Reinlichkeit bei Hofe

Foto 27.09.14 13 41 28Die Publikation zur vergangenen Sonderausstellung „Das Stille Örtchen – Tabu und Reinlichkeit bey Hofe“ empfinde ich als sehr lesenswert.

Über 190 Seiten wird in 16 Aufsätzen unter reicher und ansprechender Bebilderung mit anschließendem Katalogteil recht umfassend behandelt, welche Hygienevorstellungen vom 17. bis 19. Jh. bei Hofe und im Bürgertum herrschten und dass Wasser als Krankheitsüberträger galt. Es wir beleuchtet, welche Einflüsse Körperhygiene auf die Architektur sowie die Strukturen des Hofstaates und der Gesellschaft hatte, welche Möbelformen dafür entwickelt wurden, welche Accessoires es für den Toilettengang, die Mundhygiene, das Waschen, Parfümieren, Kleiden, Schminken und Frisieren zu Hause sowie auf Reisen gab. Auch die damalige gesellschaftliche Kritik an extremen Modeerscheinungen der Adligen wird aufgegriffen.

Allerdings habe ich – ehrlich gestanden – den Artikel „Das Boudoir auf der Bühne – Intimität und Öffentlichkeit auf der Bühne“ nicht gelesen, da er mich aufgrund der Bebilderung nicht ansprach. Ich dachte, er thematisiert modernes Theater. Wenn ich aber genauer darüber nachdenke, wird er sich wohl doch mit historischen Theaterinterpretationen befassen.

IMG_0150.JPGIch finde, dass bereits die beiden sehr verschiedenen Cover von Einband und Umschlag zeigen, wie wissenschaftlich ernst und zugleich auch humoristisch dieses doch noch oft tabuisierte Thema aufgearbeitet wurde.

So ist bei mir vieles hängen geblieben und ich habe ein Stück mehr Verständnis der damaligen Umstände – und schätze die modernen Hygienemöglichkeiten umso mehr.

Ich wusste z. B. bis zu dieser Lektüre nicht, was es mit einer Flohfalle auf sich hat. Oder dass dem französischen Sonnenkönig, Ludwig XIV. beim Ziehen schlechter Zähne ein Teil des Gaumens mit entrissen wurde.

Ein Bourdalou war eine Zeit lang als eine Art mobiler Nachttopf für das weibliche „kleine Geschäft“ üblich. Als dieser Zweck in Vergessenheit geriet nutzten viele diese Keramik als Saucieren. Sie vielleicht auch? Finden Sie es heraus!

Einige Exemplare gibt es z. B. bei amazonWeltbild und anderen Buchhandlungen. Ansonsten kann es direkt über die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bezogen werden.

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