Öffnen, bewahren, präsentieren

Unter diesem Titel beschreiben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) auf fast 400 Seiten die Vielfalt ihrer Aufgaben.

Sehr qualitätvoll bebildert feiern die SSG mit dieser Publikation ihr 30jähriges Bestehen und lassen alle Interessierten an ihrem Alltag teilhaben.

Mit zahlreichen Artikeln verorten sie ihren Standpunkt in der Geschichte und der heutigen Gesellschaft. Gebäude- und Inventarverwaltung haben an den Höfen eine sehr lange Tradition, in der nach einigen Einschnitten heute die SSG stehen. Anhand der heute betreuten Monumente wird beschrieben, welche Themen für Mitarbeiter und Besucher wichtig sind und wie sie in Einklang gebracht werden.

Neben jüngsten Vermittlungsprojekten werden auch Forschungsthemen und Erhaltungsmaßnahmen exemplarisch beschrieben. So erfährt man, was sonst im Verborgenen vor sich geht, z. B. innovative Forschungen zur sogenannten Glaskrankheit oder auch zu versteckten historischen Inventaretiketten.

Der Spagat zwischen dem Schutz vor Verlust originaler Substanz und der Vermarktung und Vermittlung der Gebäude, Ruinen, dem Inventar und der Gärten wird anhand verlorener Monumente, jüngster Neukonzeptionierungen und bevorstehender Projekte verdeutlicht.

In 30 Beiträgen beschreiben Mitarbeiter somit einen kleinen Teil ihrer Arbeit.

Auch ich habe mitgewirkt und eines meiner liebsten Arbeitsthemen beschrieben.

Schloss Favorite bei Rastatt

Westansicht_Schloss_Favorite_Rastatt_2013_(2)

Am Rande des Ortes Förch bei Rastatt liegt das Schloss Favorite. Zufällig wird man hier nicht vorbei kommen; man muss schon gezielt dort hin wollen. Und genau dieser Umstand macht das Schloss mit seinem Schlosspark zum kulturellen Geheimtipp.

Von 1710 bis 1720 ließ Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, geborene von Sachsen-Lauenburg, das Schloss als Sommerresidenz errichten. Fern ab der Residenzstatt Rastatt, eingebettet in die Landschaft, pflegte man hier einen sehr privaten und freien Lebensstil ohne offizielle Etikette.

Das Gebäude ist in einen vergleichsweise wenig repräsentativen Schlossgarten eingebettet, dessen nördlicher Teil als barocker Lustgarten und der südliche als Wald gestaltet ist. Hier wurde speziell die Fasanenzucht betrieben. Bereits ab 1791 wurde der Barockgarten im Stil eines Landschaftsgartens überformt. Im Wald befindet sich eine achteckige Eremitage, in der die sehr gläubige Sibylla Augusta viel Zeit verbracht haben soll.

PENTAX ImageObwohl die Erbauerin bereits sieben Jahre nach der Fertigstellung nach Ettlingen umsiedelte und von da an Schloss Favorite nur noch sehr sporadisch besucht wurde, ist es in einer seltenen Gesamtheit und Unversehrtheit erhalten geblieben. Wir finden heute vielfach noch die ursprünglichen reichen und kreativen Wandbespannungen, die ursprünglichen Scagliola-Böden sowie einen Großteil der ursprünglichen Ausstattung, allem voran die umfangreiche Porzellansammlung, die zahlreichen Kostümbildern und die nahezu lebensgroßen Wachsfiguren in der Eremitage.

Auch der Garten bietet noch immer einen Ort der Erholung mit wundervollen Aussichten in die umgebende Landschaft.

Und nach einem Besuch dieser Anlage kann man sich bei hervorragendem Kaffee und Kuchen im Schlosscafé wieder stärken.

Witterungsbedingt ist das Schloss allerdings nur von Mitte März bis Mitte November geöffnet. Planen Sie also schon jetzt eine Reise nach Rastatt.

Gartendenkmale

20140109-115245.jpg
In der Ausgabe 4/2013 der Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen geht es hauptsächlich um Gartendenkmäler und ihre Erhaltung.
Als Gartendenkmale gelten nicht nur Gärten, sondern auch Friedhöfe und Alleen. Prinzipiell sind das also Pflanzen, die durch Menschenhand arrangiert, gepflegt und teilweise auch natürlich überformt wurden. Dazu gehören aber auch Umfassungsmauern, Grabsteinen und Wege. Die nähere Umgebung, wie umliegende Felder, Wälder, Gebäude und deren Sichtbezüge sind erst in jüngster Zeit in das Bewusstsein aller Beteiligten gerückt. Denn bei Gartendenkmälern müssen sich Denkmalschützer auch mit Naturschützern verständigen. Gerade bei Alleen, die öffentliche Straßen säumen, kommen Aspekte der Verkehrssicherheit hinzu. Und manchmal müssen auch verschiedene Eigentümer an einen Tisch gebracht werden.
Und wie erhält man nun solche lebenden Denkmale, die natürlicherweise auch erkranken und sterben können?
Natürlich versucht man, die überkommenen Pflanzen so lang wie möglich zu erhalten. Oft ist dies aber nicht möglich, da die Pflanzen bereits am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind. Den Verlust könnte man ohne Gegenmaßnahmen akzeptieren. Meist werden aber tote Pflanzen durch neue der selben Art ersetzt, doch sind diese dann in Größe und Form anders – von den Genomen ganz zu schweigen.
Dabei stellt sich aber die grundlegende Frage – wie bei allen Denkmalen und Kulturgütern – ob man die ursprüngliche Erscheinung oder den gealterten, überformten oder gar ruinösen Zustand erhält. Allerdings ist oft nicht belegt, wie die ursprüngliche Planung aussah. Gab es bestimmte emotionale Absichten, die hinter Dichte, Anordnung und Höhe von Gehölzen standen?
Im Grunde haben sich auch Möbelrestauratoren mit diesen ethischen Grundsatzfragen auseinanderzusetzen, doch stehen wir nicht so unter Zeitdruck, da die natürliche Lebensdauer „toter“ Materialien, wie sie an Möbeln verbaut werden, weit länger ist, als bei Pflanzen.