Kästchen mit Perlenmosaik

Schon seit dem Studium wollte ich die historische Technik des Perlenmosaiks nachempfinden.

Im Braunschweig des 18. Jh. stellte die „Korallenmanufaktur“ van Selow begehrte Sammelobjekte her, indem sie Tischplatten und andere Oberflächen mit Glasperlen in zahlreichen Motiven dekorierten. Über die genaue Herstellungstechnik ist aber bisher sehr wenig bekannt.

Deshalb hatte ich mir vorgenommen, zwei kleine Kästchen mit solchen Mosaiken zu verzieren – und zu Weihnachten zu verschenken … Jetzt sind sie endlich fertig und werden Geburtstagsgeschenke.

Handelsübliches Kästchen für Zigarillos

Anfang November nahm ich zwei hölzerne Zigarillokisten, entfernte zunächst die Deckelscharniere und -schließen und schliff die Oberflächen ab. An die Kanten der Deckeloberseiten klebte ich dann kleine Vierkantleisten aus Balsaholz, um ein Kittbett für das spätere Perlenmosaik vorzubereiten. Alle später sichtbaren Außenflächen habe ich in weißer oder hellblauer Acrylfarbe gefasst. Die farbigen Außenflächen sollten als Kontrast zum späteren Perlenmosaik samtig-matt und pastellig-hell werden. Durch Zwischenschleifen und abschließendes Planschleifen wurde eine ebene, qualitätvolle Oberfläche erzielt.

Kästchen geschliffen, mit der Fassung begonnen


Auf Papier habe ich dann die Mosaikmotive seitenverkehrt in Farbe angelegt, um die Perlen mit Fischleim darauf zu fixieren. Das Auffädeln und Legen der Perlen hat unglaublich lang gedauert. Leider habe ich mir keine Zeiten notiert, aber es hat gefühlt dreimal so lang gedauert, wie anfangs gedacht. Mit Übung bin ich aber im Laufe der Zeit schon schneller und ordentlicher geworden.

Auffädeln und Legen der Perlenbilder


Das Kittbett der Kästchen habe ich dann mit Fischleim abgesperrt und nach längeren Versuchen einen Kitt aus Leinöl, Fischleim (1:1) in gleichen Teilen mit Champagner und Bologneser Kreide (1:3) gemischt und aufgespachtelt. Um Klümpchenbildung zu vermeiden, muss der Kitt wirklich gut vermengt werden. Die richtige Menge anzusetzen und in der richtigen Schichtstärke gleichmäßig aufzuspachteln, ist wirklich unglaublich schwierig. Auch hier wird man durch Erfahrung besser.

Anschließend habe ich die aufgeklebten Perlenbilder in das Kittbett gedrückt – mit der Papierseite nach oben. Mit einem feuchten Schwamm habe ich dann zügig das Papier durchfeuchtet und abgezogen. Dann konnte ich die Perlen noch einmal gut festdrücken. Dabei hat sich dann gezeigt, wie sorgfältig ich vorher die Muster gelegt habe.

An Stellen, wo der Kitt herausqoll, konnte ich den Überschuss nach dem Trocknen mit einem feuchten Schwamm entfernen. An einigen Stellen musste ich dann aber auch nachkitten. Beim Versäubern dieser Nachkittungen habe ich allerdings festgestellt, dass manche Perlen ihre Oberflächenfarbe verloren (grün und orange). Vermutlich wurden sie mit den Kreiden im Kitt abgeschmirgelt.

Das Innere der Kästchen habe ich dann noch mit feinem Papier ausgeklebt.

Mit Papier ausgekleidete Kästchen


Da die Acrylfarbenoberfläche unglaublich anfällig gegenüber Flecken war, musste ich sie doch noch durch einen Klarlack schützen. Obwohl das gewählte handelsübliche Fertigprodukt seidenmatt eingestellt ist, war es mir noch zu glänzend und hat durch ehröhtes Tiefenlicht die blaue Farbe deutlich verdunkelt. Durch abschließendes feines Anschleifen konnte die ursprüngliche Oberflächenerscheinung wieder hergestellt werden. Auch das Papier im Innern wurde zum Schutz lackiert – aber nicht geschliffen.

Fertige Perlenmosaik-Kästchen


Nachdem die Scharniere und Schließen wieder angebracht wurden, sind die Kästchen jetzt endlich fertig. Und sie sind genau so geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Hoffentlich freuen sich die Beschenkten, so sehr wie ich.

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