Karlsruher Schlosslichtspiele

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr zum 300sten Stadtgeburtstag wurden sie auch dieses Jahr wieder ausgerichtet.


Nur noch bis zum 25.9.2016 kann man diesmal beeindruckende Lichtspiele auf der Fassade des Karlsruher Schlosses bestaunen.

Am letzten sommerlichen Abend letzte Woche habe auch ich es endlich geschafft, alle vier Shows anzusehen. Pünktlich um 20:30 Uhr gings los, doch die besten Plätze im Schlossgarten waren wohl schon seit Stunden belegt. “LEGACY” fand ich toll, da das Schloss als historisches Gebäude und als Museum einbezogen wurde. So war es sehr beeindruckend, als man glaubte, vor einem ägyptischen Palast zu stehen. Später war das Schloss eine gothische Kathedrale oder zeigte eine orientalische Fassade. “Paperworld” war leider überhaupt nicht meins, weder von den Bildern noch von der Musik her. Bei “Defilee” und “Transkutan” war ich leider etwas abgelenkt. Doch die Interpretation berühmter Kunstwerke hat mir einen netten Ausklang des Tages bereitet.

Wer es nun doch nicht mehr rechtzeitig schafft, muss nicht traurig sein. Auch 2017 sollen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe wieder stattfinden.

Und vielleicht bald auch in Ihrer Stadt? 😉

Buchtipp: Götter aus Stein

Die Sammlung chinesischer Specksteinfiguren auf Schloss Friedenstein Gotha

Dieser 255-seitige Sammlungskatalog von Martin Eberle erschien 2015 im Morio Verlag für 24,95€ und thematisiert die Asienbegeisterung und Sammelleidenschaft exotischer Gegenstände in der Geschichte Europas. Das konkrete Beispiel vom Wachsen und Zerfall dieser bedeutenden Gothaer Sammlung ist für sich sehr anschaulich und spannend beschrieben, steht aber auch stellvertretend für zahlreiche weitere Sammlungen europäischer Fürstenhäuser und Herzogtümer.

Die 471 qualitätvoll bebilderten Einzelobjekte faszinieren in ihrer bewegten und komplexen Form sowie in den überraschenden Farben und Mustern der Specksteine. Da bekomme ich Lust, selbst mal wieder mit Speckstein zu arbeiten …

Ebenfalls bemerkenswert finde ich, dass im Anhang drei historische Sammlungsinventare des Gothaer chinesischen Kabinetts von 1827, 1852 und 1824 vollständig transkibiert sind. Ein Auszug des erläuterten Katalogs von Möller 1850 rundet den umfangreichen Anhang ab.

Da ich bereits mehrfach für die Gothaer Sammlungen auf Schloss Friedenstein arbeiten konnte, habe ich durchaus einen direkten Bezug und kann einen Besuch der Museen, der gesamten Stadt und der Region wärmstens empfehlen.

Restaurierung eines Hanno-Hockey-Automaten

Wieder hatte ich kürzlich die Gelegenheit einen Hanno-Hockey-Automaten zu restaurieren.

Im Vergleich zu dem letzten von mir restaurierten Automat war dieser in deutlich schlechterem Zustand.IMG_5105

Die gesamte Verschmutzung war weit stärker ausgeprägt, alle Metallteile erheblich korrodiert, die Glasplatte gesprungen, Kunststoffe teilweise so sehr versprödet, dass sie nicht mehr zu halten waren. Bis auf die Beine war der Automat aber vollständig: Alle zehn Spielkugeln, der Kassenbehälter und die Gehäuseschlüssel waren vorhanden. Zusätzlich fanden sich im Korpus sogar noch fünf Pfennig und vier Spiralen, welche die Spielfiguren mit dem jeweiligen Drehknauf verbinden.

IMG_5141Die Spielfiguren waren so stark korrodiert, dass kaum noch ursprüngliche Fassung
gehalten werden konnte. Da auch dieser Automat durchaus für den Privatgebrauch bespielbar sein sollte, wurden die beiden Figuren nach der Konservierung nach Befund neu gefasst. Auch die Kunststofffolie des Spielfeldgrunds wurde komplett durch eine handelsübliche Selbstklebefpolie ersetzt. Die drei Kunststoffplatten zur Abdeckung des Spielfelds mussten entsorgt werden. Die Weichmacher waren ausgetreten und die Substanz chemisch soweit abgebaut, dass sie komplett vergilbt und versprödet war. Durch diesen Zerfallsprozess wurden auch die vier Papieretiketten der Spielfeldzwickel soweit geschädigt, dass die ehemalige silberfarbene Oberfläche überwiegend zerstört ist. In den Bereichen, wo die Kunststoffscheiben auflagen, sind die Etiketten irreversibel verbräunt. Die Zukunft wird zeigen, wie stark das Papier tatsächlich durch etwaige Säuren geschädigt ist.

Für mich sehr interessant war die Erfahrung über das besondere Korrosionsverhalten verchromter Eisenteile. Die beiden Bandeisen, die quer über dem Spielfeld zur Unterstützung der Kunststoffplatten liegen, zeigten sich beim Zerlegen des Automaten nahezu komplett korrodiert. Die Oberfläche wurde teilweise mit einer fast 2 mm starken Rostschicht überzogen. Bei Freilegungsversuchen stellte ich aber fest, dass ein Großteil der Chromoberfläche darunter erhalten geblieben ist. Also konnte ich diese Teile behutsam freilegen, um die ursprüngliche Oberfläche wieder überwiegend erfahrbar zu machen.

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Die Metallkonservierung nahm den Großteil der aufgebrachten Arbeitszeit in Anspruch. Ansonsten war aber viel durch trockene und partiell feuchte Reinigung zur Verbesserung des Zustands beizutragen. Furniere mussten gefestigt werden, kleine Ausbrüche gekittet und retuschiert. Die Glasscheibe konnte geklebt werden. Neben den oben beschriebenen Erneuerungen, mussten auch einige Schrauben ersetzt werden. Auch der abgängige CN-Lack der Gehäuseoberfläche wurde – abweichend vom Befund – durch Schellack ersetzt.

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Der Funktionstest zeigte einige Stellen, an denen die Spielmechanik nachjustiert werden musste. Durch einen kleinen Holzklotz wurde der Automat reversibel auf Freispiele eingestellt und brachte den neuen Besitzern bereits viel Freude.

Und mir bei Testspielen natürlich auch! Es ist ein besonderes Erlebnis, die charakteristischen Geräusche und die Lautstärke wahrzunehmen. Man ist es kaum noch gewöhnt, bei der Bedienung eines Automaten Kraft aufzuwenden, die dabei aber doch noch gefühlvoll sein muss.

FAKE -Fälschungen wie sie im Buche stehen

Heidelberg am Neckar

Unter diesem Titel läuft noch bis 26.2.2017 in der wunderschönen Heidelberger Unibibliothek in der Altstadt eine Sonderausstellung zur Beziehung zwischen Fälschungen und Büchern.
Als Begleitprogramm wird u.a. eine Vortragsreihe zum Fälschungsthema veranstaltet.

Heute habe ich die erste Veranstaltung des ehemaligen Kriminalhauptkommissars des LKA Stuttgart, Ernst Schöller besucht. Er sprach aus seiner vierzigjährigen Berufspraxis auf sehr humoristische und anschauliche Weise über “Diebe, Fälscher, Hintermänner”. Seine lebendigen Beispielfälle haben sehr dafür sensibiliesiert, dass wir – die mit Kulturgut zu tun haben – uns nicht leichtgläubig allein auf Werkverzeichnisse, Ausstellungskataloge und Gutachten & Co. zur angeblichen Echtheit verlassen dürfen. Wir müssen immer das jeweilige Kunstobjekt selbst und im Kontext mit seiner Begleitgeschichte kritisch prüfen.

Denn es entstehen durch Fälschungen nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch solche, die das Wissen und die Forschung nachfolgender Generationen beeinflussen.

Da diese Vortragsreihe öffentlich und kostenlos ist, empfehle ich jedem, auch die weiteren Veranstaltungen zu besuchen. Ich versuche es auch wieder am 30.6., 18 Uhr nach Heidelberg zu schaffen, wenn Horst Bredekamp den “New Yorker Sidereus Nuncius. Punkt für Punkt” als Fälschung entlarvt.

Und vielleicht habe ich dann auch genug Zeit, um mir ein Bild von der Ausstellung zu machen.

Tagungsbericht

Vom Freitag, 6.11. bis Sonntag, 8.11.2015 richtete die VDR-Möbelgruppe in Würzburg die Tagung “transparente Oberflächen auf Holz” aus, an der rund 250 Fachleute aus Deutschland und dem umliegenden Ausland teilnahmen.  

In insgesamt 24 Vorträgen und abschließender Podiumsdiskussion, sechs Führungen sowie fünf Postern wurden Untersuchungsmethoden, -möglichkeiten, -ergebnisse, die jüngere Restaurierungsgeschichte und deren Auswirkung auf den heutigen Zustand von Möbeln thematisiert. Trotz eines ausgefallenen Vortrags und einer entfallenen Führung wurden in vielen Praxisbeispielen besondere Erhaltungsproblematiken von modernen Kunstharzlacken vermittelt.

Bei jedem Möbel müssen wir sorgfältig abwägen, ob ein Lack erhalten werden kann oder besser abgenommen werden sollte. Dabei sind besonders die transparenten Lacke des 20. Jh. noch nicht umfassend erforscht. Gerade die vielfach anzutreffenden Nitrocellulose-Lacke verstehen wir noch nicht richtig. Da ältere Lackoberflächen heute meist komplett verloren sind, haben wir auch keine Kenntnisse über das Alterungsverhalten natürlicher Überzugsmaterialien. Die bisherige Berufserfahrung hat aber schon deutlich gemacht, dass Lichtschutz, Klimastabilität, Vermeidung von Schadstoffen, Monitoring und ganz besonders die Dokumentation von Eingriffen und Materialien – wie in unserem Beruf allgemein – für den Erhalt eines fast unsichtbaren Objektbestandteils sehr wichtig sind.
Für eine so sorgfältige Arbeitsweise fehlt uns Restauratoren leider vermehrt die nötige Zeit. Denn die meisten Institutionen leiden unter chronischem Personalmangel. Somit ist auf unabsehbare Zeit auch nicht an die eigentlich so bedeutende Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlung unseres Berufes zu denken.

Diese Tagung hat meiner Meinng nach aber einen guten Impuls für unsere zukünftige Arbeit gelegt. So möchte die TH Köln restauratorische Erfahrungswerte rund um CN-Lacke sammeln und auswerten, um langfristig der Fachwelt eine Handreichung darbieten zu können.

Persönlich war es natürlich sehr schön, so viele lieb gewonnene ehemalige Kollegen wieder zu sehen, neue Kontakte zu knüpfen und neue Anregungen für meine eigene Arbeit zu sammeln.

Nun warte ich gespannt auf die verspochene Publikation.

Stadt in Licht und Schatten. Historische Blicke auf Hildesheim

So lautet der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Stadtmuseum Hildesheim, die dort noch bis zum 4.10.2015 gezeigt wird.

LichtundSchattenIm Rahmen des 1200-jährigen Jubiläums von Bistum und Stadt Hildesheim hat das Stadtmuseum mit dieser Ausstellung das ambitionierte Ziel, die große Sonderausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum – welche das Mittelalter thematisiert – in die jüngere Geschichte (Ende 19. Jh. bis ca. 1970er) fortzusetzen.

Offensichtlich war diese Intention doch etwas zu ambitioniert, denn ich war ziemlich enttäuscht.

Eigentlich mag ich Fotoausstellungen, doch diese hat mich eher traurig gemacht und mich schon etwas beschämt, da sie wirkte, als sei sie unter Zeitmangel, Personalmangel und mangelnde Hingabe entstanden.

Es sind dort viele – wirklich viele! – Fotoabzüge, Glasplatten, Postkarten usw. zu sehen, die auch alle mit Zahlen versehen sind. Doch ich habe keinerlei Begleittexte gefunden, die mir mehr Infos gegeben hätten, wie Ort, Zeit, Material und Technik. So stand ich oft vor den Bildern und dachte: “Schön, aber wo genau könnte das nun in Hildesheim gewesen sein?” Nur weil ich da mal sechs Jahre gelebt habe, kenne ich leider nicht alle Ecken. Nach etwa sechs solcher Bilder, war ich so sehr frustriert, dass ich immer schneller durch die Ausstellung gelaufen bin.

Dieser Umstand hat mich dennoch nicht darüber hinweg getäuscht, dass einige Bilder mehrfach wiederholt wurden – an den Wänden als Abzüge, Glasplatten, in einem Ordner und einer Dia-Show. Warum, war mir leider nicht verständlich. Und leider konnte ich auch nicht über die pixeligen Abzüge hinwegsehen.

Entschuldigung, aber in einer Fotoausstellung müssen die Bilder schon eine gewisse Qualität aufweisen oder man kann sie nicht so groß oder eben gar nicht zeigen.

Und die Dia-Show in dem niedlichen, abgetrennten Mini-Kino ist gut gedacht, aber leider nicht gut umgesetzt, wenn manche “Dateiformate nicht angezeigt werden können”, manche Bilder zu klein sind und man die Beschriftung suchen muss (die dann leider manchmal auch noch Tippfehler enthielt) oder die Bilder in ihrer Abfolge irgendwie durcheinander geraten sind.

Es tut mir wirklich leid dies sagen zu müssen, aber diese Sonderausstellung ruft für mich ganz laut um Hilfe. Sie ruft nach mehr Personal, das die Zeit hat, eine Ausstellung ordentlich vorzubereiten und umzusetzen. Denn auch Macken an Bilderrahmen und Wänden fallen auf und lassen vermuten, dass alles schnell und “mal eben nebenbei” erfolgen musste.

Und das ist leider aktuell symptomatisch für die deutsche Museumslandschaft: Mit immer weniger Personal und Zeit versuchen wir, eine Sonderausstellung nach der anderen auf die Beine zu stellen – immer größer, immer sensationeller – um sinkende Besucherzahlen abzufangen. Leider leiden darunter neben dem Personal besonders auch die Kulturgüter und das alltägliche Geschäft. Da kommen Restauratoren halt kaum noch dazu, die eigenen Sammlungsbestände präventiv zu betreuen. Historiker haben kaum noch Zeit, die Sammlungsbestände zu erforschen und überhaupt erst einmal aufzuarbeiten.

Da möchte ich nun eine ganz provokante Frage in den Raum werfen:

Sollten wir in der momentanen wirtschaftlichen Lage dann nicht lieber einige Museen vorübergehend schließen und deren Personal in anderen bündeln, damit hier ein wissenschaftlich fundierter, konservatorisch schonender und öffentlichkeitswirksamer Umgang mit dem deutschen Kulturgut gewährleistet wird?

Karlsruhe feiert Geburtstag 

Genau vor 300 Jahre wurde mit Baubeginn des Schlosses der Grundstein der Stadt Karlsruhe gelegt. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach ließ ab 1715 “auf der grünen Wiese” diese einzigartige Fächerstadt anlegen, mit der sich ihre Bewohner heute besonders verbunden fühlen.

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Und das bringt die Stadt noch bis zum 27.9. mit einem vielfältigen Programm im Rahmen einer großen Geburtstagsfeier zum Ausdruck. So lang kann man auch täglich von 22-24 Uhr sehr beeindruckende und ansprechende Lichtspiele an der Schlossfassade bestaunen. Wie das Schloss entsteht, in sich zusammenfällt, sich wieder zusammensetzt, pulsiert, verschwimmt, in Flammen aufgeht, zu Musik wird, sein Innerstes offenbart und weitere Überraschungen bereithält, fesselt den Betrachter für ungefähr 15 Minuten. Die akustische Untermalung sorgt für Gänsehautgefühl.

Dieses Spektakel muss man einfach life erlebt haben. Fotos und Filme können die besondere Atmosphäre nicht transportieren.

Letzte Chance …

… für einen Besuch der Sonderausstellung “Vornehmste Tischlerarbeiten aus Leipzig” im Grassi-Museum für angewandte Kunst Leipzig.

 

Noch bis Sonntag, 12.4. – also nur noch zwei Tage! – kann diese tolle Ausstellung besichtig werden. Hier sind wohl so viele Möbel des Hoftischlers Friedrich Gottlob Hoffmann vereint, wie seit seiner Schaffenszeit Ende des 18. Jh. nicht mehr.

Diese Möbelvielfalt allein – aus ganz Deutschland, von Museen, Stiftungen und Privatpersonen ausgeliehen – ist schon sehr beeindruckend. Ausgewählte Stücke sind dazu noch gut aufbereitet, indem man über Tablets mit Kopfhörern Bilder ihrer Wandlungsfähigkeit sehen kann. Dazu werden mit musikalischer Untermalung historische Hintergrundinfos gegeben.

Insgesamt sind die Ausstellung und die zugehörige Publikation gleich aufgebaut: Vermittlung der innovativen Vertriebswege über Warenkataloge, Messen und die Rostische Kunsthandlung; anschließend natürlich die Möbel selbst mit Verweisen zu Hoffmanns meist englischen Vorbildern sowie deutschen Kollegen und Nachahmern. Seine Prozesse mit der Tischlerinnung werden ebenso thematisiert.

Aus konservatorischer Sicht ist die vielfach teilgeöffnete Präsentation der Möbel sowie die recht kleinen Podeste als einzige Abstandshalter sehr gewagt. Andererseits ist es natürlich toll, ganz nah an die Objekte herantreten zu können. Sogar Fotos ohne Blitz darf man machen. Dass auch wirklich nichts berührt wird soll Sicherheitspersonal garantieren.

Leider sind einige Objekte falsch beschrieben: ein Sekretär hat ganz offensichtlich eingelassene Schlüsselschilder aus Perlmutt, nicht aus Bein. Und viele Möbel, die historisch aus dem Blauen Salon von Schloss Crossen stammen, werden als grau gefasst beschrieben, zeigen sich aber eher in weiß mit Vergoldung. Diese Angaben wurden aus dem Versteigerungskatalog von 1928 übernommen und sollten für die weitere Forschung aber doch korrigiert werden. Denn z. B. trägt der Crossener Damenschreibtisch noch seine ursprüngliche Fassung, die in einem lichten Blau ausgeführt ist. Durch einen darüberliegenden, vergilbten Firnis wirkt dies heute eher grün.

Dennoch ist die Ausstellung sehr gelungen und sehenswert. Endlich wieder eine reine Möbelausstellung. Und dazu bildet auch das zugehörige Buch eine umfassende Grundlage für weitergehende Forschungen besonders der Produktionsweise Hoffmanns.

Depotisierung

Wer kennt diese Wortkreation?question-25527_1280

Sachdienliche Hinweise zur Herkunft dieses merkwürdigen Begriffs, der mir in letzter Zeit mehrfach begegnet ist, sind erbeten.

Ansonsten bevorzuge man bitte Begriffe wie “Einlagerung” oder “Deponierung” oder auch “Depotarbeiten”.

Buchtipp: Friedrich Gottlob Hoffmann

Passend zur Sonderausstellung über diesen Tischler, die noch bis zum 12.4.2015 im Grassi Museum in Leipzig läuft, wurde dieses Buch publiziert. Es bietet für den aktuellen Wissensstand einen sehr umfassenden Eindruck seines Schaffens.

BuchNach einleitenden Worten über die Hintergründe dieser Publikation und der Ausstellung wird kurz der Zeitgeist um 1790 in Leipzig umrissen. Anschließend wird die “Rostische Kunsthandlung und Kunstmanufactur” in Leipzig vorgestellt, die für Hoffmanns Vertriebswege bedeutend war. Die tabelarisch aufbereitete Biografie Hoffmanns ist ebenso verständlich und praktisch gehalten wie der Katalogteil, der in 100 Nummern zugewiesene Objekte sowie Kopien, Umkreis und Nachfolge Hoffmanns verdeutlicht.

Besonders spannend fand ich das Kapitel über die verwendeten Materialien und Techniken sowie die abschließende Würdigung der damals innovativen Vertriebswege Hoffmanns. Stets wird Bezug zu Roentgen genommen und Preisvergleiche zum Verständnis der damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse gegeben.

Auf CD liegen sogar noch die beiden digitalisierten Kataloge Hoffmanns von 1789 und 1795 bei. Zum Öffnen benötigt man einen Flashplayer.

Bildschirmfoto 2015-01-27 um 17.53.47Die hoch auflösenden Scans sind sehr ansprechend und realistisch mit Umblättern und Geräuschen animiert. Das erfordert allerdings eine hohe Rechenleistung und kann die Nutzung etwas stocken lassen.

Die selbst im Vollbild etwas kleine Ansicht des aufgeschlagenen Katalogs kann man durch einen Button unten rechts noch vergrößern. Leider kann man die Seiten nicht drehen. So kann man im zweiten Katalog viele Abbildungen im Querformat nicht ordentlich betrachten. Dafür kann man aus dem Programm heraus drucken! Scheinbar kann man sogar einzelne Textpassagen mit einem Tool auswählen und heraus kopieren. Das hat bei mir allerdings nicht funktioniert.

Insgesamt ist die Publikation sehr gut lesbar geschrieben, die damalige Zeit wird sehr anschaulich vermittelt. Dazu ist der Text reich, aussagekräftig und überwiegend qualitätvoll bebildert. Auch das Lektorat hat gute Arbeit geleistet, weil ich bisher nur einen Tippfehler und einen falschen Seitenverweis entdeckt habe. Besonders praktisch ist das eingebundene Leseband. Die digitale Beigabe der Hoffmannschen Warenkataloge rundet die Publikation ab und führt vielleicht dazu, dass weitere seiner Möbel gefunden und ihm zugeschrieben werden können. Allerdings können Scans und selbst deren Ausdrucke nicht die originalen Kataloge ersetzen.