ASTrein – AUTOMATEN aus HOLZ

Am Donnerstag, 19.4.2012 wurde die neue Sonderausstellung im Deutschen Automatenmuseum in Espelkamp eröffnet. Diese Ausstellung steht im Zeichen des diesjährigen Themas der Museumsinitiative OWL e.V.: Astrein! Holz.

Die Eröffnung war ein sehr gelungener Abend: Die Reden, die von Armin Gauselmann (Sammlungsverantwortlicher der Gauselmann AG), Heinrich Vieker (Espelkamper Bürgermeister), Ralf Buchholz (Dipl.-Rest., HAWK Hildesheim) und Monika Unterkötter (Museumsleiterin) gehalten wurden, stellten eine gelungene Mischung aus Firmengeschichte, Museumsinitiative, lokaler sowie kulturhistorischer und konservatorischer Bedeutung dieses Museums dar. Alle Beteiligten waren sichtlich mit Herzblut und Spaß bei der Sache und haben einen interessanten Abend gestaltet. Mit unter 100 Gästen waren die Räumlichkeiten angenehm gefüllt.

Bemerkenswert finde ich, dass neben dem Museumsteam viele Firmenangestellte dieser Eröffnung beiwohnten. Auch Paul Gauselmann, der Firmengründer war anwesend. Die Firma Gauselmann ist trotz ihrer Größe doch noch ein Familienunternehmen und jeder Angestellte wird wertgeschätzt. Das ist in der Wirtschaft heute nicht mehr üblich! Dazu kommt noch, dass sich über etliche Jahre diese Firma eine große private Sammlung historischer Münzautomaten zusammengetragen hat. Nach meinen Recherchen ist dies die größte und umfassendste Sammlung solcher Objekte in ganz Deutschland. Sie haben rund 1800 Automaten aus Deutschland, England, Frankreich, den USA und vereinzelt aus weiteren Ländern. Dabei haben sie Warenautomaten, Dienstleister und Unterhaltungsgeräte, wie Sportspiele, Musikautomaten und Geldspielgeräte u.v.m.

Und aus diesem großen Fundus werden nun noch bis 20.7.2012 siebzig Geräte aus vier Ländern von ca. 1880 bis 1945 gezeigt. Der Fokus liegt dabei auf den Holzgehäusen, doch auch die Mechaniken sind natürlich unglaublich faszinierend. Die Ausstellung ist wirklich sehr gelungen. Und das Besondere daran ist, dass zum einen der Eintritt frei ist und man stets geführt wird. Dabei werden einem viele wichtige und interessante Informationen vermitteln, die Geräte sogar teilweise vorgeführt und man kann auch aktiv Fragen stellen. So ist wirklich ein besonderer, stets individueller Besuch möglich.

Leider liegt Espelkamp nicht im Nabel der Welt…

Doch dafür entlohnt das Museum.

Also melden Sie sich an und schauen Sie vorbei. Die Reise lohnt sich!

Frohe Weihnachten

Unsere Traditionen – auch die, wie wir Weihnachten feiern – sind wichtiges Kulturgut, denn diese Traditionen machen eben unsere Kultur aus. Dies zu erhalten, gestaltet sich aber schwierig, da es überwiegend immateriell ist.

Zu meiner Kultur gehört es z.B. traditionell erzgebirgisch Weihnachten zu feiern.

Ich habe einen Herrnhuter Stern, Schwibbögen, Nussknacker, Räuchermännchen mit Räucherkerzen, natürlich eine Krippe und einen Adventskranz sowie eine Pyramide und viele, viele Kerzen.

Diese Gegenstände selbst kann man erhalten, doch gehört auch das Wissen um die Benutzung und die Herkunft dazu.

Wussten Sie, dass der Schwibbogen vom Mundloch eines Bergwerkstollen abgeleitet wurde? Und die Pyramide von einem Pferdegöpel aus dem Bergbau stammt?

Mir fehlen allerdings noch ein Bergmann und ein Engel im Fenster. Haben Sie solche Figuren schonmal gesehen? Wissen Sie, was es damit auf sich hat? Im Erzgebirge haben die Hausherren früher stellvertretend für jedes ihrer Kinder solch eine Figur geschnitzt – ein Bergmann für einen Sohn, ein Engel für eine Tochter. Wie genau es aber dazu kam, das weiß ich auch nicht.

Und mir sind schon viele andere Weihnachtsbräuche abhanden gekommen.

So gibt es einige Haushalte, die ihre Fensterbeleuchtung erst am Heiligen Abend um 18Uhr mit dem Läuten der Kirchenglocken anschalten. Ich kenne es aber auch so, dass schon in den Adventswochen die Fenster reich beleuchtet werden, was früher den Bergleuten in der dunklen Jahreszeit ein bisschen Licht bringen sollte.

Ich kenne es auch nicht, dass die Stube mit Stroh ausgelegt wurde. Und Neunerlei habe ich auch noch nie gegessen.

Über diese Weihnachtsbräuche lässt sich sicher eine Doktorarbeit schreiben.

Aber ich möchte hier eigentlich nur dazu aufrufen, in der modernen, hektischen Welt diese Bräuche und Traditionen nicht als altmodisch, überholt oder kitschig abzutun. Das sagt nur, wer den Sinn davon nicht kennt.

Ich finde es wichtig, dass wir Traditionen haben, Dinge, die wir von unseren Eltern oder Großeltern übernehmen und ihnen damit Respekt zollen. Außerdem ist die Weihnachtszeit die beste Zeit im Jahr, um zur Ruhe zu kommen, mal wieder an liebe Menschen zu denken und nett zu einander zu sein.

Wer Weihnachten wirklich “unterm Baum entscheiden will”, wie ein großer Elektrohandel wirbt, der hat Weihnachten in meinen Augen komplett falsch verstanden.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen besinnliche, ruhige und traditionsreiche Weihnachten.

Nachruf für Annik Pietsch

Die Nachricht vom plötzlichen Tod Annik Pietschs hat an meiner Hochschule für Bestürtzung gesorgt. Nicht nur Professoren und Dozenten, die sie persönlich kannten, auch wir Studenten sind sehr traurig darüber.
Sie war eine der Koryphäen in der Restaurierung. Ihre Publikation über Lösemittel in der Restaurierung ist zum Standardwerk für uns geworden. Deshalb ist auch die Auflage restlos vergriffen…
Es ist wirklich traurig, dass nach Ulrich Schießl nun auch Annik Pietsch von uns gegangen ist.
Ihren Hinterbliebenen möchte ich mein herzlichstes Beileid aussprechen.
Annik Pietsch wird niemals vergessen werden.

Restaurierung eines Gemäldes 2

Nach ziemlich genau 50 Stunden ist das Bild nun gereinigt!

Die Rückseite bedurfte nur einer Trockenreinigung mit einem Latexschwamm, da hier nur loser Staub auflag. Die Bildseite bedeckte aber nicht nur loser Schmutz, sondern auch Vogelkot und erdige Anhaftungen.

Trotz vorheriger Festigung und Schollenniederlegung (ca. 20 Stunden) ist noch verhältnismäßig viel von der Malschicht verloren gegangen. Obwohl ich so behutsam wie möglich vorgegange bin, scheint es noch einige Hohlräume unter der geschlossenen Farbschicht gegeben zu haben, die erst durch die mechanische Beanspruchung der Reinigung sichtbar wurden. Teilweise war die Farbschicht auch so dünn, dass sie mit der Abnahme des Festigungsmittels ebenfalls verloren ging.

Das ist sehr frustrierend, wird aber von der Farbigkeit und Differenziertheit der Malerei ausgeglichen, die nach der Abnahme des alles vereinheitlichenden Schmutzes nun wieder erkennbar ist.

Deshalb hier noch einmal zur Anschauung, wie es vorher aussah:

und nach der Reinigung:

Allerdings wird jetzt auch – v.a. im Himmel – der ungleichmäßig aufgetragene, teilweise bereits schon verlorene und stellenweise stark vergilbte Firnis als besonders störend deutlich.

Mit Rücksprache einiger Gemälderestauratorinnen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich nun erst einmal Tests zur Firnisabnahme mache. Und dann entscheide ich, ob ich ihn tatsächlich entferne oder nicht. Denn ich fürchte, dass die Malschicht trotz Festigung eine Erneute oberflächliche Behandlung mit weiteren Farbverlusten bestraft.

Außerdem muss ich abwägen, wie ich mit den Lösemitteln umgehen kann: Kann ich evtl. mit den Bild in eine Werkstatt mit Absaugung umziehen? Denn daheim ist mir das zu gefährlich…

Aber eigentlich ist in solchem Fall eine Firnisabnahme unumgänglich, um ordentlich retuschieren zu können.

Restaurierung eines Gemäldes

Vor einigen Jahren habe ich ein Ölgemälde auf einer Hartfaserplatte geschenkt bekommen.

Es soll eine Oderlandschaft zeigen. Leider wurde es aus seinem Rahmen genommen. Den sollte ich später erhalten. Doch dem kam eine Gasexplosion zuvor, bei der er zerstört wurde…

Das Gemälde soll mit Flüchtlichen im 2.WK aus Schlesien nach Deutschland gekommen sein. Hier wurde es dann leider vernachlässigt und Feuchtigkeit ausgesetzt, was seinen ruinösen Zustand erklärt.

Viel Fassung ist bereits verloren gegangen. Der Großteil der noch erhaltenen Fassung liegt nur noch lose auf, die Schollen stehen partiell weit auf. Bei jeder Erschütterung gehen weitere Teile verloren. Die Oberfläche ist homogen sehr stark verschmutzt, stellenweise sogar mit anhaftendem Vogelkot und Erde. Der Firnis ist partiell ebenfalls spröde und verloren sowie vergilbt.

Dieser Zustand hat mich wirklich sehr lange zögern lassen, dieses Bild zu konservieren und zu restaurieren (ich glaube über 2 Jahre). Aber es wird ja bekanntlich nicht besser. Und bevor die Malschicht komplett verloren ist, habe ich mir ein Herz gefasst und mich dieser langwierigen Aufgabe gestellt.

Da das Bild mit 675x83mm recht groß ist, habe ich es erstmal mit Zwirn in neun Parzellen aufgeteilt. So kann ich etappenweise vorgehen und verliere den Überblick nicht.

Dann habe ich mit 5%igem Hautleim gefestigt. Mit einem kleinen Pinsel habe ich den Leim unter lose Schollen gegeben, bei großflächig craquelierten und gelösten Bereichen habe ich ihn vorsichtig mit einem größeren Pinsel aufgestrichen.  Dies hat wirklich lang gedauert und war sehr mühsam, da die Malschicht bei zu grober Berührung sofort abgefallen ist.

Das Ergebis überzeugte aber: alles ist fest und einige Schollen haben sich sogar durch den Trocknungsschwund des Hautleims niedergelegt. Die meisten Schollen standen aber so weit ab, dass dies nicht möglich war. So habe ich diese mit einem Heizspachtel niedergelegt, um später bei der Reinigung nicht alles wieder abzureißen.

Bisher habe ich die starke Verschmutzung mit destilliertem Wasser in Wattestäbchen abgenommen. Meist geht das sehr gut, da alle Schmutzsorten gut wasserlöslich sind. Da aber auch der eingebrachte Hautleim wasserlöslich ist, kann ich nicht zu lang eine Stelle bearbeiten.

Es dauert zwar alles unglaublich lang, aber bisher ist das Ergebnis recht überzeugend, denn man kann wieder Details der Malerei erkennen (siehe Bild oben links).

Was ich aber mit dem Firnis machen soll, weiß ich noch nicht. Soll ich ihn komplett abnehmen, um die Farbwirkung wieder herzustellen und diese fleckige Optik zu mindern? Oder soll ich ihn als Altersspur belassen?

Furniertes Kästchen

Als besonders persönliches Geburtstagsgeschenk habe ich ein einfaches Kästchen furniert.

Auf dem Deckel des Kästchens sollte eine persönliche und individuelle Marketerie sein. Dafür habe ich in einem Medaillon zwei Portraits eines Verwandten (einmal im jungen und dann in höherem Alter) mit einer Lilie zusammengestellt.

Die Umsetzung in eine Vorlage, die direkt zum Zuschnitt der Furnierstückchen dient, war etwas anspruchsvoll, aber nicht übermäßig kompliziert.

Schwieriger dagegen war die Holzauswahl. Ich habe nur nach Farbton ausgesucht. Mooreiche für Schwarz und Zitronenholz für die weiße Lilienblüte sowie die ergrauten Haare des älteren Portraits standen schnell fest. Für die Gesichtshaut wollte ich drei Farbtöne, um durch Licht und Schatten Plastizität zu erreichen. Nach langem Überlegen habe ich mich dann für Ahorn, Birke und Elsbeere entschieden. Der Fond des Medallions erhielt Vogelaugenahorn. Um das Kästchen nicht durch zu auffällige Maserung zu überladen, habe ich für den Rest Kirsche gewählt.

Beim Zuschneiden der kleinen Stückchen aus dünnem Messerfurnier habe ich meist ein Skalpell benutzt, für die Mooreiche eignete siche eine kleine Schere am besten. Dabei ist aber immer die Maserrichtung zu beachten. Aufgeklebtes Furnierband hilft sehr, da es leicht splitternde Holzarten zusammenhält.

Nachdem dann alles zugeschnitten war, habe ich den Blumenstiel grün gebeizt und die Blüte brandschattiert.

Bevor ich die Marketerie aufleimte, habe ich die großen Flächen des Kästchens mit Kirsche belegt, um das Medaillon präzise ausrichten zu können.

Vor dem abschließenden Lackauftrag habe ich die Oberfläche glatt geschliffen, noch einige Details eingraviert und mit dunkler Masse aus Schleifstaub und etwas Holzleim ausgekittet.

Das Innere habe ich dann noch mit rotem Samt ausgekleidet.

Insgesamt hat das alles gar nicht so lang gedauert. Dafür hat es aber um so mehr Spaß gemacht! Und die damit beschenkte Person hat sich unglaublich darüber gefreut.

Knochenhauer Amtshaus Hildesheim

Nach vier Jahren in Hildesheim habe ich es endlich einmal ins Knochenhauer Amtshaus geschafft!

Hier befindet sich das hildesheimer Stadtmuseum. Und ich war wirklich positiv davon überrascht!

Die Sonderausstellung über Wilhelm Pelizaeus war ansprechend gestaltet und gewährte einen guten Einblick in sein Leben und seine Bedeutung für Hildesheim.

Doch auch die Dauerausstellung über die Geschichte Hildesheims überrascht durch ansprechende museumspädagogische Gestaltung für Klein und Groß. Von der Frühzeit bis zum 2. Weltkrieg wird Hildesheims Geschichte gut veranschaulicht.

Ich wusste gar nicht, dass doch so viele berühmte Persönlichkeiten der Geschichte einen Bezug zu Hildesheim haben.

Auch die Entwicklung der Besiedelung Hildesheims seit der Gründung hat mich erstaunt – nicht nur wegen der interaktiven Gestaltung!

Am interessantesten aber fand ich den Abschnitt über “die Elektrische” (Straßenbahn) in Hildesheim. Während man in alten Straßenbahnsitzen die Füße ausruht, kann man einen – auch schon historischen – Film dazu sehen. Er stammt noch aus “D-Mark-Zeiten” und ist nicht nur modetechnisch aufschlussreich. Hier habe ich Hildesheim aus einer für mich ganz neuen Perspektive gesehen und habe in gewisser Weise Verständnis für Rekonstruktionswünsche, wie “den Zuckerhut”, entwickelt. Einmal mehr ist mir wieder deutlich geworden, was ein Krieg anrichten kann; wie er das Gesicht und den Charakter einer Stadt, den Stolz und die Identifizierung der Bewohner vernichten kann…

 

Alles in Allem frage ich mich, warum ich nicht schon früher dort war?

Denn neben seiner Behinderten gerechten Erschließung sind die Eintrittspreise gerechtfertigt:

3€ für Erwachsene, 2€ ermäßigt und 1€ für Kinder ab 6 Jahren.

Man sollte das Museum allerdings nicht mit hungrigem Magen besuchen, denn durch die Abluftanlage des Restaurants im Erdgeschoss riecht es in den Ausstellungsräumen – mal mehr, mal weniger – nach Essen.

Master-Thesis: Puppenstube(n)?

In weniger als einem Jahr plane ich, meine Master-Thesis zu schreiben und damit mein Studium abzuschließen.

Meine bisherige Idee ist es, ein Konservierungs-/Restaurierungskonzept für eine Puppenstube oder vielleicht auch eine ganze Puppenstuben-Sammlung zu erarbeiten. Es sollte halt nur in 18 Wochen zu schaffen sein… Eine Umsetzung der Maßnahmen wird in dieser Zeit sicherlich nicht möglich sein, aber man könnte sicher darüber nachdenken, dies noch anzuschließen.

Mich reizt sehr die Materialvielfalt. Denn was ich bisher gelesen habe, wurde in Puppenstuben eigentlich alles benutzt – von Holz, Papier über Metalle bis hin zu Elfenbein.

Wem jetzt einfällt, dass er/sie ein interessantes Stück (das z.B. ein spezifisches Schadensbild aufweist), eine ganze Sammlung von Puppenstuben oder sonstige Themen-Ideen rund um Puppenstuben hat, der/die kontaktiere mich bitte! Denn noch ist mein Thema nicht festgelegt, geschweige denn ausgereift! Doch ich benötige diese lange Volaufzeit, um mich gründlich auf meine Thesis vorzubereiten. Schließlich habe ich den Anspruch an mich, eine ordentliche Arbeit abzuliefern.

Also dann, schonmal danke für die Unterstützung und ich bin schon ganz gespannt, welche tollen Ideen und Vorschläge da auf mich zukommen.

Reisebericht Florenz, Italien

Eine Woche lang haben wir uns im Rahmen einer Kunstgeschichts-Exkursion Florenz (und Siena) in Italien unter dem Thema der “italienischen Frührenaissance” angeschaut und dabei bekannte und bedeutende Meisterwerke der Kunst und Architektur besichtigt und diskutiert.

Altstadt von Florenz, Blick vom Piazzale Michelangelo

In Florenz haben wir einige Kirchen besichtigt:

– Santa Maria Novella

– San Lorenzo mit der Capelle Medicee (von Michelangelo)

– Santo Spirito

– Santa Felicita

– Kloster il Carmine mit der Capella Brancacci

– Dom Santa Maria del Fiore und das davor gelagerte Baptisterium

– Orsanmichele

– Santa Croce

Dazu haben wir noch Profanbauten besichtigt:

– Palazzo Strozzi

– Museo Palazzo Davanzati

– Palazzo Medici Riccardi

– Galleria dell’Accademia mit Skulpturen von Michelangelo, wie den David

Und dazu konnten wir noch die Restaurierungswerkstätten der Fortezza da Basso und des Opificio delle Pietre Dure besichtigen sowie die mitlerweile fast komplett abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten der Fresken in der Chorkapelle Santa Croce.

Zusätzlich habe ich mir dann noch auf eigene Faust die Uffizien und den Palazzo Pitti angeschaut.

Mit diesem reichhaltigen Programm haben wir noch lange nicht alles von der florentiner Altstadt gesehen!

Kultruell ist diese Stadt wirklich sehr reich, teilweise schon erschlagend.

Nachteilig empfand ich, dass man fast überall (auch Kirchen) Eintritt zahlen muss – und das nicht zu knapp!

In den Museen kann man, wenn man europäischer Student einer Kunsthochschule ist aber teilweise kostenlos eintreten, so z.B. bei den Uffizien. Man muss nur mit seinem Studentenausweis darauf hinweisen!

Allerdings ist in den meisten Museen und Kirchen das Fotografieren absolut verboten – noch nicht einmal ohne Blitz darf man Bilder machen. Falls man das doch tut, wird man sofort “sehr deutlich” darauf hingewiesen, dass das verboten ist!

 

Mir ist in dieser Woche das Bild einer klaren Hierarchie der Wertschätzung von historischem Kunst- und Kulturgut in Florenz entstanden: Fresken und architektonische Bauplastik sind sehr hoch geschätzt. Ihre Konservierung wird gern finanziert. Danach folgen Steinplastiken und Gemälde. Historische Möbel scheinen in der Wertschätzung ganz unten zu rangieren.

Stuhl auf Landzunge unter einer Brücke über den Arno, Florenz

Besonders im Palazzo Pitti ist mir aufgefallen, dass sich Besucher auf einige der historischen Stühle setzen dürfen.

Auch in der präventiven Konservierung erscheinen mir die Florentiner sehr inkonsequent:

Historische Wandbespannungen werden erst dann mit Plexiglas geschützt, wenn sie schon deutlich abgegriffen sind (im Palazzo Pitti aufgefallen). Und mit Staubwischen haben sie es auch nicht; besonders in den Uffizien waren einige Skulpturen, Stuckaturen und Bilderrahmen mit dicken, sehr auffälligen Staubschichten überzogen.

Fehlt da das Geld oder ist das Bewusstsein für Sammlungspflege noch nicht so ausgeprägt?

 

Die Altstadt an sich hat ein definitives Verkehrsproblem!

Durch die engen Gassen rasen Motorroller, Autos und sogar LKW! Die Bürgersteige sind mikroskopisch schmal bis gar nicht vorhanden, so dass man wirklich sehr aufpassen muss. Und man darf sich nicht auf grüne Ampeln verlassen…

Hier gilt besonders: Augen auf im Straßenverkehr!

Dennoch bietet die gesamte Altstadt wirklich viele Fotomotive, ist also auch für künstlerische Fotografie sehr geeignet.

Eine erhebliche Gefahr des Diebstahls kann ich jetzt nicht bestätigen. Aber man sollte schon gut auf seine Taschen und Kameras aufpassen.

 

Wir als Studenten haben in Ferienwohnungen gewohnt und haben uns selbst verpflegt.

Unsere Unterkünfte waren durchweg schön.

Die, in der ich war (Lungarno Amerigo Vespucci), kann ich wirklich sehr empfehlen! Sie ist stilvoll eingerichtet und sehr gemütlich. Die Vermieterin ist überaus nett, zuvorkommend und kann Englisch. Und sie bedankt sich für jegliches Kompliment, dass man ihr macht, selbst wenn man nur betont, dass die Heizung einfach zu bedienen ist.

In dieser Wohnung waren wir zu viert, das war ok. Für Paare ist es, glaube ich, viel besser geeignet.

Aber so war es natürlich preiswerter.

Unterkunft, Verpflegung und Eintrittsgelder beliefen sich bei mir auf ca. 200€.

Auch wenn einige Lebensmittel in Italien teurer sind, als in Deutschland, sind die öffentlichen Verkehrsmittel (besonders Zug) unglaublich günstig! Allerdings muss man hierbei immer mit unvorhergesehenen Ereignissen und Unpünktlichkeit rechnen und sollte deshalb genug Zeitpuffer einplanen.

 

Alles in Allem war es die Reise aber wert und ich würde auch gern wieder nach Florenz zurückkehren oder ins übrige Italien reisen. Es ist wirklich sehr lohnenswert! Und Sprachkenntnisse sind natürlich überaus vorteilhaft.

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Insektenkunde (Entomologie)

Die Insektenkunde ist für Restauratoren – besonders von Möbeln und Holzobjekten – von großer Bedeutung, da einige Insekten vom Holz leben. Sie zerstören also unsere hölzernen Kulturgüter. Sie werden häufig umgeangssprachlich als “Holzwürmer” zusammengefasst. Wie immer, ist es aber weitaus komplexer.

Zunächst ist es wichtig, die Lebensbedingungen (Holzart, Materialfeuchte usw.) der einzelnen Arten zu kennen. Dies ermöglicht uns nicht nur ein Erkennen der Schädlinge, sondern auch eine Änderung der Umgebungsbedingungen, um neuerlichen Befall oder weitere Ausbreitung zu vermeiden. Eine Bekämpfung kann damit manchmal schon umgangen werden.

Für Möbel- und Holzrestauratoren sind die Frischholz- oder Forstschädlinge (z.B. Borkenkäfer, Werftkäfer, Holzwespen, Bockkäfer) eigentlich von geringer Bedeutung, da sie nur an lebenden, berindeten Bäumen vorkommen. An verbautem Holz finden sich manchmal nur optisch beeinträchtigende  Altschäden. Einige Arten, wie die Holzwespen oder Bockkäfer und Weicher Nagekäfer, können sich aber auch noch in verbautem Holz weiter entwickeln. Wird aber die Rinde entfernt, stirbt der aktive Befall ab und es ist kein neuer zu erwarten.

Bedeutender sind allerding die Trockenholzinsekten (z.B. Hausbock, Gewöhnlicher Nagekäfer, Gekämmter Nagekäfer, Splintholzkäfer). Der Hausbock ist im Splint von Nadelholz zu finden. Da er aber 30% Holzfeuchte und ca. 28°C als optimale Lebensbedingungen bevorzugt, ist er an Möbeln meist seltener zu finden.

Interessant wird es dann beim Gewöhnlichen Nagekäfer (Anobium punctatum) und bei den verschiedenen Splintholzkäfern (Lyctus), da diese relativ trockenes Holz befallen und hier auch großen Schaden anrichten können. An dieser Stelle kann leider nicht auf die einzelnen Unterscheidungsmerkmale von Larven, Fraßbild, Nagsel und Imago eingegangen werden. Das ist auch überwiegend eine Frage der Übung: man muss einige Beispiele gesehen haben, um natürliche Abweichungen zu erkennen. Es sei aber auf einige nützliche Quellen Hingewiesen:

Bei den wichtigsten Holz zerstörenden Insekten besteht auch häufig Verwechslungsgefahr mit Vorratsschädlingen, besonder beim Gewöhnlichen Nagekäfer. Ihm sieht der Brotkäfer sehr ähnlich. Sicherstes Unterscheidungsmerkmal ist aber der Halsschild, der beim Brotkäfer runder ist. Der des Gewöhnlichen Nagekäfers ist “beuliger”.

Auch von Bedeutung können Faulholzinsekten (z.B. Trotzkopf, Gescheckter Nagekäfer, Rothalsbock) für Möbel sein. Vorwiegend sind sie zwar in Gebäudesubstanz zu finden, da sie – wie ihr Name schon sagt – faules Holz befallen, verschmähen aber deswegen keine Pilz geschädigten Möbel. Liegt ein solcher Schaden vor, wurde das Möbelstück aber schon sehr lang vernachlässigt, da ja zunächst ein Holz zerstörender Pilz drüber gegangen sein muss.

Sondererscheinungen, wie Ameisen und Termiten seien hier auch nur kurz aufgezählt. Darüber hinaus gibt es natürlich noch zahlreiche Unterarten von den oben genannten Insekten.

Bei weiteren Fragen kann ich eine Kontaktaufnahme mit Herrn Ulrich Arnold empfehlen. Er hat gesunden Sachverstand, praktische Erfahrung, ist sehr vermittlungsbegabt und kann dann ggf. auch weitere Kontakte zu weiteren Spezialisten oder verschiedenen Bekämpfungsfirmen vermitteln.