Tag des offenen Denkmals in Wolfenbüttel

Heute war wieder der alljährliche Tag des offenen Denkmals. In Wolfenbüttel waren u. a. die Seeligervilla und das kleine Schloss mit dabei. Und das waren wirklich sehr schöne und beeindruckende Orte.

Um elf Uhr konnte ich an der ersten Führung in der Seeligervilla, die heute von der Landesmusikakademie genutzt wird, teilnehmen. Vor einigen Jahren war die Villa kurz nach dem Ableben der letzten Bewohnerin bereits einmal beim Tag des offenen Denkmals zu besichtigen. Diesmal wollte ich sehen, was aus der Villa geworden ist.

Zwei Damen, die ab 1943 als Jugendliche einige Jahre hier lebten, haben von ihren Erinnerungen erzählt und so ein sehr lebendiges Bild des früheren Lebens in der Villa gezeichnet. Vom Dachboden bis zum Keller konnten wir viel Geschichte sehen und erfahren, wie die Räume denkmalgerecht modernisiert wurden und aktuell auch noch saniert werden. So ist heute eine ganz wunderbare Atmosphäre entstanden, die so viel Historie atmet. Die Räume genügen modernen Ansprüchen und lassen doch respektvoll dem Alten den Vortritt. Und der künstlerische Geschäftsführer, Markus Lüdke schien sich auch in dieses Gebäude verliebt zu haben. Wer würde nicht gern in so einem Ambiente arbeiten? Das ist kein Vergleich zu dem seelenlosen, grauen Acht-Mann-Büro, in dem ich aktuell arbeite …

Anschließend habe ich das Kleine Schloss besucht. Direkt neben dem Wolfenbütteler Schloss liegt dieses geschichtsträchtige Gebäude, welches heute in acht Wohneinheiten geteilt ist, in einem parkähnlichen Garten. Im Saal hat einer der Eigentümer die wechselhafte Geschichte durch vier Jahrhunderte kurzweilig vermittelt. Seit 1995 sanieren sie durchweg am Gebäude, um es den modernen Anforderung unter Wahrung der Bausubstanz anzunähern. Denn in der Denkmalpflege ist ja bekannt, dass nur durch angemessene Nutzung Denkmäler erhalten werden. Da eine der Wohnungen gerade leer steht und zu vermieten ist, konnten wir diese mit dem großzügigen Wintergarten und den Garten bei bestem Sonnenschein durchschreiten.

Beide Veranstaltungsorte erfreuten sich so großem Besucheransturm, dass die Veranstalter jeweils ihre Führungskonzepte spontan über den Haufen warfen. So wurden die stündlichen Führungen der Seeligervilla, die nur Gruppen von etwa 25 Personen zuließen auf halbstündige reduziert. Im Kleinen Schloss waren anfangs nur Führungen um 11, 13 und 15 Uhr vorgesehen. Sie wurden auf einen Dreiviertelstundentakt ausgeweitet.

An der Seeligervilla habe ich dann noch im Sonnenschein ein Stück Kuchen und einen Tee genossen, um die wunderbaren Eindrücke zu verarbeiten.

Vielen Dank an die Organisatoren und Ausführenden! Das waren zwei wunderbare Veranstaltungen, die den diesjährigen Tag des offenen Denkmals zu einem ganz wunderbaren Sonntag gemacht haben.

 

Welterbe Erzgebirge

2013 wurde der Antrag zum Weltkulturerbe bei der UNESCO eingereicht. Ich berichtete.

Nun ist es entschieden: Die Montanregion Erzgebirge ist mit seinen deutschen und tschechischen Teilen in den Kreis des Welterbes aufgenommen worden.

Herzlichen Glückwunsch!

Nun sind wir gespannt, wie sich dieser Titel auf die Region auswirkt und was daraus gemacht wird.

Reisen Sie im nächsten Urlaub in das jüngste Welterbe und entdecken Sie die spannende Geschichte und interessante Landschaft.

Ein schwarzes Schaf

Schon viele Jahre hatte ich ein kleines Stück eines sehr interessanten Stoffes in meinem Schrank. Es war ein schwarzes Textil mit lockenförmigem Flor. Als Freunde mir dann mitteilten, dass sie Nachwuchs erwarten, wusste ich, was ich aus dem Textilstück mache: ein schwarzes Schaf!

Da ich kein Schnittmuster für ein Plüschtier hatte, habe ich mir anhand von eigenen Plüschtieren und Fotos im Netz überlegt, welche Stoffteile wie geformt sein müssen, damit sie dann – richtig zusammengenäht – einen erkennbaren Körper ergeben. Da der „Lockenstoff“ begrenzt war, hat er die Größe der Figur vorgegeben. Er sollte nur Torso und Kopf bilden. Beine, Arme, Ohren und Gesicht habe ich aus schwarzem Samtkord genäht.

Nächste Herausforderung war dann, bei den vielen Stoffteilen die Übersicht zu behalten und die richtigen Teile in der richtigen Reihenfolge zusammen zu nähen. Nur einmal musste ich eine Naht wieder auftrennen, weil ich ein Stück verkehrt eingefügt hatte.

Beim Nähen der Arme und Beine ist mir bereits bewusst geworden, dass die Einzelteile ruhig hätten etwas größer angelegt werden können. Viele Nähte konnte ich gut mit der Nähmaschine machen, an manchen kniffligen Stellen musste ich aber per Hand nähen.

Zum Schluss habe ich den Po des Schafs offen gelassen, um die Füllwatte noch überall gut Einstopfen zu können. In die Füße habe ich zuerst kleine Säckchen mit Kieselsteinen gegeben und die Beine dann nur locker gestopft, damit sie gut hängen können. Die Ohren sind ungefüllt, Kopf und Torso hingegen sehr fest gestopft. Bevor der Po von Hand zugenäht wird, habe ich noch ein Säckchen mit Kieseln eingelegt, damit der Schwerpunkt des Tieres niedrig ist und es gut sitzen kann.

Und so ist ein kleines schwarzes Schaf (mit geradem Rückgrat) entstanden. Augen, Nase und Mund habe ich aufgestickt, damit keine verschluckbaren Kleinteile vorhanden sind.

Insgesamt habe ich 1,5 Tage, viel Vorstellungskraft, Gehirnschmalz und Fingerfertigkeit dafür gebraucht.

Es gefällt dem Baby wohl sehr gut. Seine Mama berichtete mir, es erzähle dem Schaf permanent Geschichten. Da Kleinkinder wohl zunächst Kontraste besonders gut erkennen, scheint das Schaf voll ins Schwarze getroffen zu haben.

Ein Stück Alltag

Vom 9. bis 11. Mai fand nun also die VDR-Tagung „Ein Stück Alltag – Möbel und andere Dinge der Alltagskultur aus Holz in der Konservierung und Restaurierung“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Und ich habe die drei Tage wirklich sehr genossen.

Jessica Midding und ich während unseres Vortrags (Foto: Christian Huber)

Zum 40-jährigen Jubiläum der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte sollten mit dieser Tagung auch einmal die Themen und Objekte des früheren und aktuellen Alltags gewürdigt werden. So ging es in 25 Vorträgen u. a. um ländliches Mobiliar, Schreibtische, Rollstühle, Flugzeugtanks und Hausapotheken sowie um den aktuellen Berufsalltag, der aus Schimmel- und Insektenbekämpfung in Depots, Neupräsentationen von Konvoluten und zahlreichen verschiedenen Forschungsprojekten besteht. Es war ein wirklich sehr buntes, facettenreiches Programm mit internationalen Gästen.

Persönlich sehr genossen, habe ich neben den Fachvorträgen natürlich auch die Gespräche mit ehemaligen Kollegen und Kolleginnen und dem Knüpfen neuer Kontakte bei einer Rundumversorgung mit Speis und Trank. Im Nu waren da die drei Tage um.

Natürlich war ich auch sehr aufgeregt, da ich mit einer lieben Kollegin, Jessica Midding, vom Deutschen Automatenmuseum in Espelkamp einen Vortrag zur Welt der Münzautomaten gehalten habe. Über den großen Zuspruch und die Danksagungen hinterher waren wir beide ziemlich überrascht, doch hoch erfreut.

Auch die Stadt Nürnberg präsentierte sich mit einem riesigen Nachtflohmarkt im Zentrum von seiner besten Seite. Und das Germanische Nationalmuseum wartete auch mit zahlreichen interessanten Ausstellungskomplexen und einer schier atemberaubenden Exponatanzahl auf.

(Foto: Christian Huber)

Es war für mich von dem Moment, als ich den Call for Paper las und auf die Idee des Vortrags kam, über die gesamte Vorbereitungszeit und die Tagung selbst, bis zur Rückfahrt eine sehr schöne Zeit, da ich wieder in meinem ursprünglichen Metier unterwegs sein konnte. Ein Restaurator bleibt halt im Herzen immer ein Restaurator.

Restauratorentagung in Nürnberg

Vom 9. bis 11. Mai findet in Nürnberg eine Tagung der Möbelrestauratoren zu Alltagsobjekten statt.

Noch bis zum 28.4. können Sie sich anmelden.

Lassen Sie sich vom spannenden und facettenreichen Programm überzeugen.

Außerdem ist diese Veranstaltung das 40jährige Jubiläum der Möbelrestauratoren. Da sollten wir uns doch feiern!

Und natürlich ist so eine Tagung immer hervorragend geeignet, eine Stadt und ihre Museen kennenzulernen sowie zahlreiche neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen.

Wir sehen uns dann hoffentlich vom 9. bis 11.5. in Nürnberg!

Neue Kästchen

Zur Weihnachtszeit habe ich wieder zwei Kästchen neu gestaltet und verschenkt.

Aus zwei alten Zigarettenkisten wurde eine Schatulle für Herrenaccessoires (rechts) und eine für allerlei Kostbarkeiten und Erinnerungen (links).

Für ein ordentliches Ergebnis, habe ich zunächst vorsichtig die Schließen und Scharniere sowie etwaige Etiketten entfernt. Dann wurden die Oberflächen gründlich glattgeschliffen.

Die kleinere Kiste wurde dann in mehreren Lagen weiß gefasst, mit zahlreichen Zwischenschliffen und einem gründlichen Endschliff, damit eine absolut ebenmäßige Oberfläche entsteht. Die Falze habe ich in Grün abgesetzt, um einen ansprechenden Übergang zum Inneren zu schaffen, den ich später noch mit grünem Seidensamt ausgeschlagen habe. Die äußeren Verzierungen habe ich in Serviettentechnik aufgebracht und die gesamte, empfindliche Oberfläche seidenmatt lackiert. Nach dem Anbringen der Beschläge war die Arbeit hier abgeschlossen.

Die zweite Schatulle wurde zunächst mit mehreren Weißschichten innen und außen grundiert. In einem dunklen Violett fasste ich dann die Seiten ringsum und den oberen Deckelrahmen. Nach dem Glatten habe ich das weiße Feld auf dem Deckel mit Schmetterlingen in drei Helligkeitsstufen des Violetttons so gestaltet, dass es wirkt, als flögen sie vom Dunkel in die helle Ferne rechts oben. Nach dem Glattschleifen setzte ich im Bild noch ein paar Glitzerakzente. Das Innere wurde mit besonderem Papier mit Goldhighlights ausgeschlagen. Da auch dieses recht empfindlich ist, habe ich abschließend das Äußere und Innere lackiert. Nach dem Anbringen der Scharniere und der Schließe hat es die Beschenkte sehr glücklich gemacht.

Im Vergleich zu den Kästchen mit Perlenmosaik, die ich vor einiger Zeit anfertigte, sind diese hier natürlich deutlich weniger aufwendig. Die Holzsubstanz dieser Kästchen war auch deutlich geringer, so sind Teile ausgebrochen, als ich die Scharniere entfernt habe. Es haben sich auch Teile beim Fassen verzogen, deshalb klemmen beide Schatullen jetzt etwas beim Öffnen und Schließen.

Die Fertigung und das Verschenken haben mir große Freude bereitet. Die neuen Besitzen erfreuen sich nun an ihren handgefertigten Unikaten.

Schlossmuseum Braunschweig

Noch bis zum 30.12.2018 ist im Schlossmuseum Braunschweig der Eintritt frei.

Nutzen Sie dieses Angebot für einen kleinen Ausflug nach Braunschweig und besuchen Sie dieses kleine, ansprechende Museum.

In einem Teil des neu aufgebauten Stadtschlosses wird die Geschichte von Schloss und Welfenhaus multimedial und kurzweilig vermittelt. In den rekonstruierten Räumlichkeiten – sie lassen die alte Pracht erahnen, sind aber deutlich modernen Ursprungs – sind historische Originale wieder vereint. Die Präsentation ist sehr gelungen.

Nutzen Sie auch den Audioguide, der je nach persönlichem Interesse mehr zu Ausstattungsstücken, Rekonstruktionen oder historischen Persönlichkeiten erzählt.

Ein wirklich empfehlenswerter kurzer Museumsbesuch.

Restaurator bei der Maus

In der Sendung mit der Maus vom 9.9.2018 wurde die Arbeit eines Gemälderestaurators vorgestellt.

Juhu: unser Beruf schafft es erneut in öffentliche Medien!

Und für Kinder mag die vereinfachte Darstellung ausreichen.

In meinem Studium hatte ich aber den Eindruck, dass meine Kolleginnen aus der Gemälderestaurierung doch mittlerweile etwas anders und deutlich filigraner arbeiten …

Da fällt mir ein: was macht eigentlich der TV-Aufreger kaputt und zugenäht?

Auf jeden Fall müssen wir Restauratoren am Ball bleiben, das Bild unseres Berufs in der Öffentlichkeit zu korrigieren.

Und ich finde, der europäische Tag der Restaurierung am 14.10.2018 ist dafür wunderbar geeignet!

Geheimtipp: nur bis Freitag in Hildesheim Restaurierung eines fast verlorenen Chorgestühls aus Rumänien zu sehen

Nur noch bis Freitag kann man in Hildesheim, auf dem Campus der HAWK (Renatastraße) im Haus E eine Ausstellung über die acht Jahre dauernde Restaurierung eines einmaligen historischen Kulturguts sehen. Der Eintritt ist frei.

Ein sechssitziges und ein dreisitziges Chorgestühl wurden 1537 vom Meister Johannes Reychmut aus Schäßburg für die Wehrkirche in Tobsdorf in Siebenbürgen, Rumänien angefertigt. Das Dorf scheint damals recht wohlhabend gewesen zu sein. Das Gestühl leistete viele Jahrhunderte treue Dienste und wurde gehegt und gepflegt. Als Ende des 20. Jh. ein Großteil der Siebenbürger Sachsen weggingen, geriet die Kirche mit ihrer Ausstattung in Vergessenheit und verfiel zusehends.

2010 wurden Studierende der HAWK während der jährlichen Studienaufenthalte in Siebenbürgen auf die Chorgestühle in Form von Bretterhaufen in einem Lager in Mediasch aufmerksam.

Damit begannen sieben Jahrgänge von Studierenden mit üblichen und innovativen Methoden der Erhaltung und Wiederherstellung dieses Kulturgutes.

In der Ausstellung mit zugehöriger Publikation werden all diese Schritte in jugendlich leichter und anschaulicher Weise beschrieben. Nach Freitag wird die Ausstellung abgebaut und reist gemeinsam mit den Chorgestühlen nach Siebenbürgen zurück.

Kulturgut im TV

Vor einiger Zeit entbrannte unter den Restauratoren eine kritische Diskussion um ein neues Sendeformat des ZDF: „kaputt und zugenäht“ (auch ich berichtete hier). Manche Stimmen forderten sogar deswegen den Ausschluss der beteiligten Restauratorin Julia Pfeiffer aus dem VDR.

Dies ist zum Glück nicht eingetreten! Sondern aufgrund der Wortmeldung des VDR wurde das Sendeformat etwas angepasst: Es sind nun pro Folge unterschiedliche Kunsthistoriker mit einer Expertise und unterschiedliche Kunsthandwerker mit der Reparatur beteiligt. Es wird kein Geld mehr überreicht und es wird nicht mehr übertrieben um Kohle geschachert. Positiv aufgefallen ist mir, dass stets von „Restaurierung“ gesprochen wird und der „Allrounder“ Antoine nicht mehr dabei ist. Dafür ist nun der in Großbritannien ausgebildete Restaurator Patrick Urs Krüger an Julia Pfeiffers Seite.

Natürlich ist das Format noch immer sehr rührig, emotional und dem finanziellen Aspekt zugetan, doch es wird die Arbeit und die Ethik von Restauratoren in winzigen Häppchen recht gut vermittelt. So denke ich, kann auch der völlig unbedarfte Zuschauer mit der Zeit mehr Verständnis für unseren Beruf entwickeln.

Warum aber entbrennt denn nicht auch solche Diskussion um Sendeformate wie „Bares für Rares“ oder „clever abgestaubt„? Hier geht es ausschließlich um Geld. Bei ersterem wird noch viel mehr über das jeweilige Objekt und dessen Geschichte berichtet als bei der verwirrenden Quizshow mit Antiquitäten. Bei der Quizshow werden unterschiedlichste Antiquitäten mit einander verglichen. Hinter den Objekten – über die man am Anfang nichts weiß – verstecken sich verschiedene Werte und sogar eine Niete! In mehreren Runden fliegen die Teams raus, die „zu wenig“ Wert gesammelt haben. Damit werden meiner Meinung nach alte, geschichtsträchtige Objekte auf einen subjektiven finanziellen Wert reduziert. Es wird suggeriert, dass „weniger wertvolle“ Objekte schlecht sind.

Ich wünsche mir ein Sendeformat, welches auf positive Weise vermittelt, dass jedes alte Objekt mit all seinen evtl. Schadstellen oder Abnutzungsspuren einzigartig und individuell ist. Für jedes Objekt gibt es einen Liebhaber, dem es etwas bedeutet und der es wertschätzt, genauso wie es ist.