Tagung “1000 Jahre St. Michaelis in Hildesheim”

Zunächst einen Dank und großes Lob an die Organisatoren dieser Tagung: Das Hornemann Institut und allen voran Frau Dr. Angela Weyer, und alle weiteren Mitwirkenden.
Diese dreitägige Tagung war überaus interessant und mit der Michaeliskirche wurde ein wunderbarer Ort gewählt – eigentlich der einzig richtige.
Dazu muss ich das Programm mit seinen zahlreichen Pausen und die wunderbare Bewirtung währenddessen besonders loben. In der Kirche war es auf Dauer recht frisch, aber im benachbarten Gemeindehaus gab es heißen Kaffee, Tee, Kuchen und Mittagsbuffet, was nicht nur Raum für fruchtbare Gespräche, sondern auch Bewegungs- und Aufwärmmöglichkeiten bot.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich von einigen Voträgen/Vortragenden äußerst enttäuscht war. Einige Vorträge waren vom Stil her so schlecht, dass ich mich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren konnte. Vielleicht bin ich da auch ein bisschen sensibilisiert, aber meiner Meinung nach geht so etwas einfach nicht! Auch wenn hier meist kompetente Wissenschaftler – wohl vorrangig zu einander – gesprochen haben, kann man doch bessere Vortragstechniken erwarten, oder?
Für alle Wissenschaftler und die, die es noch werden wollen:
1. Kommen Sie pünktlich! Beginnen Sie pünktlich!
2. Überziehen Sie Ihre Sprechzeit nicht! Erkundigen Sie sich ggf. vorher, wieviel Zeit Ihnen zur Verfügung steht.
Denn solch ein Programm aufzustellen macht nicht nur überaus viel Arbeit, es sollte z.B. aus Rücksicht auf die Zuhörer (die sich darauf einstellen) so auch durchgeführt werden. Bei einer Tagung in einer Kirche (die dazu noch touristisch überaus gefragt ist) kommt dann noch die liturgische Nutzung durch Gottesdienste und öffentliche Führungen hinzu. Und wenn dem letzten Redner vor solchen unverschiebbaren Terminen dann das Wort abgeschnitten wird, ist das auch gegenüber dem Redner unhöflich.
3. Sprechen Sie deutlich, aber nicht zu langsam!
4. Machen Sie Sprechpausen, aber nicht zu viele, nicht zu lang und nicht an den falschen Stellen!
Es kam vor, dass Redner besonders langsam sprachen – vermutlich aus Sorge, nicht verstanden zu werden – und dabei dann unzählige, noch dazu zu lange Pausen (gefühlt nach jedem dritten Wort) gemacht haben, die die Satzzusammenhänge total zerrissen. Ja, man kann aufgeregt sein und dann bleibt einem gern einmal die Luft weg, aber solch eine Vortragsweise macht den Anschein, der Redner habe sich nicht ausreichend vorbereitet und die Zuhörer langweilen sich, weil der Informationsfluss zu langsam ist.
Die Pausen mit “Ähm”s zu füllen, macht das auch nicht besser.
5. Sprechen Sie kurze, einfache Sätze! Wo es geht, komplexe Verschachtelungen vermeiden.
6. SPRECHEN SIE NICHT SO, WIE SIE SCHREIBEN!!!!!
Gerade Wissenschaftler haben sich eine komplexe Grammatik angeeignet, der meist schon beim Lesen schwer zu folgen ist. Wird sie gesprochen, verlieren nicht nur die Zuhörer den Roten Faden, sondern oft auch der Redner selbst.
7. Erzählen Sie keine Märchen!
Bitte betonen Sie normal und verwenden keine “leiernde” Satzmelodie.
Eine Vortragende stach dabei besonders hervor: Ihre Satzmelodie war so unnatürlich, dass ich persönlich mich überhaupt nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren konnte, weil ich mich so daran anstieß. Durch dieses leiern wirkte sie auf mich gelangweilt. Als sie dann allerdings auf Fragen antwortete, konnte sie normal betonen.

Auch Wissenschaftler unter sich sollten nicht meinen, besonders hochgestochen Sprechen zu müssen. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass einige Redner Angst vor ihren zuhörenden Kollegen hatten. Sie erschienen mir wie ein Kaninchen in der Höhle des Löwen. Sie wirkten steif, verkrampft. Wohl aus Angst von ihren Kollegen nicht anerkannt zu werden?
Ist eine solche Tagung nicht eigentlich dazu da verschiedenstes Wissen zusammen zu führen, um vielleicht neue Denkanstöße für die eigene wissenschaftliche Arbeit zu bekommen? Sollten sich nicht konstruktive Gespräche ergeben, die vielleicht zu gemeinsamen Arbeiten verleiten? Bei manchen Rednern und Fragenden verstand ich in ihren Aussagen und Anmerkungen meist: “Ist ja nett, was du erzählt hast, aber ich weiß das sowie so viel besser!”
Ok, das mag sein, aber dann musst du es auch besser vermitteln können!
Denn bei einem Vortrag erzählt man nicht sich selbst Dinge, man soll Informationen an die Zuhörer vermitteln, egal ob diese vom selben Fach sind oder nicht. Und das funktioniert meist nur mit einem einfachen, deutlichen Vortragsstil.
Also:
Sagen Sie das, was Sie meinen und zwar bitte möglichst einfach!

Antiquitäten wieder “schön” machen 2

Für einen Bekannten habe ich gerade eine Kommode “wieder schön” gemacht.
Aus meiner Sicht ist sie schon schön geworden. Wobei dies natürlich subjektiv ist und die Veränderungen ethisch nicht konstant einwandfrei vertretbar sind.
Einige Veränderungen waren dabei aber durchaus aus restaurierungsethischer Sicht vertretbar: Die Kommode hatte z.B. keine Füße mehr, sie hatte Griffe, die stilistisch überhaupt nicht passten, ihre riesigen Risse waren schrecklich gekittet (weit über den eigentlichen Riss hinaus verschmiert) und sie hatte kaum noch einen Überzug.
Gut, wenn man die Ethik ganz genau nimmt, hätte ich die fehlenden Füße, passende Schlüsselbleche und Griffe nicht einfach so ergänzen können. Denn ich hatte kaum bis keine Anhaltspunkte, wie diese Teile gestaltet waren. Dafür hätte ich mehr Vergleichsobjekte finden müssen.
Auch den noch gering vorhandenen Lack hätte ich genau auf seine Bestandteile untersuchen müssen, um zu sagen, was früher drauf war. Denn eigentlich müsste man die gleiche Politur wieder verwenden.
Aber mal ehrlich: Welcher Privatkunde bezahlt das alles?
Selbst Museen betreiben nicht solchen Aufwand – außer bei überaus bedeutenden Stücken.

Das heißt nun aber nicht, dass ich die Ethik überzogen finde! Im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass unser Beruf eine so strenge Ethik braucht – von der man dann Kompromisse ableiten kann. Aber wenn man keine solche Ethik hat, kann man logischerweise auch keine Abstriche machen und dann macht ja jeder, was er will. Dann geschehen nämlich solche Dinge, die im Antiquitätenhandel vorgehen: Bemalte Bauernschränke werden abgebeizt oder die Möbel anderweitig umgearbeitet. Nur weil das gerade als “schön” empfunden wird? Weil es sich leichter verkaufen lässt? Mehr Geld damit machen lässt?
Und wo bleibt da der Respekt vor unseren Vorfahren? Solche Möbel waren einmal überaus kostspielig und wurden sehr geschätzt, über Generationen weitervererbt.
Außerdem gibt es heute andere Mittel und Wege, solche Möbel dem Zeitgeschmack anzupassen ohne Zeugnisse von früher unwiederbringlich zu vernichten. So kann man die Oberflächen neu streichen. Verwendet man dafür ein Farbsystem, dass sich mit dem alten nicht verbindet und/oder bringt eine Trennschicht ein, kann man bei Bedarf die alte Fassung (theoretisch) wieder freilegen.

Bevor wir also unsere alten Möbel “schön” machen wollen, sollten wir einen Moment darüber nachdenken, besonders über die weitreichenden Auswirkungen.

Antiquitäten wieder “schön” machen

Im Studium wird die aktuelle Restaurierungsethik gelehrt. Sie besagt im Groben, dass restauratorische Eingriffe zurückhaltend und nur auf das Nötigste beschränkt werden sollten. Ergänzungen sind gerechtfertigt, wenn sie nötig sind, um das Objekt konstruktiv oder in seiner Aussagekraft zu erhalten, zu konservieren.
Doch das ist eine museale Ansicht.
Welcher private Antiquitätenbesitzer bezahlt für eine Restaurierung, wenn er am Ende ein unvollständiges Möbel oder Bild oder dergleichen wiederbekommt?
Ich selbst habe auch wenige Antiquitäten und auch ich möchte diese in meinen heimischen vier Wänden benutzen können. Dabei sollen sie natürlich auch “ordentlich” aussehen. Allerdings bin ich so geschult, dass ich auch kleine Fehlstellen, Flecken oder ander optische Beenträchtigen akzeptiere. Ich stelle meine optischen und praktischen Ansprüche gegenüber konservatorischer Belange zurück.
Doch bei Privatpersonen kann man dieses Verständnis nicht voraussetzen. Häufig wünschen sie, dass ihre Möbel wieder “wie neu” aussehen sollen – oder gar in ihre übrige Raumgestaltung eingepasst werden sollen.
Wenn der sogenannte Laie wüsste, wie das alte Möbel aussah, als es wirklich neu war…. Dann würde er es nicht fordern. Denn eigentlich mag er doch nur die schöne gealterte Oberfläche.
Was ist dann aber mit “wie neu”, “wieder schön”, “aufhübschen” oder “erstrahlt in altem Glanz” gemeint? Und sind diese Begriffe nicht sowie so rein subjektiv?
Für uns Konservatoren/Restauratoren ist das ein ständiger Konflikt – wenn wir nicht gerade in einem Museum arbeiten. In meiner bisherigen Praxiserfahrung musste ich bisher glücklicherweise kaum Verantwortung dafür übernehmen, was ich restauratorisch dürchführe und was nicht. Doch ich habe mich trotzdem immer gefragt, was man vertreten kann und was nicht.
Und ich frage es mich immer noch ständig – denn so etwas kann man im Studium nicht lernen.

Episode 3: Temperatur

In dieser Episode des Ratgebers für Antiquitätenbesitzer und Andere geht es um den Einfluss der Temperatur auf antike Möbel.
Es werden die Zusammenhänge von Temperatur und Abbauprozessen dargestellt. Dazu werden Schadensbilder erklärt, die auf einen Hitzeschaden hindeuten. Vorbeugende Schutzmaßnahmen, um solche Schäden zu vermeiden, werden abschließend vorgeschlagen.

 

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Literatur:
Hildbert, Günter: Sammlungsgut in Sicherheit, Berlin 2002
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.): Vorsorge, Pflege, Wartung. Empfehlungen zur Instandhaltung von Baudenkmälern und ihrer Ausstattung. München 2002 (Denkmalpflege Informationen Ausgabe A88).

Mein Studienobjekt: Chinesischer Salon

Während des Bachelor-Studiums habe ich dieses Architekturmodell eines chinesischen Salons untersucht.
Auch wenn nichts Genaues zum Urheber, Entstehungsanlass und -zeit bekannt ist, ist es doch ein besonders interessantes Stück. Das liegt vorrangig an seinem Materialmix aus Holz, Papier, Pappe, Textil, Fassung und Metall.
Von Außen ist es unscheinbar: äußerst schlicht gearbeitet, monochrom rosa gefasst. Ursprünglich verbarg das schlichte, geschlossene Äußere den Einblick – wie ein Schuhkarton.
Das Innere ist dafür aber umso komplexer und detailierter gestaltet: der Raum war ursprünglich sehr aufwändig plastisch gegliedert. Die Wandgestaltung greift diese Gliederung wieder auf.
Das verwendete Papier ist komplett von Hand bemalt! Durch die große Oberfläche ist das äußerst beeindruckend.
Umso trauriger ist es, dass dieses Modell nur noch äußerst fragmentarisch erhalten ist.
Nach der rein konservatorischen Reinigung und Festigung sowie der Anfertigung einer Lagerungs- und Transportverpackung, ist die vorhandene Substanz gesichert.
Im Master-Studium werde ich versuchen, weitere Untersuchungen durchzuführen, um vielleicht näheres zur Entstehungszeit und dergleichen sagen zu können. Und wenn die Eigentümer dies wünschen, werde ich wahrscheinlich auch eine Ergänzung der Säulen und Balustraden durchführen.
Innenraum, Modell eines chinesichen Salons

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Hitzeschutzfolien im Test

Heut habe ich im Juni-Heft von Stiftung Warentest einen Artikel (S.70-73) über Hitzeschutzfolien für die Fenster gelesen.

Dabei ging es zwar vorrangig um IR-Schutz und nicht, wie in meiner letzten Podcast-Episode, um UV-Schutzfolien, doch es wurden einige interessante Punkte in dem Artikel aufgezeigt.

Es wurde in dem Artikel empfohlen, solche Folien auf die Außenseite der Fenster zu kleben, damit die Wärmestrahlen nicht zweimal durch das Glas gehen müssen und so die Scheiben aufheitzen. Daraufhin habe ich überlegt, warum man UV-Schutzfolien dann meist innen aufklebt. Doch ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei UV-Schutz anders verhält: Glas filtert ja bereits Teile der UV-Strahlung (UV-B und -C) heraus. So kann ich mir vorstellen, dass die Filterwirkung erhöht wird, wenn das Tageslicht erst durch das Glas und dann durch die Folie muss. Außerdem glaube ich, dass so auch die Folien länger halten.

Besonders interessant an dem Test von Stiftung Warentest fand ich, dass diese Hitzeschutzfolien nicht nur im Sommer die Räume kühlen, sondern auch im Winter. So muss man im Winter mehr heizen, was natürlich auf den Geldbeutel schlägt. Zudem filtern viele dieser Hitzeschutzfolien viel Tageslicht heraus und machen die Räume dunkel. Das hat natürlich zur Folge, dass man früher das Licht anschalten muss.

Ich konnte bisher diese Aspekte bei UV-Schutzfolien nicht erkennen. Bei der richtigen Folienwahl werden die Räume kaum verdunkelt. Und merklich kühler wurden die Räume dadurch auch nicht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich solche UV-Schutzfolien nur aus Museen kenne.

Dennoch war der Artikel in Stiftung Warentest sehr interessant. Auch wenn vieles logisch ist, was darin stand, war es für mich noch einmal wichtig, alles beieinander zu haben.

Episode 1: Tageslicht

Liebe Besucher meiner Seite,

es ist vollbracht! Die erste Episode meines Podcasts ist fertiggestellt.
Dieser Podcast ist ein akustischer Ratgeber, der Ihnen Hinweise und Anregungen zum richtigen Umgang mit Ihren antiken Möbeln gibt – damit diese Ihnen lang erhalten bleiben.

Hier wird zunächst der Schutz vor schädigendem Tageslicht mit drei Methoden vorgestellt und erläutert.

 

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Weiterführende Literatur:

Hilbert, Günter S.: Sammlungsgut in Sicherheit. Berlin 2002.
Bayerisches Landesamt für denkmalpflege (Hg.): Vorsorge, Pflege, Wartung – Empfehlungen zur Instandhaltung von Baudenkmälern und ihrer Ausstattung. München 2002 (kostenlos zu bestellen über: pressestelle@blfd.bayern.de oder 089/21140).