Entstehung meiner eLearning-Schulung

Schon bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich mich mit eLearning intensiv beschäftigt. Mit dem Start in meine Selbständigkeit war die ideale Gelegenheit gekommen, meine Ideen nun endlich in die Tat umzusetzen!

Am Anfang steht das Konzept

Ich wusste sofort, dass ich gern eine Online-Schulung erschaffen möchte, die anderen dabei hilft, ein Grundverständnis von vorbeugenden Erhaltungsmaßnahmen zu erlangen. Ich gebe gern mein Wissen und meine Erfahrungen weiter, damit andere davon profitieren können. Und das Onlineformat (zeitlich und örtlich flexibel, günstiger als Präsenzschulungen) erscheint mir sehr geeignet, um evtl. Hemmschwellen, sich mit Neuem zu beschäftigen, abzubauen.

Dass ich die Schulung lebendig und interaktiv gestalten wollte, war mir von Anfang klar. Ich wollte mit Videosequenzen, Textteilen und Spielen Abwechslung ist die vielleicht drögen Inhalte bringen.

Die detaillierte Ausarbeitung der einzelnen Themenblöcke hat dann ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen – bestimmt etwa die Hälfte der gesamten Entwicklungszeit, wenn nicht sogar etwas mehr. Auf der Basis einschlägiger Publikationen und meiner Erfahrungen habe ich die Texte geschrieben, Skripte für die Videos erstellt und Ideen für Spiele gesammelt.

Das Autorentool

Ebenfalls sehr aufwendig gestaltete sich im Vorfeld die Suche nach einem geeigneten Autorentool. Etliche habe ich ausprobiert – manche waren nicht für iOS geeignet, manche boten nicht die von mir gewünschten Funktionen, manche brachten kein Ergebnis hervor, das mir gefiel, manche waren für mich zu kompliziert zu bedienen, manche erschienen mir schlichtweg zu teuer.

Ich habe dann eine All-in-One-Lösung gefunden, mit der ich gut zurechtkomme: Ohne eine besondere Software installieren zu müssen, kann sie einfach im Browser genutzt werden und bietet Autorentool und Lernmanagement-Plattform in einem sowie Speicherplatz in Deutschland. Die Bedienung ist ziemlich intuitiv und das Endergebnis passt optisch sehr gut zu meinem Corporate Design. Obwohl die Spielmöglichkeiten etwas beschränkt sind, macht mir die Arbeit damit Spaß. So konnte ich mich besser auf die Inhalte konzentrieren.

Action! … Und Schnitt!

Eine ganz besondere Erfahrung für mich war die Produktion der Videosequenzen.

Nachdem die Skripte standen, musste ein geeignetes Setting gefunden werden. Da ich natürlich das Investment zunächst möglichst gering halten wollte, habe ich dafür die halbe Wohnung auf den Kopf gestellt. Kostüm, Maske, Kamera und Ton habe ich alles allein bedient. Zwei lange und intensive Tage haben die reinen Dreharbeiten gedauert.

Anschließend habe ich das Rohmaterial auch selbst geschnitten. Mit der passenden Software war das technisch leicht umzusetzen, doch dauerte auch ganz schön. Und dabei habe ich viel erfahren, auf das man bei professionellen Filmen achtet.

Nun verstehe ich, warum an professionellen Filmen so viele Menschen beteiligt sind und warum es oft recht lange bis zur Ausstrahlung dauert. Ich bin mit dem Ergebnis meiner Videos sehr zufrieden. Sie sind so geworden, wie ich sich mir vorgestellt habe.

Da sich natürlich auch Versprecher eingeschlichen, sich Nachbarn und mein Kater akustisch bemerkbar gemacht haben, können Sie hier ein paar Outtakes sehen.

Die Puzzleteile fügen sich zusammen

Im Autorentool kamen dann alle Teile zusammen: Die neun Themenblöcke bestehen jeweils aus einem durchschnittlich 10-minütigen Video, mehreren Textblöcken und ein bis zwei Quizfragen. Um die Texte ansprechender zu gestalten, sind sie reich bebildert und manchmal mit Weblinks und Infomaterial zum Download versehen.

Abschließend habe ich eine “Prüfung” aus fünf Fragen gestaltet, die beim Bestehen dem Teilnehmer automatisch das persönliche Schulungszertifikat zukommen lässt. So reduziert sich für mich der Verwaltungsaufwand ein wenig.

Mit insgesamt etwas mehr als 140 Stunden Entwicklungszeit ist ein ca. 4,5-stündiger Online-Kurs entstanden, der wissenschaftlich fundiertes Wissen zu vorbeugenden Erhaltungsmaßnahmen allgemein verständlich und ansprechend vermittelt und sogar praktisches Bonusmaterial bereitstellt.

Jetzt sind Sie am Zug!

Sind sie nun neugierig geworden? Dann informieren Sie sich hier näher zu meiner eLearning-Schulung.

Ich freue mich über jegliches Feedback dazu! Was gefällt Ihnen besonders gut an der Schulung? Inwiefern hilft Ihnen das Erlernte? Haben Sie Fragen? Fehlt Ihnen etwas? Kann etwas verbessert werden?

Falls Sie Wünsche für weitere Schulungen in diesem oder einem anderen Format haben, lassen Sie es mich bitte ebenfalls wissen! Ich habe schon ein paar eigene Ideen für weitere Kurse, richte mich aber natürlich gern nach dem tatsächlichen Bedarf.

Grundlagen und Fallstricke der Inventarisierung

Meine ersten Aufträge zeigen, dass die Inventarisierung von Sammlungsbeständen aktuell ein sehr wichtiges Thema ist. Und das völlig zu Recht!

Warum inventarisieren?

Laut ethischen Richtlinien für Museen vom ICOM ist es eine Grundvoraussetzung, ein Inventar für eine museale Sammlung zu pflegen. Und das ist logisch, da ein gepflegtes Inventarverzeichnis eine Übersicht über die vorhandenen Sammlungsbestände bietet – vom Schreibtisch aus und ggf. auch überall auf der Welt.

Das Inventar ist ein elementarer Wissensspeicher, denn die Kenntnisse über jedes einzelne Objekt dürfen nicht allein im Kopf einer Person oder weniger sein. Die Informationen müssen für alle an und mit der Sammlung Arbeitenden zentral zur Verfügung stehen und entsprechend aktualisiert und durch neueste Erkenntnisse erweitert werden können.

Erst durch die permanente Pflege ermöglicht ein Inventar, die vier Museumsaufgaben angemessen erledigen zu können:

Sammeln: Beim Blick in das Inventarverzeichnis weiß man, was man bereits hat und was ggf. noch fehlt. Frühere Aussonderungen sind nachgewiesen und zukünftige werden ableitbar.

Bewahren: Ein gut gepflegtes Inventarverzeichnis mit Standortverwaltung und Objektakten ermöglicht es, das Objekt zielsicher aufzufinden und seine Existenz zu überprüfen (ist es vielleicht gestohlen/verloren?). Wie ist der Zustand und kann man vielleicht deutliche Veränderungen durch bestimmte vergangene Ereignisse ablesen? Informationen für zukünftige und über vergangene Restaurierungen, Transporte, Ausstellungen usw. helfen, die Objektsubstanz zu schonen.

Forschen: Mithilfe eines guten Inventars lassen sich Sammlungszusammenhänge erkennen und dokumentieren. Es ermöglicht die Provenienzforschung, erleichtert die Erkennung von Fälschungen und unterstützt Restitutionen.

Vermitteln: Ein Inventar ermöglicht überhaupt erst einmal das Zeigen von vorhandenen Objekten und Erklären besonderer Aspekte. Es bietet Daten für den Leihverkehr und ermöglicht es, jegliche Anfragen zu beantworten.

Als Nachweis der Eigentumsverhältnisse jedes Objektes besitzt es Urkundencharakter und dient dem Vermögenserhalt einer Sammlung.

Was inventarisieren?

Wenn ein Sammlungskonzept besteht, ist dies nicht besonders schwer zu beantworten: Alles, was dem Sammlungskonzept entspricht!

Dabei soll es nach objektiven Kriterien gehen, nicht nach subjektivem Empfinden. Denn das ist selbstverständlich höchst unterschiedlich. So können eben auch vermeintlich “wertlose” Gegenstände Einzug in eine Sammlung halten, wenn diese für ihre Aspekte bedeutend sind – z. B. Masken als Objekte des aktuellen Zeitgeschehens.

Dabei wird es natürlich in der jeweiligen Sammlungspraxis stets zu diskussionswürdigen Sonderfällen kommen. Diese lohnen sich aber, bewusst abzuwägen und dann zu dokumentieren.

Wie inventarisieren?

Hierzu gibt es bereits zahlreiche Best-Practice-Lösungen. Jede Sammlung sollte aber für sich ganz individuell entscheiden, was ihr wichtig ist und wie sie das jeweils handhaben will.

So ist es egal, ob man noch analog inventarisiert oder digitale Systeme nutzen kann/will. Die Vorteile von EDV liegen natürlich mittlerweile auf der Hand. Egal in welcher Form, es ist dabei von höchster Priorität, die Daten vor Verlust oder unbeabsichtigter Veränderung zu schützen. Außerdem muss die Zugänglichkeit für alle Beteiligten entsprechend gewährleistet sein.

Bei der Objektbezeichnung empfiehlt es sich, Normbegriffe, Thesauri, Typologien zu nutzen. Dadurch wird die Recherche und das Wiederfinden, das Sortieren und Filtern des eigenen Bestands erleichtert. Mit Blick auf zukünftige Vernetzungen unter Museen, erleichtern einheitliche Objektbezeichnungen den Datentransfer.

Merkmale, um jedes einzelne Objekt zweifelsfrei identifizieren zu können, werden durch detaillierte Beschreibungen, Maße, Gewichtsangabe, Materialien und natürlich aussagekräftige Fotos geführt. Dies ist vergleichbar mit unserem Personalausweis, denn auch die Identität eines einzelnen Sammlungsobjekte muss stets eindeutig sein.

Dem dient auch die Inventarnummer. Außerdem ist sie das zentrale Datum, das alle Informationen untereinander und mit dem Objekt sowie Objekte untereinander verknüpft. Und bei der Systematik zur Nummernvergabe scheiden sich die Geister. Es wird mittlerweile empfohlen, keine “sprechenden Inventarnummern” zu nutzen. Diese codieren verschiedene Informationen, wie Zugangsdatum, Material, Sachgruppen, Standorte usw. Dies sorgt natürlich dafür, dass die Inventarnummer verlängert wird, was bei kleinen Objekten schnell zu einem Platzproblem führt. Oft führt eine sprechende Inventarnummer dazu, dass die Schreibweise abgekürzt wird, weil man nicht immer die gleichen Informationen wiederholen will. Das wiederum führt zu Unklarheiten, Verwechslungen, Dopplungen oder Lücken im Inventar. Die Frage, ob die codierten Informationen beim Objekthandling zwingend relevant sind, sollte einmal kritisch reflektiert werden. Und was ist, wenn die codierten Information irgendwann revidiert werden, weil neue Erkenntnisse andere Zusammenhänge ergeben?
In der modernen Praxis ist man also zu ganz einfachen Zahlen, ohne Sonderzeichen, Buchstaben oder vorangestellte Nullen übergegangen, da diese von EDV-Systemen nicht einwandfrei verarbeitet werden.

Ebenfalls wichtig ist, was eine einzelne Inventarnummer bekommt. Denken wir an ein Kaffeeservice bestehend aus sechs Kuchentellern, sechs Untertassen, sechs Tassen, einer Kaffeekanne mit losem Deckel, einem Milchkännchen und einem Zuckerpott mit losem Deckel, der vielleicht auch noch baugleich mit dem Deckel oder Kanne ist: Laufen alle 23 einzelnen Objekte unter einer Inventarnummer? Oder bekommen vielleicht Kaffeekanne und Deckel eine, Zuckerpott und Deckel eine andere? Oder bekommt jedes einzelne Teil eine eigene Nummer, da die Deckel nicht eindeutig Kanne oder Pott zugeordnet werden können? Stellen Sie sich einmal vor, dass nur eine der Tassen zur Restaurierung entnommen wird. Welche Inventarnummer würde die Standortpflege und die Restaurierungsdokumentation erleichtern und welche vielleicht erschweren?

Ebenso wichtig ist natürlich auch die Art und Weise, wie die Inventarnummer auch am Objekt angebracht wird. Denn es ist nur eine Seite der Medaille, wenn die Nummer auf den entsprechenden Unterlagen, Akten und Datensätzen steht. Das entsprechende Objekt muss damit dauerhaft und bei Bedarf reversibel beschriftet sein. Das bedeutet, die Inventarnummer darf nicht versehentlich verloren gehen, aber auch nicht eingebrannt, graviert oder z. B. mit einem Material aufgetragen werden, das Materialveränderungen der originalen Substanz bewirkt. Deshalb hat es sich – besonders in Depots – etabliert, Etiketten mit der Inventarnummer gut sichtbar anzubinden und Verpackungen zu beschriften. Gängige Praxis ist es auch geworden, eine Stelle des Objektes mit einem Klarlack (z. B. Paraloid) abzusperren, dann die Inventarnummer mit Aquarell oder alterungsbeständiger Tusche aufzuschreiben und dann erneut mit Klarlack zu überziehen. Dabei ist es sehr empfehlenswert, im Haus zu definieren, wo die Inventarnummer aufzubringen ist. Eine einheitliche Regelung erleichtert im Arbeitsalltag das Auffinden der Nummer. Definieren Sie auch eine maximale Größe, Normschrift und eine angemessene Kontrastwirkung (z. B. helle Schrift auf dunklem Untergrund), um die Lesbarkeit zu erleichtern.

All diese Überlegungen erfordern anfänglich natürlich etwas Aufwand, erleichtern im Folgenden aber die alltäglichen Arbeitsabläufe erheblich.

Die Entstehung des Selbstchecks

Zunächst war die Idee

Vor einigen Monaten hatte ich die Idee, für kleine, private Sammlungen und solche, ohne restauratorische Betreuung eine einfache Möglichkeit zu schaffen, den Verantwortlichen die Präventive Konservierung näherzubringen. Denn wie oft werden kulturhistorisch wichtige Objekte durch unsachgemäße Lagerung oder laienhafte Maßnahmen beschädigt?

Ich glaube, dass Menschen, die etwas sammeln, ein Interesse daran haben, ihre Sammlung zu erhalten. Sie wollen sicher lieber vorbeugend etwas Zeit und Geld investieren, als im Schadensfall kostspielige und vielleicht radikale Eingriffe vornehmen zu müssen. Wenn sie dann auch noch Neues erlernen und dadurch in die Geheimnisse eines exotischen Berufs eingeweiht werden, macht sie das noch zufriedener. Damit wird die Restaurierung langfristig aus ihrem Schattendasein gerückt.

Also wollte ich ein leicht verständliches und besonders praktisches Informationsangebot schaffen. Und schnell wurde diese Idee immer konkreter und vor meinem inneren Auge entstand der digitale Selbstcheck: ein einfacher Fragebogen zu allen wichtigen Themenkomplexen für eine gute Aufbewahrung mit einem “handfesten” Ergebnis.

Von analog zu digital

Mit Zettel und Stift habe ich angefangen, den Fragenkatalog und die Antwortmöglichkeiten auszuarbeiten. Das fiel mir recht leicht, da ich auf genügend Fachwissen und Praxiserfahrung zurückgreifen konnte.

Von Anfang an war mein Anspruch, alles für die Nutzer recht einfach zu halten: von der Fragenformulierung über die Gestaltung der Antwortmöglichkeiten, die Ergebnisauswertung hin zum gesamten Bestell- und Nutzungsprozess. Die Bereitstellung im Internet bietet maximale räumliche und zeitliche Flexibilität bei der Nutzung sowie eine gewisse Anonymität.

Anhand konkreter Funktionswünsche habe ich einige Software und Onlineplattformen getestet und bin dann bei Moodle hängengeblieben.

Mit der Erstellung des kompletten Selbstchecks auf dieser Onlineplattform inklusive automatischer Auswertung, Vorabinformationen, Bedienungsanleitung und Feedback-Möglichkeit war ich weit vor meinem eigentlichen Entwicklungsprozess-Zeitplan fertig. Und das war auch gut so, da sich die Testphase durch ausgewählte Dritte ziemlich zäh gestaltet hat.

Eine kleine Anzahl von Restaurator/innen, Kunsthistoriker/innen, Sammler/innen musste erst einmal für den Test begeistert werden. Leider fanden dann doch nicht alle die Zeit, mich diesbezüglich zu unterstützen. Die, die getestet haben, taten das aber sehr gründlich und brachten noch gute Ideen und Verbesserungsvorschläge ein.

Das Drumherum ist unsichtbar

Das “Produkt” an sich war dann also fertig – etwa zwei Monaten nach der ersten handschriftlichen Notiz.

Doch, um den Selbstcheck auch wirklich raus in die Welt, zu denen zu bringen, die ihn brauchen, fehlte tatsächlich noch einiges. Der Bestell- und Bezahlprozess musste eingerichtet und eine geeignete Werbestrategie entworfen werden. Dass beides nicht eben schnell gemacht ist, wusste ich aus meiner letzten Anstellung.

Den Bestellablauf aus Kundensicht möglichst einfach zu gestalten, war mit meiner QM-Erfahrung recht leicht. Die Formulare und Vorlagen sowie die Beschreibung für die Werbung waren hier das aufwendigste.

Als Werbemittel nutze ich lediglich meinen Internetauftritt und individuelle Informations-Mails. Die Webseite verständlich und attraktiv zu gestalten, hat mich viel Zeit gekostet – etwa eine Woche. Und ich denke, das wird andauern, da mir ständig Neues ein-/auffällt, das ich daran verbessern könnte. Auch der fachmännische Blick eines befreundeten Werbeprofis hat meine Lernkurve stark ansteigen lassen.

Doch es ist geschafft: Der Selbstcheck ist endlich da und kann nun hoffentlich vielen Sammlungen und Interessierten dabei helfen, ihre Aufbewahrungsbedingungen zu verbessern – oder auch Gewissheit geben, dass diese bereits gut sind!
Bis zum 31.7.2022 sogar 40% günstiger als zum regulären Preis von 50,- € (zzgl. MWSt).

Machen Sie sich selbst ein Bild und teilen mir gern mit, wenn Sie Fragen, Anregungen oder Wünsche haben. Lassen Sie dieses kleine Werkzeug Wunder bei der Kulturguterhaltung vollbringen und den Beruf der Restaurator/innen ins rechte Licht rücken.

Mein Weg in die Selbständigkeit

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal selbständig sein würde! Doch es kommt ja immer anders, als man denkt.

Früher habe ich immer die Sicherheit einer Anstellung angestrebt: regelmäßiges Gehalt, um die Sozialleistungen wird sich gekümmert, man hat immer was zu tun und ist nicht allein.

Warum dann dieser Sinneswandel?

Über längere Zeit (es geht um einige Jahre) habe ich unterschwellig gemerkt, dass mir etwas fehlt. Die Pandemie hat mich dann erkennen lassen, was genau es ist, das nicht mehr zu mir passt und wo ich denn eigentlich hinwill. Die endgültige Entscheidung, es wirklich zu wagen, kam aber erst, nachdem ich mich vergeblich um meine Traumstelle beworben hatte (das war im Sommer 2021).

Und das heißt auch nicht, dass ich seither nicht gezweifelt hätte. Die Angst vor dem Ungewissen und dem Scheitern begleitet mich ständig und hilft mir dabei, meine Sache möglichst gut zu machen.

Im Januar 2022 habe ich dann begonnen meinen Businessplan zu schreiben. Das ist sehr empfehlenswert – unabhängig von evtl. Finanzierungs- oder Förderbestrebungen. Dieser Businessplan war für mich eine sehr hilfreiche Spielwiese, um meine vage Geschäftsidee zu konkretisieren, den Markt zu analysieren, meine Unternehmerfähigkeiten zu reflektieren und zu ermitteln, ob und wie das finanziell tragfähig sein könnte. Es gibt zahlreiche Beispiele, Vorlagen, Anleitungen und Unterstützungen dazu, z. B. von der Gründerplattform, Existenzgründer, Handwerkskammern u.v.m. Ich habe mich vorher und während ich daran gearbeitet habe, immer wieder informiert und inspirieren lassen.
Leicht war das für mich trotzdem nicht, weil es am Anfang ein großer, scheinbar unbezwingbarer Berg war. Ich habe ihn dann Stück für Stück abgearbeitet. Anfangs hat mich etwas frustriert, dass mit jedem neuen Kapitel – und besonders mit dem Finanzteil! – die vorherigen immer wieder verändert werden mussten. Das scheint normal zu sein, da ja alles eng zusammenhängt. Es wird deshalb allgemein empfohlen, den Finanzteil parallel zum Textteil zu erarbeiten.

Ich habe zwei Monate dafür gebraucht, habe aber auch nicht permanent daran gearbeitet. Anfangs waren es vielleicht nur ein, zwei Stunden am Tag. Es gab mehrere Tage (Wochenenden ausgenommen), an denen ich gar nichts gemacht habe.
Sicher bekommt man das schneller hin. Hier muss man seinen eigenen Rhythmus finden. Für mich war wichtig, dass ich das Beste für mich abliefere – nicht unter Druck einfach irgendwas. Denn ich will ja, dass es dann in der Realität für mich auch wirklich funktioniert.

Wie oft habe ich gezweifelt und gedacht, dass das doch nicht klappt und ich das Vorhaben lieber jetzt schon abbrechen sollte. Aber ehrlich: das kann man doch zu der Zeit noch gar nicht wissen! Klar kann alles komplett schiefgehen. Dann hat man im schlimmsten Fall Geld verloren, aber dafür wertvolle Erfahrungen gesammelt! Doch es kann ja auch viel besser laufen als gedacht. Das findet man erst heraus, wenn man es wirklich umsetzt.

Und nun ist es soweit: heute ist offiziell der erste Tag meiner Selbständigkeit.
Und ich kann doch noch nicht wirklich loslegen!
Es war mein Plan, den März für alle Vorbereitungen und Anmeldungen zu nutzen. Doch es hat nicht so geklappt, wie erhofft. Zunächst war ich mit dem Businessplan dann doch viel später als erhofft soweit zufrieden, dass ich ihn abschließen konnte. Dann wollte ich erst die Tragfähigkeitsbescheinigung vom Berufsverband der Restauratoren abwarten, bevor ich wirklich beim Finanzamt anmelde. Die Prüfung und Erstellung der Bescheinigung ging nicht von heut auf morgen. Eine gute Woche sollte man schon einplanen. Und ich wusste nicht, dass das Finanzamt vier bis sechs Wochen benötigt, um die Anmeldung zu bearbeiten. Also warte ich noch darauf. Das verschafft mir aber noch ein bisschen Zeit, um die fehlenden Dinge zu regeln: z. B. Geschäftskonto, Steuerberater, Internetauftritt usw.

Im ersten Monat bin ich sowieso davon ausgegangen, dass noch keine Einnahmen generiert werden können. Der Start mit angezogener Handbremse ist also nicht so schlimm für mich.

Es ist wirklich ein spannender Weg, den ich nun eingeschlagen habe, denn ich weiß noch nicht, wo er mich wirklich hinführen wird. Ich freue mich aber schon auf all die Erfahrungen, die ich auf diesem Weg sammeln werde.

Kleiner Rahmen. Große Freude – während und nach der Restaurierung

Vor einiger Zeit habe ich in einem Trödelladen einen kleinen (16,2 x 10,9 x 1,3 cm), alten (vermutlich um 1900) Fotorahmen erworben, den man aufstellen und aufhängen kann. Er ist aus hölzernen Halbrundstäben hochrechteckig mit abgeschrägten Ecken konstruiert und mit Holz- und Steinmarmorierung gestaltet. Rückwand aus Pappe und Papier sowie das Glas sind original.

Er war in sich so verwunden, dass das originale Glas nicht mehr passte und die Rückseite nicht mehr zu verschließen war. Er war also so erst einmal nicht nutzbar. Aber mit ein klein bisschen Zuwendung wurde aus ihm bald eines meiner Lieblingsstücke.

Zunächst habe ich das Glas entnommen und mit Alkohol von Schellackrückständen gereinigt.

Anschließend habe ich die Papprückwand vom Holzrahmen getrennt. Sie ist ausschließlich im oberen Bereich mit kleinen Stiften am Rahmen befestigt. Mit Methocel A4C, 5 %ig in destilliertem Wasser habe ich das vordere Schmuckpapier großflächig, das rückseitige schwarze Papier partiell und aufgefächerte Pappstellen gefestigt. Zum Beschweren habe ich teilweise leichte Bücher und Wäscheklammern genutzt.

Am filigranen Holzrahmen habe ich dann die nötigen Eckverbindungen gelöst, um ihn später wieder gerade zusammensetzen zu können. Dafür konnten die alten Leimfugen mit destilliertem Wasser einfach angequollen werden. Zahlreiche kleine Nägelchen, die im laufe der Zeit zur Stabilisierung der Ecken eingetrieben wurden, habe ich vorsichtig entfernt. Der Rahmen muss bereits mindestens einmal zerbrochen gewesen sein, denn eine Fuge war mit einem synthetischen Leim verklebt. Ein kleines Eckelement scheint später ersetzt worden zu sein, denn es passt nicht korrekt und bedingt dadurch maßgeblich die verwundene Form.

Nach der Reinigung und ausgiebigen Trocknung der Hölzer habe ich die Einzelteile Stück für Stück passgenau mit 20%igem Hautleim in dest. Wasser unter leichtem Druck zusammengefügt. Bei der letzten Verleimung entstanden schmale Fugen, die mit einer Kittmasse aus 20%igem Hautleim und Bologneser Kreide gefüllt wurden.

Kittungen und störende Fassungsfehlstellen habe ich mit Aquarellfarben (van Dycke Braun) retuschiert und mit einer partiellen Schellackschicht versiegelt.

Abschließend konnte ich dann die Rückwand mit den originalen Stiften wieder am Rahmen befestigen und die Glasscheibe einlegen. Nun bietet der Rahmen wieder einen würdigen Schutz für eines meiner wertvollen Fotos. Man sieht ihm sein Alter an und kann die Phantasie spielen lassen: Wo hat der Rahmen wohl schon gestanden oder gehangen? Welche Bilder hat er wohl schon präsentiert? …

Frohe Weihnachten

Dieses Jahr ist ein spezielles Jahr und wir feiern Weihnachten vielfach kleiner und ruhiger. Das gibt uns Gelegenheit, uns wieder intensiver mit unseren Traditionen zu beschäftigen.

Wie jedes Jahr leuchtet allabendlich mein Herrnhuter Stern. Echte Herrnhuter Sterne kommen von jeher ausschließlich aus dem Oberlausitzer Ort Herrnhut, einer alten Brüdergemeinde. Sie sollen den Stern von Betlehem symbolisieren und sind erst im 19. Jh. entstanden. Seit den 1920er Jahren werden sie in ihrer heutigen Form in Handarbeit hergestellt. Heute gibt es verschiedene Farbvarianten – da ist für jeden Geschmack etwas dabei -, ursprünglich hatten sie die Farben Rot und Weiß: Weiß für die Reinheit und Rot für das Blut Jesu.

Auch erst im 19. Jh. wurde die Tradition des hölzernen Räuchermännchens im Erzgebirge etabliert. Heute gibt es zahlreiche Varianten und zusätzlich auch Häuschen und Öfen aus Blech, die dem rauchenden Räucherkerzchen einen schönen Rahmen geben. Räucherkerzen sind aber bereits viel früher im Zusammenhang mit dem Verbrennen von Weihrauch in der katholischen Liturgie entstanden. In Crottendorf im Erzgebirge sollen bereits 1750 Räucherkerzen hergestellt worden sein. Die Räuchermännchen kamen erst etwa achtzig Jahre später durch die Aufgabe des Bergbaus als Ersatzbeschäftigung auf.

Und was gibt es schöneres, als im Schein des Herrnhuter Sterns den Duft eines Räucherkerzchens zu genießen und dabei der Stille oder leisen Weihnachtsliedern zu lauschen?

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern frohe und ruhige Festtage.

Ausflugstipp: Naturhistorisches Museum Braunschweig

Ein frohes neues Jahr wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

Und wer diese Woche noch frei hat, dem empfehle ich einen Besuch im Naturhistorischen Museum Braunschweig.

Es gehört zu den drei Landesmuseen und hat täglich außer Montags geöffnet. Auf insgesamt vier Etagen gibt es in zahlreichen Dioramen, Terrarien und Aquarien Tierpräparate und lebende Tiere zu bestaunen. Man kann viel über einheimische und exotische sowie schon längst ausgestorbene Lebewesen erfahren. Die Präsentation ist sehr abwechslungsreich und auch interaktiv. Man kann vieles anfassen, spielend erarbeiten und entdecken.

Eins meiner Highlights ist im Erdgeschoss die große Vitrine mit einer nachgebildete Wiese, in der man viele einheimische Tiere, wie Kaninchen, Spitzmäuse, Vögel und Insekten, suchen und finden kann. Das zweite Highlight für mich sind die Aquarien im Kellergeschoss. Hier kann man stundenlang sitzen und die Fische und Reptilien beobachten. Auch das Schaumagazin im Erdgeschoss ist mit seiner schieren Anzahl an Präparaten sehr beeindruckend. Fossilien und Dino-Skelette dürfen natürlich auch nicht fehlen, um über die Vorzeit unserer heutigen Vegetation zu berichten. Die zahlreichen, sehr liebevoll und naturalistisch gestalteten Dioramen vermitteln einen Eindruck des natürlichen Lebensraumes verschiedenster Tiere. Hier könnte ich auch stundenlang sitzen und mich in den fiktiven Weiten der Landschaften verlieren.

Das Naturhistorische Museum Braunschweig ist ein guter Ort, um dem Alltagsstress zu entfliehen und spannende neue und teilweise fremdländische Welten zu entdecken. Es ist sicher für jeden etwas dabei – auch über den aktuellen Urlaub hinaus.

Frohe Weihnachten

Und plötzlich ist schon wieder Weihnachten!

Bei all dem Alltagsstress konnte ich in diesem Jahr kaum die Vorweihnachtszeit genießen.

Plätzchenbacken habe ich aber geschafft. Und dabei den Duft von dem ein oder anderen Räucherkerzchen genossen.

Apropos – was macht eigentlich das Karzl?

In diesem Sinne wünsche ich jedem Leser/jeder Leserin frohe Festtage so, wie ihr sie eben mögt. Genießt die Zeit im Kreise eurer Liebsten und haltet auch mal inne und entschleunigt. Der Alltag fängt uns früh genug wieder ein.

Frohe Weihnachten!

Tag des offenen Denkmals in Wolfenbüttel

Heute war wieder der alljährliche Tag des offenen Denkmals. In Wolfenbüttel waren u. a. die Seeligervilla und das kleine Schloss mit dabei. Und das waren wirklich sehr schöne und beeindruckende Orte.

Um elf Uhr konnte ich an der ersten Führung in der Seeligervilla, die heute von der Landesmusikakademie genutzt wird, teilnehmen. Vor einigen Jahren war die Villa kurz nach dem Ableben der letzten Bewohnerin bereits einmal beim Tag des offenen Denkmals zu besichtigen. Diesmal wollte ich sehen, was aus der Villa geworden ist.

Zwei Damen, die ab 1943 als Jugendliche einige Jahre hier lebten, haben von ihren Erinnerungen erzählt und so ein sehr lebendiges Bild des früheren Lebens in der Villa gezeichnet. Vom Dachboden bis zum Keller konnten wir viel Geschichte sehen und erfahren, wie die Räume denkmalgerecht modernisiert wurden und aktuell auch noch saniert werden. So ist heute eine ganz wunderbare Atmosphäre entstanden, die so viel Historie atmet. Die Räume genügen modernen Ansprüchen und lassen doch respektvoll dem Alten den Vortritt. Und der künstlerische Geschäftsführer, Markus Lüdke schien sich auch in dieses Gebäude verliebt zu haben. Wer würde nicht gern in so einem Ambiente arbeiten? Das ist kein Vergleich zu dem seelenlosen, grauen Acht-Mann-Büro, in dem ich aktuell arbeite …

Anschließend habe ich das Kleine Schloss besucht. Direkt neben dem Wolfenbütteler Schloss liegt dieses geschichtsträchtige Gebäude, welches heute in acht Wohneinheiten geteilt ist, in einem parkähnlichen Garten. Im Saal hat einer der Eigentümer die wechselhafte Geschichte durch vier Jahrhunderte kurzweilig vermittelt. Seit 1995 sanieren sie durchweg am Gebäude, um es den modernen Anforderung unter Wahrung der Bausubstanz anzunähern. Denn in der Denkmalpflege ist ja bekannt, dass nur durch angemessene Nutzung Denkmäler erhalten werden. Da eine der Wohnungen gerade leer steht und zu vermieten ist, konnten wir diese mit dem großzügigen Wintergarten und den Garten bei bestem Sonnenschein durchschreiten.

Beide Veranstaltungsorte erfreuten sich so großem Besucheransturm, dass die Veranstalter jeweils ihre Führungskonzepte spontan über den Haufen warfen. So wurden die stündlichen Führungen der Seeligervilla, die nur Gruppen von etwa 25 Personen zuließen auf halbstündige reduziert. Im Kleinen Schloss waren anfangs nur Führungen um 11, 13 und 15 Uhr vorgesehen. Sie wurden auf einen Dreiviertelstundentakt ausgeweitet.

An der Seeligervilla habe ich dann noch im Sonnenschein ein Stück Kuchen und einen Tee genossen, um die wunderbaren Eindrücke zu verarbeiten.

Vielen Dank an die Organisatoren und Ausführenden! Das waren zwei wunderbare Veranstaltungen, die den diesjährigen Tag des offenen Denkmals zu einem ganz wunderbaren Sonntag gemacht haben.

 

Welterbe Erzgebirge

2013 wurde der Antrag zum Weltkulturerbe bei der UNESCO eingereicht. Ich berichtete.

Nun ist es entschieden: Die Montanregion Erzgebirge ist mit seinen deutschen und tschechischen Teilen in den Kreis des Welterbes aufgenommen worden.

Herzlichen Glückwunsch!

Nun sind wir gespannt, wie sich dieser Titel auf die Region auswirkt und was daraus gemacht wird.

Reisen Sie im nächsten Urlaub in das jüngste Welterbe und entdecken Sie die spannende Geschichte und interessante Landschaft.