Ein Jahr Kulturgutschutzgesetz

Eine erste Zwischenbilanz zieht die Universität Regensburg am 25.10.2017 in einem öffentlichen Symposium.

Welche Effekte hat dieses Gesetz bewirkt? Waren sie dem Schutz von Kulturgut zuträglich oder doch eher nachteilig? Sind die beabsichtigen Effekte eingetreten oder doch auch völlig  Unbeachtetes? Reicht das Gesetz aus oder muss noch nachgebessert werden?

Es würde mich brennend interessieren, wo wir nun stehen und welche Perspektiven sich eröffnet haben!

Leider ist das Symposium an einem Mittwochabend und von mir aus nicht gerade um die Ecke. Da ich beruflich nicht flexibel genug bin, kann ich leider nicht teilnehmen.

Jeder, der sich dafür interessiert und die Möglichkeit hat, sollte aber unbedingt teilnehmen! Da die Veranstaltung kostenlos und ohne Anmeldung zu besuchen ist, können Sie auch ganz spontan sein.

Ich hoffe daraf, bald auch auf anderem Wege ein Resümee des ersten Jahres Kulturgutschutzgesetz zu lesen.

Der Archivar und seine Schätze

Gestern Abend ab 18 Uhr besuchte ich die Antrittsvorlesung vom neuen Honorarprofessor Dr. Michael Schütz an der HAWK in Hildesheim.

Mit abwechslungsreicher, interessanter musikalischer und kulinarischer Begleitung rahmten kurze Würdigungsreden den Vortrag von Herrn Schütz über den „Archivar und seine Schätze„. Der Fakultätsdekan Prof. Dr.-Ing. Günther Bahre stimmte die Zuhörer sehr wortwitzig mit den zu erfüllenden Voraussetzungen für so eine Professur und seiner Freude über diesen qualitätsvollen Zuwachs des Kollegiums ein. Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub unterstrich die Freude über diesen Glücksfall durch eine kurze Zusammenfassung der Vita und das vielseitigen Engagements von Herrn Schütz.

Dann stellte Herr Schütz selbst in gut 40 Minuten die Arbeit und das Selbstverständnis von Archivaren vom 17. Jh. bis heute anhand seiner Forschungen in Archivalien vor – immer auf die Erhaltung von Schriftgut fokussiert. Dies gelang ihm in seiner charakteristischen, überaus charmanten und amüsanten Vortragsweise, die ich noch aus meinem Studium von ihm kenne. Es gelingt ihm mit scheinbarar Leichtigkeit, eine Fülle von Informationen nahezu unbemerkt zu vermitteln. Er nimmt seine Zurörer stets auf eine Reise mit vielen scheinbar weiten Abschweifungen mit, die aber immer wieder zum roten Faden zurückkehren und ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Die Professorin der Studienrichtung Konservierung/Restaurierung von Schriftgut, Dipl. Rest. Ulrike Hähner rundete den Abend mit ausblickenden Worten in die zukünftige Arbeit von Herrn Schütz an der HAWK ab.

Leider waren sehr wenige Zuhörer anwesend – besonders wenig Studenten. Sie haben aber alle einen ganz wunderbaren und kurzweiligen Abend verpasst, der inspirierte und Spaß machte.

Nachruf: Prof. Dr. Nicole Riedl-Siedow

Bereits am Abend des 31.8.2017 verbreitete sich die Nachricht vom plötzlichen Tod von Frau Riedl-Siedow unter den Restauratoren wie ein Lauffeuer. Ich wollte es lange Zeit einfach nicht glauben, da sie schlichtweg noch so jung war.

Auch wenn sie nicht meine Fachprofessorin während des Studiums war, habe ich sie als kompetentes, engagiertes und zuverlässiges Mitglied des Lehrkörpers wahrgenommen.

Die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Studiengangs Konservierung/Restaurierung der HAWK haben nun leider eine wertvolle Kollegin und die Studenten ein Vorbild und prägende Ausbilderin verloren. Sie alle stehen nun mit der Hochschulleitung zusammen vor der großen Aufgabe, das Loch, das Frau Riedl-Siedow hinterlassen hat, zu stopfen.

Auch ihre Vita verdeutlicht, welche wertvolle Person die Fachwelt zur Erhaltung von Kulturgut mit ihr verloren hat.

Sie hinterlässt nicht nur Kollegen und Fachkreise, denen nun eine besondere Persönlichkeit und ihre Kompetenz fehlen wird. Sie hinterlässt auch Freunde und Familie, die nun irgendwie weitermachen müssen.

So bleibt mir nur, allen Hinterbliebenen und ganz besonders den engsten Angehörigen Kraft und Zusammenhalt zuzusprechen.

Frau Riedl-Siedow wird unvergessen bleiben.

Nachruf auf Martin Roth

Heute vermelden Medien den gestrigen Tod von Dr. Martin Roth, der in der Kulturwelt eigentlich jedem ein Begriff ist.

Mich hat die Nachricht zutiefst getroffen, da ich ihn noch im April live erlebte, als er für die Feierlichkeiten zum 30jährigen Bestehen der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Neuen Schloss Stuttgart eine Festrede hielt.

Er war sehr wortgewandt und charismatisch, umtriebig und mit Leib und Seele in der Kulturwelt unterwegs. Er war mir ein Vorbild darin, meinen eigenen Weg zu gehen.

Vielen Dank dafür.

Der Wert der Restaurierung?

Seit einiger Zeit denke ich wirklich sehr intensiv über meinen ergriffenen Beruf nach. Und mein Urteil fällt leider nicht ganz so positiv aus. Ohne Frage liebe ich die Beschäftigung mit historischem Kulturgut, aber es scheint eine brotlose Kunst zu sein.

Festigung historischer Inventar-Etiketten an Stuhlzargen

Nach einem Jahr Vorpraktikum habe ich fünf Jahre studiert (B.A. und M.A.) und nach etwas mehr als einem Jahr Arbeitssuche dann zwei Jahre Volontariat absolviert, bis ich mich endlich sicher genug gefühlt habe, um richtig in dem Beruf zu arbeiten. Somit habe ich insgesamt acht Jahre damit verbracht, diesen Beruf zu erlernen. Wer vorher noch eine handwerkliche Ausbildung gemacht hat (z. B. zum Tischler), der wäre dann gut elf Jahre dabei.

Und nach so langer Zeit sind wir dann doch ziemlich umfassend und gut ausgebildet! Neben handwerklichen Fähigkeiten wissen wir einiges über Geschichte der Kunst, der Gesellschaft, von Konstruktionen und Materialien. Wir haben chemisches und physikalisches Verständnis unserer historischen und modernen Arbeitsmaterialien und ihrer Reaktionen. Wir können fotografisch, zeichnerisch und verbal komplexe Zusammenhänge dokumentieren. Mit einem feinen Auge erkennen wir kleinste Unterschiede, um Veränderungen zu bemerken und Ergänzungen harmonisch einzupassen. Wir arbeiten sehr analytisch, logisch und nach hohen ethischen Ansprüchen. Wir haben ein sehr hohes soziales Empfinden bei unserer Tätigkeit.

Und dann gibt es kaum Stellen – besonders für Möbelrestauratoren. Die meisten müssen sich selbständig machen. Das ist ja auch nicht jedermanns Ding. Hat man eine Stelle im öffentlichen Dienst, bekommt man meist nur E9, auch wenn man Vergaben durchführt und Projekte managet. Oft ist so eine Stelle aber nur befristet – für einige Monate oder wenige Jahre. Mal in der einen Stadt, dann wieder im nächsten Bundesland oder gar ins Ausland. Hat man dann noch dummerweise einen sachgrundlos befristeten Job angenommen, ist man bei dem Arbeitgeber für drei Jahre gesperrt. Man muss permanent Bewerbungen schreiben, stets netzwerken oder höchst flexibel sein, um eine Folgeanstellung zu bekommen. Partner und Eigenheim oder gar Kinder sind schwierig in dieses Lebensmodell zu integrieren.

Und dann muss man sich Aussprüche anhören wie: „Ach, das kann man studieren?“ oder „Und in welchem Restaurant arbeitet man dann so?“ oder „Oh, wie toll! Ich hab auch schon mal einen alten Tisch abgebeizt/abgeschliffen und neu lackiert!“ oder „Toll, ich hab hier eine Kommode; wie viel ist die denn wert?“ oder „Ja, ich mag solchen Shabby Chic!“ Werde ich als Möbelrestauratorin etwas über die Restaurierung eines Buches oder Porzellanvasen gefragt, bin ich schon überglücklich.

Tja, da haben die Restauratoren wohl völlig den Draht zur Öffentlichkeit verloren – oder anders herum. Und wieso? Weil wir gern im stillen Kämmerlein arbeiten – freiwillig oder auch zwangsläufig. Dabei sind Museumsbesucher überaus an unserer Arbeit interessiert! Für mehr Führungen oder Öffentlichkeitsarbeit durch uns reicht unsere Wochenarbeitszeit aber wieder nicht aus, da wir ja meist noch so viel anderes zu erledigen haben, weil wir oft zu wenig angestellte Restauratoren sind.  Ein Teufelskreis …

Eine Kollegin ist schon dazu übergegangen, zu behaupten sie sei Fleischereifachverkäuferin, weil sie müde geworden ist, immer wieder den Beruf und die ethischen Grundsätze zu erklären. Und auch mich nervt es so langsam, wenn mir Antiquitätenhändler, die alte Möbel auf nassem Rasen in der prallen Sonne ausstellen, mir erzählen, ich soll doch einen zweitägigen Restaurierkurs bei ihnen belegen, dann würde man viele Aufträge bekommen …

Restauratoren in Deutschland, jung und alt: Schließt euch zusammen und unterstützt den Berfsverband! Und VDR: Setz den Berufstitelschutz durch und finde Wege der besseren Öffentlichkeitsarbeit! Über einen Verbandsausschluss der Restauratorin in der umstrittenen Sendung „Kaputt und zugenäht“ zu diskutieren finde ich da kontraproduktiv! Ihr Einsatz sollte eher belohnt und besser unterstützt werden. Wir brauchen charismatische Gesichter, die endlich ein richtiges öffentliches Verständnis für unseren Wert an der Gesellschaft schaffen!

Untergegangene Jugendstilbauten in Karlsruhe

Noch bis zum 17.6. kann man in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe die kleine kostenlose Ausstellung über wertvolle Architektenbauten sehen, die heute verloren sind.

Sofern man den Ausstellungsraum findet!

Als ich das erste Mal dort war, hatte ich große Mühe überhaupt den Eingang zu finden. Architektonisch versteckt er sich am Ende eines sehr niedrigen Arkadengangs, der eher wie ein Lieferanteneingang wirkt. Heute habe ich dann aber noch sehr lang nach dem Ausstellungsraum gesucht, der nur spärlich mit grobem Richtungspfeil in der überdimensionierten Eingangshalle ausgeschildert ist. Bis ich dann endlich heraus gefunden habe, dass man noch durch das Café durch und um die Ecke muss …

Die Mühen haben sich aber gelohnt, denn diese Ausstellung ist recht ansprechend. Anhand von früheren Architekturbildbänden wurden herausragende, heute verlorene Bauwerke illustriert und neben Fotos der heutigen „Ersatzbauten“ gestellt. In begleitenden Texten erfährt man vieles über die Architektenszene um 1900, einzelne bedeutende karlsruher Persönlichkeiten und die „Bausünden“ der Nachkriegszeit.

Wer also in der Stadt unterwegs ist und noch ein bisschen Zeit hat, der sollte noch in der BLB vorbeischauen und diese Ausstellung kostenfrei besuchen.

Kästchen mit Perlenmosaik

Schon seit dem Studium wollte ich die historische Technik des Perlenmosaiks nachempfinden.

Im Braunschweig des 18. Jh. stellte die „Korallenmanufaktur“ van Selow begehrte Sammelobjekte her, indem sie Tischplatten und andere Oberflächen mit Glasperlen in zahlreichen Motiven dekorierten. Über die genaue Herstellungstechnik ist aber bisher sehr wenig bekannt.

Deshalb hatte ich mir vorgenommen, zwei kleine Kästchen mit solchen Mosaiken zu verzieren – und zu Weihnachten zu verschenken … Jetzt sind sie endlich fertig und werden Geburtstagsgeschenke.

Handelsübliches Kästchen für Zigarillos

Anfang November nahm ich zwei hölzerne Zigarillokisten, entfernte zunächst die Deckelscharniere und -schließen und schliff die Oberflächen ab. An die Kanten der Deckeloberseiten klebte ich dann kleine Vierkantleisten aus Balsaholz, um ein Kittbett für das spätere Perlenmosaik vorzubereiten. Alle später sichtbaren Außenflächen habe ich in weißer oder hellblauer Acrylfarbe gefasst. Die farbigen Außenflächen sollten als Kontrast zum späteren Perlenmosaik samtig-matt und pastellig-hell werden. Durch Zwischenschleifen und abschließendes Planschleifen wurde eine ebene, qualitätvolle Oberfläche erzielt.

Kästchen geschliffen, mit der Fassung begonnen


Auf Papier habe ich dann die Mosaikmotive seitenverkehrt in Farbe angelegt, um die Perlen mit Fischleim darauf zu fixieren. Das Auffädeln und Legen der Perlen hat unglaublich lang gedauert. Leider habe ich mir keine Zeiten notiert, aber es hat gefühlt dreimal so lang gedauert, wie anfangs gedacht. Mit Übung bin ich aber im Laufe der Zeit schon schneller und ordentlicher geworden.

Auffädeln und Legen der Perlenbilder


Das Kittbett der Kästchen habe ich dann mit Fischleim abgesperrt und nach längeren Versuchen einen Kitt aus Leinöl, Fischleim (1:1) in gleichen Teilen mit Champagner und Bologneser Kreide (1:3) gemischt und aufgespachtelt. Um Klümpchenbildung zu vermeiden, muss der Kitt wirklich gut vermengt werden. Die richtige Menge anzusetzen und in der richtigen Schichtstärke gleichmäßig aufzuspachteln, ist wirklich unglaublich schwierig. Auch hier wird man durch Erfahrung besser.

Anschließend habe ich die aufgeklebten Perlenbilder in das Kittbett gedrückt – mit der Papierseite nach oben. Mit einem feuchten Schwamm habe ich dann zügig das Papier durchfeuchtet und abgezogen. Dann konnte ich die Perlen noch einmal gut festdrücken. Dabei hat sich dann gezeigt, wie sorgfältig ich vorher die Muster gelegt habe.

An Stellen, wo der Kitt herausqoll, konnte ich den Überschuss nach dem Trocknen mit einem feuchten Schwamm entfernen. An einigen Stellen musste ich dann aber auch nachkitten. Beim Versäubern dieser Nachkittungen habe ich allerdings festgestellt, dass manche Perlen ihre Oberflächenfarbe verloren (grün und orange). Vermutlich wurden sie mit den Kreiden im Kitt abgeschmirgelt.

Das Innere der Kästchen habe ich dann noch mit feinem Papier ausgeklebt.

Mit Papier ausgekleidete Kästchen


Da die Acrylfarbenoberfläche unglaublich anfällig gegenüber Flecken war, musste ich sie doch noch durch einen Klarlack schützen. Obwohl das gewählte handelsübliche Fertigprodukt seidenmatt eingestellt ist, war es mir noch zu glänzend und hat durch ehröhtes Tiefenlicht die blaue Farbe deutlich verdunkelt. Durch abschließendes feines Anschleifen konnte die ursprüngliche Oberflächenerscheinung wieder hergestellt werden. Auch das Papier im Innern wurde zum Schutz lackiert – aber nicht geschliffen.

Fertige Perlenmosaik-Kästchen


Nachdem die Scharniere und Schließen wieder angebracht wurden, sind die Kästchen jetzt endlich fertig. Und sie sind genau so geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Hoffentlich freuen sich die Beschenkten, so sehr wie ich.

Ramses in Karlsruh


Noch bis zum 18.6.2017 zeigt das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss eine Sonderausstellung zu Ramses.

Zur Einstimmung kann man vorher auf der Homepage ein kleines Spielchen spielen.

Das ist wirklich hübsch gestaltet und nett vertont, allerdings fand ich manche Spielsequenzen nicht selbsterklären. Da wusste ich erst einmal nicht, was ich zu tun hatte. Für meinen Geschmack ist es teilweise etwas langsam, dröge …

Mir erscheint dieses Spiel dennoch als sehr geeignet für Kinder – unter elterlicher Hilfe. Auf kurzweilige Art lernt man dabei etwas über altägyptische Bräuche und Glaubensvorstellugen.

Leider habe ich die Ausstellung noch nicht besuchen können. Hoffentlich ist sie genau so interessant, wie dieses nette Online-Spiel.