Restauratorentagung in Nürnberg

Vom 9. bis 11. Mai findet in Nürnberg eine Tagung der Möbelrestauratoren zu Alltagsobjekten statt.

Noch bis zum 28.4. können Sie sich anmelden.

Lassen Sie sich vom spannenden und facettenreichen Programm überzeugen.

Außerdem ist diese Veranstaltung das 40jährige Jubiläum der Möbelrestauratoren. Da sollten wir uns doch feiern!

Und natürlich ist so eine Tagung immer hervorragend geeignet, eine Stadt und ihre Museen kennenzulernen sowie zahlreiche neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen.

Wir sehen uns dann hoffentlich vom 9. bis 11.5. in Nürnberg!

Neue Kästchen

Zur Weihnachtszeit habe ich wieder zwei Kästchen neu gestaltet und verschenkt.

Aus zwei alten Zigarettenkisten wurde eine Schatulle für Herrenaccessoires (rechts) und eine für allerlei Kostbarkeiten und Erinnerungen (links).

Für ein ordentliches Ergebnis, habe ich zunächst vorsichtig die Schließen und Scharniere sowie etwaige Etiketten entfernt. Dann wurden die Oberflächen gründlich glattgeschliffen.

Die kleinere Kiste wurde dann in mehreren Lagen weiß gefasst, mit zahlreichen Zwischenschliffen und einem gründlichen Endschliff, damit eine absolut ebenmäßige Oberfläche entsteht. Die Falze habe ich in Grün abgesetzt, um einen ansprechenden Übergang zum Inneren zu schaffen, den ich später noch mit grünem Seidensamt ausgeschlagen habe. Die äußeren Verzierungen habe ich in Serviettentechnik aufgebracht und die gesamte, empfindliche Oberfläche seidenmatt lackiert. Nach dem Anbringen der Beschläge war die Arbeit hier abgeschlossen.

Die zweite Schatulle wurde zunächst mit mehreren Weißschichten innen und außen grundiert. In einem dunklen Violett fasste ich dann die Seiten ringsum und den oberen Deckelrahmen. Nach dem Glatten habe ich das weiße Feld auf dem Deckel mit Schmetterlingen in drei Helligkeitsstufen des Violetttons so gestaltet, dass es wirkt, als flögen sie vom Dunkel in die helle Ferne rechts oben. Nach dem Glattschleifen setzte ich im Bild noch ein paar Glitzerakzente. Das Innere wurde mit besonderem Papier mit Goldhighlights ausgeschlagen. Da auch dieses recht empfindlich ist, habe ich abschließend das Äußere und Innere lackiert. Nach dem Anbringen der Scharniere und der Schließe hat es die Beschenkte sehr glücklich gemacht.

Im Vergleich zu den Kästchen mit Perlenmosaik, die ich vor einiger Zeit anfertigte, sind diese hier natürlich deutlich weniger aufwendig. Die Holzsubstanz dieser Kästchen war auch deutlich geringer, so sind Teile ausgebrochen, als ich die Scharniere entfernt habe. Es haben sich auch Teile beim Fassen verzogen, deshalb klemmen beide Schatullen jetzt etwas beim Öffnen und Schließen.

Die Fertigung und das Verschenken haben mir große Freude bereitet. Die neuen Besitzen erfreuen sich nun an ihren handgefertigten Unikaten.

Schlossmuseum Braunschweig

Noch bis zum 30.12.2018 ist im Schlossmuseum Braunschweig der Eintritt frei.

Nutzen Sie dieses Angebot für einen kleinen Ausflug nach Braunschweig und besuchen Sie dieses kleine, ansprechende Museum.

In einem Teil des neu aufgebauten Stadtschlosses wird die Geschichte von Schloss und Welfenhaus multimedial und kurzweilig vermittelt. In den rekonstruierten Räumlichkeiten – sie lassen die alte Pracht erahnen, sind aber deutlich modernen Ursprungs – sind historische Originale wieder vereint. Die Präsentation ist sehr gelungen.

Nutzen Sie auch den Audioguide, der je nach persönlichem Interesse mehr zu Ausstattungsstücken, Rekonstruktionen oder historischen Persönlichkeiten erzählt.

Ein wirklich empfehlenswerter kurzer Museumsbesuch.

Nachruf: Prof. Dr. Nicole Riedl-Siedow

Bereits am Abend des 31.8.2017 verbreitete sich die Nachricht vom plötzlichen Tod von Frau Riedl-Siedow unter den Restauratoren wie ein Lauffeuer. Ich wollte es lange Zeit einfach nicht glauben, da sie schlichtweg noch so jung war.

Auch wenn sie nicht meine Fachprofessorin während des Studiums war, habe ich sie als kompetentes, engagiertes und zuverlässiges Mitglied des Lehrkörpers wahrgenommen.

Die Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Studiengangs Konservierung/Restaurierung der HAWK haben nun leider eine wertvolle Kollegin und die Studenten ein Vorbild und prägende Ausbilderin verloren. Sie alle stehen nun mit der Hochschulleitung zusammen vor der großen Aufgabe, das Loch, das Frau Riedl-Siedow hinterlassen hat, zu stopfen.

Auch ihre Vita verdeutlicht, welche wertvolle Person die Fachwelt zur Erhaltung von Kulturgut mit ihr verloren hat.

Sie hinterlässt nicht nur Kollegen und Fachkreise, denen nun eine besondere Persönlichkeit und ihre Kompetenz fehlen wird. Sie hinterlässt auch Freunde und Familie, die nun irgendwie weitermachen müssen.

So bleibt mir nur, allen Hinterbliebenen und ganz besonders den engsten Angehörigen Kraft und Zusammenhalt zuzusprechen.

Frau Riedl-Siedow wird unvergessen bleiben.

Restaurierung eines Hanno-Hockey-Automaten

Wieder hatte ich kürzlich die Gelegenheit einen Hanno-Hockey-Automaten zu restaurieren.

Im Vergleich zu dem letzten von mir restaurierten Automat war dieser in deutlich schlechterem Zustand.IMG_5105

Die gesamte Verschmutzung war weit stärker ausgeprägt, alle Metallteile erheblich korrodiert, die Glasplatte gesprungen, Kunststoffe teilweise so sehr versprödet, dass sie nicht mehr zu halten waren. Bis auf die Beine war der Automat aber vollständig: Alle zehn Spielkugeln, der Kassenbehälter und die Gehäuseschlüssel waren vorhanden. Zusätzlich fanden sich im Korpus sogar noch fünf Pfennig und vier Spiralen, welche die Spielfiguren mit dem jeweiligen Drehknauf verbinden.

IMG_5141Die Spielfiguren waren so stark korrodiert, dass kaum noch ursprüngliche Fassung
gehalten werden konnte. Da auch dieser Automat durchaus für den Privatgebrauch bespielbar sein sollte, wurden die beiden Figuren nach der Konservierung nach Befund neu gefasst. Auch die Kunststofffolie des Spielfeldgrunds wurde komplett durch eine handelsübliche Selbstklebefpolie ersetzt. Die drei Kunststoffplatten zur Abdeckung des Spielfelds mussten entsorgt werden. Die Weichmacher waren ausgetreten und die Substanz chemisch soweit abgebaut, dass sie komplett vergilbt und versprödet war. Durch diesen Zerfallsprozess wurden auch die vier Papieretiketten der Spielfeldzwickel soweit geschädigt, dass die ehemalige silberfarbene Oberfläche überwiegend zerstört ist. In den Bereichen, wo die Kunststoffscheiben auflagen, sind die Etiketten irreversibel verbräunt. Die Zukunft wird zeigen, wie stark das Papier tatsächlich durch etwaige Säuren geschädigt ist.

Für mich sehr interessant war die Erfahrung über das besondere Korrosionsverhalten verchromter Eisenteile. Die beiden Bandeisen, die quer über dem Spielfeld zur Unterstützung der Kunststoffplatten liegen, zeigten sich beim Zerlegen des Automaten nahezu komplett korrodiert. Die Oberfläche wurde teilweise mit einer fast 2 mm starken Rostschicht überzogen. Bei Freilegungsversuchen stellte ich aber fest, dass ein Großteil der Chromoberfläche darunter erhalten geblieben ist. Also konnte ich diese Teile behutsam freilegen, um die ursprüngliche Oberfläche wieder überwiegend erfahrbar zu machen.

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Die Metallkonservierung nahm den Großteil der aufgebrachten Arbeitszeit in Anspruch. Ansonsten war aber viel durch trockene und partiell feuchte Reinigung zur Verbesserung des Zustands beizutragen. Furniere mussten gefestigt werden, kleine Ausbrüche gekittet und retuschiert. Die Glasscheibe konnte geklebt werden. Neben den oben beschriebenen Erneuerungen, mussten auch einige Schrauben ersetzt werden. Auch der abgängige CN-Lack der Gehäuseoberfläche wurde – abweichend vom Befund – durch Schellack ersetzt.

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Der Funktionstest zeigte einige Stellen, an denen die Spielmechanik nachjustiert werden musste. Durch einen kleinen Holzklotz wurde der Automat reversibel auf Freispiele eingestellt und brachte den neuen Besitzern bereits viel Freude.

Und mir bei Testspielen natürlich auch! Es ist ein besonderes Erlebnis, die charakteristischen Geräusche und die Lautstärke wahrzunehmen. Man ist es kaum noch gewöhnt, bei der Bedienung eines Automaten Kraft aufzuwenden, die dabei aber doch noch gefühlvoll sein muss.

verstaubtes altes Zeug?

old-books-436498_1920Viele mögen denken: „Warum müssen wir so viel unnützen alten Kram aufbewahren? Das kostet nur Geld, nimmt Platz weg und interessiert doch eh keinen.“

Gut, dann reißen wir den Kölner Dom ab, entsorgen die Mona Lisa, verschrotten die erste Dampfmaschine, verbrennen all die verstaubten Massen von Akten und Papieren in den zahlreichen Archiven!

Und dann? Wer sind wir dann? Fehlt uns dann nicht die Identität?

Besonders das „Altpapier“ ist wichtig und kann so spannend sein! Denken Sie an die berühmten Stasiakten. Viele ehemalige DDR-Bürger nutzen sie, um Verwandte zu finden, ihre Herkunft zu klären. Die persönliche Ahnenforschung wäre ohne die alten Kirchenbücher über Eheschließungen, Geburten und Todesfälle unmöglich. All das trägt zu unserer Identität bei. Und so geht es auch den Städten.

Städte und Dörfer – und andere Siedlungsarten – haben eine Identität, die sich auch aus der Vergangenheit ergibt. Und wo ist diese Dokumentiert, wenn nicht in den Bauakten in den entsprechenden Archiven? Gut, für manche Orte mag es schon eine Chronik geben. Doch wo haben die Chronisten ihre Infos her?

ProjektflyerLobend ist da das Engagement der Stadt Karlsruhe zu erwähnen, die in einem Großprojekt mit der Konservierung, Erschließung und Digitalisierung ihrer Bauakten diese besondere Identität bewahren möchte. Denn die „Fächerstadt“ Karlsruhe blickt wirklich auf eine sehr spannende Herkunft zurück: Die von Karl Wilhelm erst 1715 gegründete Planstadt sollte wohl nur einer temporären Machtdemonstration dienen, da ihre Häuser zunächst nur in „Leichtbauweise“ entstanden. Doch die Menschen blieben, bauten ihre neue Heimat aus und gestalteten sie. Heute erlebe ich die Einheimischen als stolze Karlsruher. Sie identifizieren sich mit ihrer Stadt und gestalten sie aktiv; nehmen das Verkehrschaos wegen der U-Bahn-Baustellen mit Humor, sehen sie als „badische Baukunst“ an.

Wäre das möglich, wenn man keine Geschichtsdokumente aus der Vergangenheit hat?

Klar, steht doch alles im Internet!

Und wo hat das Internet das her?

Von so verstaubtem alten Zeug, das von Fachleuten interpretiert werden kann, weil es durch Experten erhalten wird.

Bewegung konservieren

Am 19. und 20.4.2013 richtete die VDR-Fachgruppe Technisches Kulturgut in Berlin eine Tagung aus, die sich mit den vielen Facetten der Bewegung als bedeutende Eigenschaft von Maschinen beschäftigte.

Maschinen sind mittlerweile nicht nur alltägliche Lebenshilfen sondern auch Kunst- und Kulturobjekte geworden.

Bisher kann man einen Teil der Tagungsvorträge in sehr bewegter Form online nachvollziehen. Öffnet man zunächst die Präsentationen kann man anschließend den Audiodateien viel besser folgen und spannendes über Dampfmaschinen oder Zuses Helixturm erfahren.

Dank weiterführender Links des Deutschen Museums München weiß ich nun auch endlich, wie ein Abakus funktioniert!

Ich halte gerade für Maschinen und bewegtes Kulturgut die modernen Medien, wie Filmaufnahmen und virtuelle Rekonstruktionen, für sehr brauchbare Hilfsmittel bei der Erschließung, Dokumentation und Vermittlung von Funktionsweisen. Allerdings können sie niemals das funktionierende Original und gar menschliche Erklärungen ersetzen.

Hoffentlich wird noch eine Publikation zu dieser Tagung erscheinen.

Darauf warte ich gespannt.

Brand in Greizer Museum

Wieder gab es einen Brand in einem Museum.

Diesmal traf es im thüringischen Greiz das DDR-Museum sowie ein im selben Gebäude befindliches Antiquariat. Das Feuer brach gestern früh vermutlich im 3. OG aus und vernichtete den nahezu kompletten Dachraum.

Das genaue Schadenssausmaß sowie die Brandursache müssen noch ermittelt werden.

Das ruft uns wieder ins Gedächtnis, wie wichtig doch Notfallpläne sind!

Es ist immer besser für den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Stadt in Licht und Schatten. Historische Blicke auf Hildesheim

So lautet der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Stadtmuseum Hildesheim, die dort noch bis zum 4.10.2015 gezeigt wird.

LichtundSchattenIm Rahmen des 1200-jährigen Jubiläums von Bistum und Stadt Hildesheim hat das Stadtmuseum mit dieser Ausstellung das ambitionierte Ziel, die große Sonderausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum – welche das Mittelalter thematisiert – in die jüngere Geschichte (Ende 19. Jh. bis ca. 1970er) fortzusetzen.

Offensichtlich war diese Intention doch etwas zu ambitioniert, denn ich war ziemlich enttäuscht.

Eigentlich mag ich Fotoausstellungen, doch diese hat mich eher traurig gemacht und mich schon etwas beschämt, da sie wirkte, als sei sie unter Zeitmangel, Personalmangel und mangelnde Hingabe entstanden.

Es sind dort viele – wirklich viele! – Fotoabzüge, Glasplatten, Postkarten usw. zu sehen, die auch alle mit Zahlen versehen sind. Doch ich habe keinerlei Begleittexte gefunden, die mir mehr Infos gegeben hätten, wie Ort, Zeit, Material und Technik. So stand ich oft vor den Bildern und dachte: „Schön, aber wo genau könnte das nun in Hildesheim gewesen sein?“ Nur weil ich da mal sechs Jahre gelebt habe, kenne ich leider nicht alle Ecken. Nach etwa sechs solcher Bilder, war ich so sehr frustriert, dass ich immer schneller durch die Ausstellung gelaufen bin.

Dieser Umstand hat mich dennoch nicht darüber hinweg getäuscht, dass einige Bilder mehrfach wiederholt wurden – an den Wänden als Abzüge, Glasplatten, in einem Ordner und einer Dia-Show. Warum, war mir leider nicht verständlich. Und leider konnte ich auch nicht über die pixeligen Abzüge hinwegsehen.

Entschuldigung, aber in einer Fotoausstellung müssen die Bilder schon eine gewisse Qualität aufweisen oder man kann sie nicht so groß oder eben gar nicht zeigen.

Und die Dia-Show in dem niedlichen, abgetrennten Mini-Kino ist gut gedacht, aber leider nicht gut umgesetzt, wenn manche „Dateiformate nicht angezeigt werden können“, manche Bilder zu klein sind und man die Beschriftung suchen muss (die dann leider manchmal auch noch Tippfehler enthielt) oder die Bilder in ihrer Abfolge irgendwie durcheinander geraten sind.

Es tut mir wirklich leid dies sagen zu müssen, aber diese Sonderausstellung ruft für mich ganz laut um Hilfe. Sie ruft nach mehr Personal, das die Zeit hat, eine Ausstellung ordentlich vorzubereiten und umzusetzen. Denn auch Macken an Bilderrahmen und Wänden fallen auf und lassen vermuten, dass alles schnell und „mal eben nebenbei“ erfolgen musste.

Und das ist leider aktuell symptomatisch für die deutsche Museumslandschaft: Mit immer weniger Personal und Zeit versuchen wir, eine Sonderausstellung nach der anderen auf die Beine zu stellen – immer größer, immer sensationeller – um sinkende Besucherzahlen abzufangen. Leider leiden darunter neben dem Personal besonders auch die Kulturgüter und das alltägliche Geschäft. Da kommen Restauratoren halt kaum noch dazu, die eigenen Sammlungsbestände präventiv zu betreuen. Historiker haben kaum noch Zeit, die Sammlungsbestände zu erforschen und überhaupt erst einmal aufzuarbeiten.

Da möchte ich nun eine ganz provokante Frage in den Raum werfen:

Sollten wir in der momentanen wirtschaftlichen Lage dann nicht lieber einige Museen vorübergehend schließen und deren Personal in anderen bündeln, damit hier ein wissenschaftlich fundierter, konservatorisch schonender und öffentlichkeitswirksamer Umgang mit dem deutschen Kulturgut gewährleistet wird?