Druck zusammengefügt. Bei der letzten Verleimung entstanden schmale Fugen, die mit einer Kittmasse aus 20%igem Hautleim und Bologneser Kreide gefüllt wurden.

Kittungen und störende Fassungsfehlstellen habe ich mit Aquarellfarben (van Dycke Braun) retuschiert und mit einer partiellen Schellackschicht versiegelt.

Abschließend konnte ich dann die Rückwand mit den originalen Stiften wieder am Rahmen befestigen und die Glasscheibe einlegen. Nun bietet der Rahmen wieder einen würdigen Schutz für eines meiner wertvollen Fotos. Man sieht ihm sein Alter an und kann die Phantasie spielen lassen: Wo hat der Rahmen wohl schon gestanden oder gehangen? Welche Bilder hat er wohl schon präsentiert? …

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