Zwei Hanno Hockey-Automaten im Vergleich

identifikation

Automat “36”

Mittlerweile habe ich ja zwei gleiche Hanno Hockey-Automaten der 1930er Jahre restauriert. Doch bei genauer Untersuchung sind dann doch etliche kleine Unterschiede zutage getreten, die darauf hindeuten, dass die damalige Serienproduktion modifiziert worden sein muss.

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Automat “79”

Mein erster Automat trug mehrfach die Schlagmarke “36”, der zweite die “79”, weshalb ich vermute, dass “36” der ältere ist. Da allerdings nicht bekannt ist, wie viele Automaten pro Jahr gefertigt wurden, kann man nicht sagen, wie groß der zeitliche Abstand zwischen den beiden Automaten wirklich ist. Nimmt man einen Automaten pro Woche an (was vermutlich recht wenig ist), währe der Altersunterschied zwischen “36” und “79” weniger als ein Jahr.

Zunächst fiel mir auf, dass “36” sehr viele Bleistiftsignaturen im Korpus hat. Mehrfach taucht “1919” um den Kasseneinsatz auf. Die Unterseite des Spielfeldeinsatzes ziert eine Bleistiftmarkierung, die “vorn” anzeigt, zwei Signaturen, die wie ein 3-094geschwungenes “Fb” oder “2+” aussehen, sowie eine “3”, eine “26” und eine “36”. Die beiliegenden Beine hatten allesamt eine “1488” mit Tinte eingestempelt, was mich
vermuten lässt, dass sie von einem Zulieferer stammen, der Möbelbeine in verschiedener Ausführung anbot und die entsprechende Produktnummer hier angebracht hat. Automat “79” hingegen trägt lediglich an drei Stellen des Korpus seine Schlagmarke.

Am Gehäuseäußeren fällt auf, dass die Metallplakette der Münzeinwurfs sowie die Stellfüße von “36” Reste einer grünlichen Beschichtung tragen, bei “79” habe ich keine entsprechenden Spuren gefunden. Ist das eine ursprüngliche Variation oder eine spätere Veränderung?

Der Knauf des Kugelhebers ist bei “36” aus Metall (Zinklegierung?) mit einem Gummipuffer konstruiert, bei “79” hingegen aus Kunststoff ohne Pufferring. Spuren für eine Reparatur von “79” konnte ich nicht finden, also scheint dies eine Modifizierung – vielleicht aus Rohstoffmangel? – zu sein.

“36” trägt noch ein schlichtes Möbel-Einlassschloss, “79” eines, das wir heute eher als Briefkastenschloss bezeichnen. Dadurch bedingt variieren auch die Holzkonstruktionen der Frontblende vom Kasseneinsatz. Sind die Querfriese von “36” in die Höhenfriese durchgezapft, sind sie bei “79” nur eingezapft. Warum bei “36” dann auch noch die obere und rechte Kante dieser Holzfront furniert ist, erschließt sich mir nicht. Der Boden des gesamten Kasseneinsatzes ist ebenfalls unterschiedlich: bei “36” aus einer Hartfaserplatte, bei “79” aus Sperrholz. Der Kassenbehälter von “36” scheint ockerfarben beschichtet zu sein, der von “79” ist aus blankem Zink. In der Korpusöffnung für den Kasseneinsatz befindet sich bei “36” rechts noch ein Stoppklotz, der bei “79” offenbar eingespart wurde, da genügend andere Konstruktionsteile verhindern, dass der Einsatz zu weit ins Innere geschoben werden kann.

Der Spielfeldboden ist bei “36” von unten mit 12 Schrauben an den Banden befestigt, bei “79” hingegen mit 16; der komplette Spielfeldeinsatz aber bei “36” mit 10, bei “79” nur mit 8 Schrauben von oben in den Korpus geschraubt. “36” zeigt hier im Innern an den Längsseiten mittig noch Auflageklötze, die bei “79” eingespart wurden. Bei “79” gibt es zwar ebenfalls Schrauben, die an den Längsseiten mittig eingedreht wurden, doch sind diese weit kleiner und fixieren lediglich die mittlere Kunststoffscheibe. Denn hier sind die drei aufgelegten Kunststoffscheiben nicht mit den verchromten Eisenleisten vernietet, wie bei “36”.

detail-reichpfennigUnd der netteste Unterschied zum Schluss: In “79” wurde der innere Gummipuffer der Hebemechanik mit einem gestutzten Reichspfennig als Unterlegscheibe abgeschraubt. Der Gummipuffer von “36” ist da hingegen ganz konservativ.

So wie in diesem ganz speziellen Fall von Hanno Hockey-Automaten ist allgemein über die Produktion historischer Münzautomaten bisher nicht viel bekannt. Ich empfinde dies aber als unglaublich wichtiges Desiderat in der Erforschung von technischem Kulturgut.

Restaurierung des Hanno-Hockey 3

Durch das Aufprallen der Spielkugeln auf den Banden waren hier vielfach die obersten Holzfasern mit Fassung gelöst und standen ab. Sie wurden mit Hautleim gefestigt.
Nachdem alle Bauteile des Automaten konserviert waren, konnten sie wieder zusammengesetzt werden.
Dabei stellte sich heraus, dass die rote Spielfigur nach der Befestigung nicht mehr einwandfrei gedreht werden konnte, da der Hockeyschläger nicht über das leicht verformte Spielfeld gleiten konnte.
Ein kleiner Kunststoffring aus der Computertechnik schaffte Abhilfe. Er wurde auf den Dorn aufgelegt und hob so die Spielfigur an. Somit kann sie wieder mit ausreichend Abstand über das Spielfeld gleiten.

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Da der Automat nicht mehr gewerblich bespielt werden soll, wurden die erheblich vergilbten, dünnen Kunststoffplatten über dem Spielfeld entnommen (und aufbewahrt), um die Einsicht zu verbessern. Diese Platten hatten ursprünglich den Zweck, die gläserne Deckplatte vor Schäden durch die stählernen Spielkugeln zu schützen. Bei Bedarf können im Nachhinein moderne Plexiglasplatten eingepasst werden.
Da die linke Nut minimal erweitert wurde, lässt sich die abdeckende, ursprüngliche Glasplatte leichter einschieben.
Leider erschien die Festigung des fragmentarischen ursprünglichen Lacks (wohl Cellulosenitrat) auf den Holzoberflächen nicht wirtschaftlich. Folglich wurden alle Oberflächen mit Schellack eingelassen.

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Die abschließende Funktionskontrolle zeigte, dass die gesamte Mechanik einwandfrei funktionierte – wenn man die Pfennigstücke mit dem richtigen Schwung einwirft. Dies war primär dem guten, vollständigen Erhaltungszustand zu verdanken. Lediglich Reinigung, Schmierung und kleinere Justierungen waren nötig.