Geheimtipp: nur bis Freitag in Hildesheim Restaurierung eines fast verlorenen Chorgestühls aus Rumänien zu sehen

Nur noch bis Freitag kann man in Hildesheim, auf dem Campus der HAWK (Renatastraße) im Haus E eine Ausstellung über die acht Jahre dauernde Restaurierung eines einmaligen historischen Kulturguts sehen. Der Eintritt ist frei.

Ein sechssitziges und ein dreisitziges Chorgestühl wurden 1537 vom Meister Johannes Reychmut aus Schäßburg für die Wehrkirche in Tobsdorf in Siebenbürgen, Rumänien angefertigt. Das Dorf scheint damals recht wohlhabend gewesen zu sein. Das Gestühl leistete viele Jahrhunderte treue Dienste und wurde gehegt und gepflegt. Als Ende des 20. Jh. ein Großteil der Siebenbürger Sachsen weggingen, geriet die Kirche mit ihrer Ausstattung in Vergessenheit und verfiel zusehends.

2010 wurden Studierende der HAWK während der jährlichen Studienaufenthalte in Siebenbürgen auf die Chorgestühle in Form von Bretterhaufen in einem Lager in Mediasch aufmerksam.

Damit begannen sieben Jahrgänge von Studierenden mit üblichen und innovativen Methoden der Erhaltung und Wiederherstellung dieses Kulturgutes.

In der Ausstellung mit zugehöriger Publikation werden all diese Schritte in jugendlich leichter und anschaulicher Weise beschrieben. Nach Freitag wird die Ausstellung abgebaut und reist gemeinsam mit den Chorgestühlen nach Siebenbürgen zurück.

Blick durchs Schlüsselloch

Wer kennt sie nicht, die Metropole Lucklum?

Dieser kleine Ort im Landkreis Wolfenbüttel beherbergte seit dem ausgehenden 13. Jh. ein Rittergut, das 1809 in privaten Besitz überging. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde die Anlage durch den neuen Eigentümer Johann Hinrich Frerichs großzügig neu ausgestattet. Die Räume wurden im Stil des Historismus mit englischen Einflüssen gestaltet.

Vor einigen Tagen wurde hier das erste mal eine Sonderführung durchgeführt, in der man „durchs Schlüsselloch blicken“ konnte.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Führungen zu Themen, die hinter die Kulissen von Kulturbetrieben blicken lassen, sehr gut ankommen.

So auch diese hier. Und sie war wirklich spannend.

Pferdestall, Prunkräume, Badezimmer und sogar der Dachboden wurden den Besuchern zugänglich gemacht. Und ich war freudig überrascht, dass die historistischen Tapeten, Lambrien, Stuckfriese und Kachelöfen unverändert aber gepflegt überkommen sind. Auf dem Dachboden waren noch Kleinigkeiten, wie Grafiken, Waschkrüge, Betten uvm. zu betrachten. Durch diese Kleinigkeiten erwachte das Leben der früheren Bewohner vor meinem geistigen Auge wieder zu neuem Leben. Für mich war es, wie meine frühere Arbeit in den Schlössern Baden-Württembergs.

Die führende Kunsthistorikerin hat dabei wirklich viel zur Gutsgeschichte, die Bewohner und gesellschaftliche Gepflogenheiten von damals erzählt – so waren 1,5 Stunden schnell vorbei und noch immer viel zu kurz. Die Führung war ausgebucht und kostete nur 7,50 €.

Aufgrund des Erfolgs soll diese Sonderführung noch einmal stattfinden. Haben Sie ein Auge darauf und melden sich sobald wie möglich an. Es lohnt sich.

Stadtmuseum im Schloss Salder

In Salzgitter Salder wurde 1608 ein Schloss gebaut, das 1740 in Domänenbesitz überging und 1939 an die „Reichswerke Hermann Göring“ (heute Salzgitter AG) verkauft wurde. 1955 wurde es an die Stadt Salzgitter übergeben und beherbergt bereits seit 1962 ein Museum.

Ein Besuch lohnt sich sehr, denn das Museum ist riesig und es ist für jeden etwas dabei:

Im Schloss beginnt es im Keller mit einer Dauerausstellung zur Erdgeschichte. In der Beletage und dem 2. OG geht es weiter mit den frühen Menschen, dem Leben im Mittelalter und bis zur Republik – immer mit Fokus auf die Stadt Salzgitter. Im Dachgeschoss kann man auch noch dauerhaft Kinderspielzeug bestaunen.

Als ob das noch nicht reichen würde, geht es in einem Nebengebäude, dem ehemaligen Schafstall, um die Technisierung der Landwirtschaft und des Handwerks sowie die Industrialisierung der Region im Speziellen. Ein weiteres Nebengebäude, der ehem. Pferdestall beherbergt eine Ausstellung zum Erzbergbau der Region sowie zur Salzgitteraner Stadtgeschichte der NS-Zeit bis zur Wiedervereinigung.

Weiter geht es im Außenbereich mit einer Bockwindmühle und einem Backhaus sowie dem „Eiszeitgarten“. Und wer moderne Kunst mag, der besuche die Wechselausstellungen der städtischen Kunstsammlungen im ehem. Kuhstall.

Es ist wirklich beeindruckend vielfältig und ansprechend aufbereitet. Die Dauerausstellungen werden umgebaut, um sie aktuell zu halten und zu pflegen. Und das alles bei kostenlosem Eintritt! Und das Museum ist nicht von Besuchern überlaufen. Man hat hier also meist seine Ruhe.

Man kann das Stadtmuseum Salzgitter also ruhig wiederholt besuchen und dann immer nur einen Teil der Ausstellungen betrachten – denn für alles wird ein Tag sehr knapp und ermüdend. Eine Führung zu einem Wunschthema ist ebenfalls sehr günstig.

Und es gibt zusätzlich noch viele zusätzliche Veranstaltungen, wie Backtage, ein Museumsfest, Kultursommer, Spielzeugbörse, … Hier kann man heiraten und Kindergeburtstage feiern.

Mir scheint dieses Museum besonders für Familien und Kinder empfehlenswert zu sein. Aber auch jeder andere Interessierte bekommt hier etwas geboten. Besonders für Leute mit kleinem Geldbeutel ist das Museum ein sehr empfehlenswertes Ausflugsziel.

Also begeben Sie sich auf eine Entdeckungsreise.

Bürgermuseum Wolfenbüttel

Recht unscheinbar in der ehemaligen Jahnturnhalle nahe dem Schloss in Wolfenbüttel hat 2017 das neue Bürgermuseum der Stadt eröffnet.

In moderner, ansprechender Ausstellungsgestaltung wird die Stadtgeschichte mit ihren verschiedenen Facetten kurz aber verständlich thematisiert. Die Erzählung beginnt im 18. Jh. nachdem die Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig verlegt wurde und die Bürger „die Stadt übernahmen“. Hier kann man gleich zu beginn sehr qualitätvolle Animationen von prägnanten Plätzen betrachten. So fliegt man beispielsweise über den Schlossplatz oder den Stadtmarkt wie sie im 18. Jh. ausgesehen haben. Ein großes Stadtmodell begeistert Burger und enttäuscht Restauratoren zugleich, denn hier prangt gleich mal die Angabe seiner jüngsten „Restauration“!

Es werden wirtschaftliche Schwerpunkte wie die Gemüsekonservenindustrie ebenso thematisiert, wie Revolutionen im schulischen Bildungswesen. Gärtner und Vereine prägten den Städtebau und das soziale Gefüge der Lessingstadt. Neben lokalen Ereignissen werden natürlich auch die NS-, Kriegs- und Nachkriegszeit anschaulich thematisiert.

Nationale und lokale Berühmtheiten begleiten den Besucher auf seiner Zeitreise durch die Stadtgeschichte und kommen vielfach zu Wort. Auf der eingezogenen zweiten Ebene in der Halle sind sogar Ausgaben der Wolfenbüttler Zeitung von 1949 bis 1976 zum Schmökern bereitgestellt. Leider weisen hier Schilder darauf hin, dass man doch bitte keine Seiten oder Artikel heraustrennen solle. Sollte das nicht selbstverständlich sein!?

Insgesamt ist der Besuch dieses Museums sehr lohnenswert, da die Ausstellung kurzweilig und sehr ansprechend gestaltet ist. Auch die Ausstellungsarchitekturen scheinen sehr hochwertig zu sein.

Mich störte nur, dass die Beschreibungstäfelchen der Objekte in den Tischvitrinen so angeordnet sind, dass sie die Exponate mal von links, meist aber von rechts aus beschreiben. So musste ich oft suchen, welches Objekt nun gemeint ist.

Ebenso schade finde ich, dass man darauf hingewiesen wird, dass es viele Leihgeber geben soll, dies aber nirgendwo gekennzeichnet ist. Wegen dieser vielen Leihgeber ist dann auch das Fotografieren ausschließlich für private Zwecke erlaubt. Es dürfen keine Innenraumansichten veröffentlicht werden – ich hätte hier gern einen Eindruck abgebildet.

Das Personal ist aber sehr nett, auskunftsfreudig und hilfsbereit – sie scheinen sehr stolz auf „ihr“ neues Museum zu sein. Und der Eintritt ist auch 2018 weiterhin kostenlos.

Besuchen Sie das Bürgermuseum selbst, machen Sie sich Ihr eigenes Bild und entdecken Sie Neues über die Geschichte dieser Stadt.

Öffnen, bewahren, präsentieren

Unter diesem Titel beschreiben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) auf fast 400 Seiten die Vielfalt ihrer Aufgaben.

Sehr qualitätvoll bebildert feiern die SSG mit dieser Publikation ihr 30jähriges Bestehen und lassen alle Interessierten an ihrem Alltag teilhaben.

Mit zahlreichen Artikeln verorten sie ihren Standpunkt in der Geschichte und der heutigen Gesellschaft. Gebäude- und Inventarverwaltung haben an den Höfen eine sehr lange Tradition, in der nach einigen Einschnitten heute die SSG stehen. Anhand der heute betreuten Monumente wird beschrieben, welche Themen für Mitarbeiter und Besucher wichtig sind und wie sie in Einklang gebracht werden.

Neben jüngsten Vermittlungsprojekten werden auch Forschungsthemen und Erhaltungsmaßnahmen exemplarisch beschrieben. So erfährt man, was sonst im Verborgenen vor sich geht, z. B. innovative Forschungen zur sogenannten Glaskrankheit oder auch zu versteckten historischen Inventaretiketten.

Der Spagat zwischen dem Schutz vor Verlust originaler Substanz und der Vermarktung und Vermittlung der Gebäude, Ruinen, dem Inventar und der Gärten wird anhand verlorener Monumente, jüngster Neukonzeptionierungen und bevorstehender Projekte verdeutlicht.

In 30 Beiträgen beschreiben Mitarbeiter somit einen kleinen Teil ihrer Arbeit.

Auch ich habe mitgewirkt und eines meiner liebsten Arbeitsthemen beschrieben.

Untergegangene Jugendstilbauten in Karlsruhe

Noch bis zum 17.6. kann man in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe die kleine kostenlose Ausstellung über wertvolle Architektenbauten sehen, die heute verloren sind.

Sofern man den Ausstellungsraum findet!

Als ich das erste Mal dort war, hatte ich große Mühe überhaupt den Eingang zu finden. Architektonisch versteckt er sich am Ende eines sehr niedrigen Arkadengangs, der eher wie ein Lieferanteneingang wirkt. Heute habe ich dann aber noch sehr lang nach dem Ausstellungsraum gesucht, der nur spärlich mit grobem Richtungspfeil in der überdimensionierten Eingangshalle ausgeschildert ist. Bis ich dann endlich heraus gefunden habe, dass man noch durch das Café durch und um die Ecke muss …

Die Mühen haben sich aber gelohnt, denn diese Ausstellung ist recht ansprechend. Anhand von früheren Architekturbildbänden wurden herausragende, heute verlorene Bauwerke illustriert und neben Fotos der heutigen „Ersatzbauten“ gestellt. In begleitenden Texten erfährt man vieles über die Architektenszene um 1900, einzelne bedeutende karlsruher Persönlichkeiten und die „Bausünden“ der Nachkriegszeit.

Wer also in der Stadt unterwegs ist und noch ein bisschen Zeit hat, der sollte noch in der BLB vorbeischauen und diese Ausstellung kostenfrei besuchen.

Ramses in Karlsruh


Noch bis zum 18.6.2017 zeigt das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss eine Sonderausstellung zu Ramses.

Zur Einstimmung kann man vorher auf der Homepage ein kleines Spielchen spielen.

Das ist wirklich hübsch gestaltet und nett vertont, allerdings fand ich manche Spielsequenzen nicht selbsterklären. Da wusste ich erst einmal nicht, was ich zu tun hatte. Für meinen Geschmack ist es teilweise etwas langsam, dröge …

Mir erscheint dieses Spiel dennoch als sehr geeignet für Kinder – unter elterlicher Hilfe. Auf kurzweilige Art lernt man dabei etwas über altägyptische Bräuche und Glaubensvorstellugen.

Leider habe ich die Ausstellung noch nicht besuchen können. Hoffentlich ist sie genau so interessant, wie dieses nette Online-Spiel.

Karlsruher Schlosslichtspiele

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr zum 300sten Stadtgeburtstag wurden sie auch dieses Jahr wieder ausgerichtet.


Nur noch bis zum 25.9.2016 kann man diesmal beeindruckende Lichtspiele auf der Fassade des Karlsruher Schlosses bestaunen.

Am letzten sommerlichen Abend letzte Woche habe auch ich es endlich geschafft, alle vier Shows anzusehen. Pünktlich um 20:30 Uhr gings los, doch die besten Plätze im Schlossgarten waren wohl schon seit Stunden belegt. „LEGACY“ fand ich toll, da das Schloss als historisches Gebäude und als Museum einbezogen wurde. So war es sehr beeindruckend, als man glaubte, vor einem ägyptischen Palast zu stehen. Später war das Schloss eine gothische Kathedrale oder zeigte eine orientalische Fassade. „Paperworld“ war leider überhaupt nicht meins, weder von den Bildern noch von der Musik her. Bei „Defilee“ und „Transkutan“ war ich leider etwas abgelenkt. Doch die Interpretation berühmter Kunstwerke hat mir einen netten Ausklang des Tages bereitet.

Wer es nun doch nicht mehr rechtzeitig schafft, muss nicht traurig sein. Auch 2017 sollen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe wieder stattfinden.

Und vielleicht bald auch in Ihrer Stadt? 😉

FAKE -Fälschungen wie sie im Buche stehen

Heidelberg am Neckar

Unter diesem Titel läuft noch bis 26.2.2017 in der wunderschönen Heidelberger Unibibliothek in der Altstadt eine Sonderausstellung zur Beziehung zwischen Fälschungen und Büchern.
Als Begleitprogramm wird u.a. eine Vortragsreihe zum Fälschungsthema veranstaltet.

Heute habe ich die erste Veranstaltung des ehemaligen Kriminalhauptkommissars des LKA Stuttgart, Ernst Schöller besucht. Er sprach aus seiner vierzigjährigen Berufspraxis auf sehr humoristische und anschauliche Weise über „Diebe, Fälscher, Hintermänner“. Seine lebendigen Beispielfälle haben sehr dafür sensibiliesiert, dass wir – die mit Kulturgut zu tun haben – uns nicht leichtgläubig allein auf Werkverzeichnisse, Ausstellungskataloge und Gutachten & Co. zur angeblichen Echtheit verlassen dürfen. Wir müssen immer das jeweilige Kunstobjekt selbst und im Kontext mit seiner Begleitgeschichte kritisch prüfen.

Denn es entstehen durch Fälschungen nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch solche, die das Wissen und die Forschung nachfolgender Generationen beeinflussen.

Da diese Vortragsreihe öffentlich und kostenlos ist, empfehle ich jedem, auch die weiteren Veranstaltungen zu besuchen. Ich versuche es auch wieder am 30.6., 18 Uhr nach Heidelberg zu schaffen, wenn Horst Bredekamp den „New Yorker Sidereus Nuncius. Punkt für Punkt“ als Fälschung entlarvt.

Und vielleicht habe ich dann auch genug Zeit, um mir ein Bild von der Ausstellung zu machen.

Kuba-Museum Wolfenbüttel

Vor kurzem habe ich endlich dem Kuba-Museum in Wolfenbüttel einen Besuch abstatten können.

Dieses kleine Museum hat nur an einem Samstag im Monat geöffnet, da es von einem Verein geführt wird. Besonders daran ist – neben dem kostenfreien Eintritt -, dass die Geschichte von Tonmöbeln im ehemaligen Firmengebäude der bekannten Wolfenbüttler Nachkriegsfirma Kuba vermittelt wird. Dabei werden überwiegend Möbel dieser Firma gezeigt, welche durch zahlreiche Volksempfänger und etliche Grammophone in einen geschichtlichen Kontext gesetzt werden.

Für Technikbegeisterte bieten die auskundsfreudigen Vereinsmitglieder gern Rede und Antwort. Für Restauratoren bieten die lackierten Möbel selbst besonders spannende Aspekte, da man eine Vielzahl verschiedener Alterungserscheinungen von modernen transparenten Überzügen, die vermutlich Nitrocellulose enthalten, entdecken kann. Vor den Vereinsmitgliedern, die ihr ganzes Herzblut in dieses Museum investieren, habe ich großen Respekt. Ich hoffe sehr, dass dieses lokal verankerte und identitätsstiftende Vereinsmuseum für Wolfenbüttel bestehen bleibt und zukünftig z. B. durch Kooperationen mit etablierten Museen und Hochschulen erforscht und gefestigt werden kann.