Restaurator bei der Maus

In der Sendung mit der Maus vom 9.9.2018 wurde die Arbeit eines Gemälderestaurators vorgestellt.

Juhu: unser Beruf schafft es erneut in öffentliche Medien!

Und für Kinder mag die vereinfachte Darstellung ausreichen.

In meinem Studium hatte ich aber den Eindruck, dass meine Kolleginnen aus der Gemälderestaurierung doch mittlerweile etwas anders und deutlich filigraner arbeiten …

Da fällt mir ein: was macht eigentlich der TV-Aufreger kaputt und zugenäht?

Auf jeden Fall müssen wir Restauratoren am Ball bleiben, das Bild unseres Berufs in der Öffentlichkeit zu korrigieren.

Und ich finde, der europäische Tag der Restaurierung am 14.10.2018 ist dafür wunderbar geeignet!

Geheimtipp: nur bis Freitag in Hildesheim Restaurierung eines fast verlorenen Chorgestühls aus Rumänien zu sehen

Nur noch bis Freitag kann man in Hildesheim, auf dem Campus der HAWK (Renatastraße) im Haus E eine Ausstellung über die acht Jahre dauernde Restaurierung eines einmaligen historischen Kulturguts sehen. Der Eintritt ist frei.

Ein sechssitziges und ein dreisitziges Chorgestühl wurden 1537 vom Meister Johannes Reychmut aus Schäßburg für die Wehrkirche in Tobsdorf in Siebenbürgen, Rumänien angefertigt. Das Dorf scheint damals recht wohlhabend gewesen zu sein. Das Gestühl leistete viele Jahrhunderte treue Dienste und wurde gehegt und gepflegt. Als Ende des 20. Jh. ein Großteil der Siebenbürger Sachsen weggingen, geriet die Kirche mit ihrer Ausstattung in Vergessenheit und verfiel zusehends.

2010 wurden Studierende der HAWK während der jährlichen Studienaufenthalte in Siebenbürgen auf die Chorgestühle in Form von Bretterhaufen in einem Lager in Mediasch aufmerksam.

Damit begannen sieben Jahrgänge von Studierenden mit üblichen und innovativen Methoden der Erhaltung und Wiederherstellung dieses Kulturgutes.

In der Ausstellung mit zugehöriger Publikation werden all diese Schritte in jugendlich leichter und anschaulicher Weise beschrieben. Nach Freitag wird die Ausstellung abgebaut und reist gemeinsam mit den Chorgestühlen nach Siebenbürgen zurück.

Kulturgut im TV

Vor einiger Zeit entbrannte unter den Restauratoren eine kritische Diskussion um ein neues Sendeformat des ZDF: „kaputt und zugenäht“ (auch ich berichtete hier). Manche Stimmen forderten sogar deswegen den Ausschluss der beteiligten Restauratorin Julia Pfeiffer aus dem VDR.

Dies ist zum Glück nicht eingetreten! Sondern aufgrund der Wortmeldung des VDR wurde das Sendeformat etwas angepasst: Es sind nun pro Folge unterschiedliche Kunsthistoriker mit einer Expertise und unterschiedliche Kunsthandwerker mit der Reparatur beteiligt. Es wird kein Geld mehr überreicht und es wird nicht mehr übertrieben um Kohle geschachert. Positiv aufgefallen ist mir, dass stets von „Restaurierung“ gesprochen wird und der „Allrounder“ Antoine nicht mehr dabei ist. Dafür ist nun der in Großbritannien ausgebildete Restaurator Patrick Urs Krüger an Julia Pfeiffers Seite.

Natürlich ist das Format noch immer sehr rührig, emotional und dem finanziellen Aspekt zugetan, doch es wird die Arbeit und die Ethik von Restauratoren in winzigen Häppchen recht gut vermittelt. So denke ich, kann auch der völlig unbedarfte Zuschauer mit der Zeit mehr Verständnis für unseren Beruf entwickeln.

Warum aber entbrennt denn nicht auch solche Diskussion um Sendeformate wie „Bares für Rares“ oder „clever abgestaubt„? Hier geht es ausschließlich um Geld. Bei ersterem wird noch viel mehr über das jeweilige Objekt und dessen Geschichte berichtet als bei der verwirrenden Quizshow mit Antiquitäten. Bei der Quizshow werden unterschiedlichste Antiquitäten mit einander verglichen. Hinter den Objekten – über die man am Anfang nichts weiß – verstecken sich verschiedene Werte und sogar eine Niete! In mehreren Runden fliegen die Teams raus, die „zu wenig“ Wert gesammelt haben. Damit werden meiner Meinung nach alte, geschichtsträchtige Objekte auf einen subjektiven finanziellen Wert reduziert. Es wird suggeriert, dass „weniger wertvolle“ Objekte schlecht sind.

Ich wünsche mir ein Sendeformat, welches auf positive Weise vermittelt, dass jedes alte Objekt mit all seinen evtl. Schadstellen oder Abnutzungsspuren einzigartig und individuell ist. Für jedes Objekt gibt es einen Liebhaber, dem es etwas bedeutet und der es wertschätzt, genauso wie es ist.

Closer to van Eyck

Im gleichnamigen Webportal können Sie tatsächlich auf Tuchfühlung mit Jan van Eyck gehen – dem wohl bedeutendsten Maler des Spätmittelalters.

Zwei Schwerpunkte werden auf den Ghenter Altar und weitere Werke des Künstlers gelegt.

In hochauflösenden Bildern kann man nicht nur den Ghenter Altar vor, während und nach der Restaurierung betrachten, sondern auch dank Infrarotaufnahmen, IR-Reflektografien und Röntgenbilder in sein und anderer Werke Inneres blicken.

Ergänzt durch Berichte zu Untersuchungen und Konservierungsmaßnahmen erhält jeder Interessierte tiefgreifende Einblicke in die Arbeit des Künstlers damals und der Restauratoren und Wissenschaftler heute.

Leider scheint die Seite nicht optimal für die Nutzung auf Tablet und Smartphone angepasst zu sein, da manche Touch-Features nicht funktionieren. Außerdem ist die Bedienung oft nicht flüssig, was an den großen Datenmengen der wirklich tollen Fotos und Filme liegen mag.

Besonders witziges Detail ist die Kartenübersicht der verschiedenen Werke van Eycks: in Deutschland ist Frankfurt Richtung Koblenz und Berlin Richtung Waren an der Müritz gerutscht. Wenigstens Dresden haben die Macher der Webseite getroffen.

Insgesamt ist dieser Internetauftritt aber eine gelungene Initiative, den Beruf des Restaurators bekannt zu machen und die Faszination der Kulturguterhaltung in die Welt zu vermitteln.

Ein Jahr Kulturgutschutzgesetz

Eine erste Zwischenbilanz zieht die Universität Regensburg am 25.10.2017 in einem öffentlichen Symposium.

Welche Effekte hat dieses Gesetz bewirkt? Waren sie dem Schutz von Kulturgut zuträglich oder doch eher nachteilig? Sind die beabsichtigen Effekte eingetreten oder doch auch völlig  Unbeachtetes? Reicht das Gesetz aus oder muss noch nachgebessert werden?

Es würde mich brennend interessieren, wo wir nun stehen und welche Perspektiven sich eröffnet haben!

Leider ist das Symposium an einem Mittwochabend und von mir aus nicht gerade um die Ecke. Da ich beruflich nicht flexibel genug bin, kann ich leider nicht teilnehmen.

Jeder, der sich dafür interessiert und die Möglichkeit hat, sollte aber unbedingt teilnehmen! Da die Veranstaltung kostenlos und ohne Anmeldung zu besuchen ist, können Sie auch ganz spontan sein.

Ich hoffe daraf, bald auch auf anderem Wege ein Resümee des ersten Jahres Kulturgutschutzgesetz zu lesen.

Der Archivar und seine Schätze

Gestern Abend ab 18 Uhr besuchte ich die Antrittsvorlesung vom neuen Honorarprofessor Dr. Michael Schütz an der HAWK in Hildesheim.

Mit abwechslungsreicher, interessanter musikalischer und kulinarischer Begleitung rahmten kurze Würdigungsreden den Vortrag von Herrn Schütz über den „Archivar und seine Schätze„. Der Fakultätsdekan Prof. Dr.-Ing. Günther Bahre stimmte die Zuhörer sehr wortwitzig mit den zu erfüllenden Voraussetzungen für so eine Professur und seiner Freude über diesen qualitätsvollen Zuwachs des Kollegiums ein. Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub unterstrich die Freude über diesen Glücksfall durch eine kurze Zusammenfassung der Vita und das vielseitigen Engagements von Herrn Schütz.

Dann stellte Herr Schütz selbst in gut 40 Minuten die Arbeit und das Selbstverständnis von Archivaren vom 17. Jh. bis heute anhand seiner Forschungen in Archivalien vor – immer auf die Erhaltung von Schriftgut fokussiert. Dies gelang ihm in seiner charakteristischen, überaus charmanten und amüsanten Vortragsweise, die ich noch aus meinem Studium von ihm kenne. Es gelingt ihm mit scheinbarar Leichtigkeit, eine Fülle von Informationen nahezu unbemerkt zu vermitteln. Er nimmt seine Zurörer stets auf eine Reise mit vielen scheinbar weiten Abschweifungen mit, die aber immer wieder zum roten Faden zurückkehren und ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Die Professorin der Studienrichtung Konservierung/Restaurierung von Schriftgut, Dipl. Rest. Ulrike Hähner rundete den Abend mit ausblickenden Worten in die zukünftige Arbeit von Herrn Schütz an der HAWK ab.

Leider waren sehr wenige Zuhörer anwesend – besonders wenig Studenten. Sie haben aber alle einen ganz wunderbaren und kurzweiligen Abend verpasst, der inspirierte und Spaß machte.

Nachruf: Prof. Dr. Nicole Riedl-Siedow

Bereits am Abend des 31.8.2017 verbreitete sich die Nachricht vom plötzlichen Tod von Frau Riedl-Siedow unter den Restauratoren wie ein Lauffeuer. Ich wollte es lange Zeit einfach nicht glauben, da sie schlichtweg noch so jung war.

Auch wenn sie nicht meine Fachprofessorin während des Studiums war, habe ich sie als kompetentes, engagiertes und zuverlässiges Mitglied des Lehrkörpers wahrgenommen.

Die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Studiengangs Konservierung/Restaurierung der HAWK haben nun leider eine wertvolle Kollegin und die Studenten ein Vorbild und prägende Ausbilderin verloren. Sie alle stehen nun mit der Hochschulleitung zusammen vor der großen Aufgabe, das Loch, das Frau Riedl-Siedow hinterlassen hat, zu stopfen.

Auch ihre Vita verdeutlicht, welche wertvolle Person die Fachwelt zur Erhaltung von Kulturgut mit ihr verloren hat.

Sie hinterlässt nicht nur Kollegen und Fachkreise, denen nun eine besondere Persönlichkeit und ihre Kompetenz fehlen wird. Sie hinterlässt auch Freunde und Familie, die nun irgendwie weitermachen müssen.

So bleibt mir nur, allen Hinterbliebenen und ganz besonders den engsten Angehörigen Kraft und Zusammenhalt zuzusprechen.

Frau Riedl-Siedow wird unvergessen bleiben.

Nachruf auf Martin Roth

Heute vermelden Medien den gestrigen Tod von Dr. Martin Roth, der in der Kulturwelt eigentlich jedem ein Begriff ist.

Mich hat die Nachricht zutiefst getroffen, da ich ihn noch im April live erlebte, als er für die Feierlichkeiten zum 30jährigen Bestehen der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Neuen Schloss Stuttgart eine Festrede hielt.

Er war sehr wortgewandt und charismatisch, umtriebig und mit Leib und Seele in der Kulturwelt unterwegs. Er war mir ein Vorbild darin, meinen eigenen Weg zu gehen.

Vielen Dank dafür.

Untergegangene Jugendstilbauten in Karlsruhe

Noch bis zum 17.6. kann man in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe die kleine kostenlose Ausstellung über wertvolle Architektenbauten sehen, die heute verloren sind.

Sofern man den Ausstellungsraum findet!

Als ich das erste Mal dort war, hatte ich große Mühe überhaupt den Eingang zu finden. Architektonisch versteckt er sich am Ende eines sehr niedrigen Arkadengangs, der eher wie ein Lieferanteneingang wirkt. Heute habe ich dann aber noch sehr lang nach dem Ausstellungsraum gesucht, der nur spärlich mit grobem Richtungspfeil in der überdimensionierten Eingangshalle ausgeschildert ist. Bis ich dann endlich heraus gefunden habe, dass man noch durch das Café durch und um die Ecke muss …

Die Mühen haben sich aber gelohnt, denn diese Ausstellung ist recht ansprechend. Anhand von früheren Architekturbildbänden wurden herausragende, heute verlorene Bauwerke illustriert und neben Fotos der heutigen „Ersatzbauten“ gestellt. In begleitenden Texten erfährt man vieles über die Architektenszene um 1900, einzelne bedeutende karlsruher Persönlichkeiten und die „Bausünden“ der Nachkriegszeit.

Wer also in der Stadt unterwegs ist und noch ein bisschen Zeit hat, der sollte noch in der BLB vorbeischauen und diese Ausstellung kostenfrei besuchen.