Brocante? Shabby Chic? Moderne Einrichtungstrends

Landhausstil, Shabby Chic, Brocante, Vintage, Retro … Sind das nicht alles Namen für das Gleiche: ein emotionaler Einrichtungsstil?

Nicht ganz! Es sind zwar alles aktuelle Stile und miteinander verwandt, weil sie romantisch-emotionale und nostalgische Empfindungen ansprechen wollen, doch gibt es kleine, feine Unterschiede.

Landhausstil scheint der älteste und vielleicht bekannteste Einrichtungsstil zu sein. Hier wird überwiegend mit natürlichen Materialien, wie Holz, Leinen, Naturstein, in Weiß, natürlich gedämpften Farben oder Holzsichtigkeit in schlichten Formen mit wenigen eleganten Profilen gearbeitet. Da hier meist neue Möbel zum Einsatz kommen, die vielleicht durch die ein oder andere Antiquität belebt werden, können wir Möbelrestauratoren damit leben.

Vintage bezeichnet neue Gebrauchsgegenstände, die auf alt gemacht sind, also alte Stilelemente aufgreifen oder künstliche Patina zeigen. Retro bezieht sich meist auf eine kulturelle Strömung, die „rückwärts gewandt“ ist. Dabei werden vermehrt Reminiszenzen an die eigene Kindheit eingebunden.

Shabby Chic ist jüngst zum Restauratorenschreck geworden, da hier nicht nur neue Möbel durch Macken, Schrammen und abblätternde Farbe auf „shäbig“ gemacht werden, sondern auch oft echte alte Möbel abgeschliffen, in Weiß oder Pastelltönen gestrichen und wieder abgerieben werden. Auch andere Umbauten an alten Möbeln werden vorgenommen, um sie dem angesagten „Used Look“ anzugleichen. Restauratoren sträuben sich dabei die Nackenhaare, weil authentische, alte Oberflächen vernichtet und die echten Gebrauchsspuren nicht wertgeschätzt oder schlichtweg nicht erkannt werden.

Brocante könnte da die willkommene Alternativ sein! Der Begriff ist französisch für Trödelmarkt, -laden und scheint besonders in den Niederlanden beliebt zu sein. Hierbei werden bevorzugt Stillleben aus echten, unveränderten Antiquitäten mit Patina, Rost, Beschädigungen und Macken arrangiert. Beliebt sind dabei alte Kleidungsstücke, Schuhe, Spitzen und Textilien, Schneiderpuppen, Trockenblumen, alte Fotos und diverse kleine Gegenstände in natürlichen und hellen Farben. Es geht dabei vor allem um die Suche nach ansprechenden alten Objekten, die Geschichten, die sie erzählen und das Arrangieren.

Würfeltablett aus Padouk

Ein Freund – begeisterter Pen and Paper Rollenspieler – wünschte sich ein besonderes Würfeltablett, wie er es bei einem amerikanischen Händler gesehen hat.

Also habe ich ihm aus Padouk, Schichtholz, Rindsleder, Leinölfirnis und Bronzebeschlägen ein Unikat angefertigt – alles in reiner Handarbeit. Bei den klassischen Verbindungstechniken (verdeckte Zinken, Federn, Nuten und Zapfen) musste ich wegen der Zierlichkeit wirklich sehr präzise arbeiten, damit nichts schief wird. Der letzte, besonders nervenaufreibende Akt, war die Eckbeschläge mit winzigen, zu weichen Messingnägeln zu befestigen.

Padouk zu bearbeiten, war für mich Neuland. Insgesamt ist es ein gutes Schnitzholz, an manchen Stellen splitterte es aber. Schneidet man es frisch auf, hat es eine leuchtend rote Farbe, die an der Luft und im Licht zu einem warmen Schokobraun oxidiert. Als ich die Oberflächen zum Abschluss geölt habe, hat die Farbe einen Violettstich erhalten, was auch sehr reizvoll aussieht.

Insgesamt hat die Arbeit viel Spaß gemacht, auch wenn ich mich abends und an den Wochenenden aufraffen musste, daran zu arbeiten. Deshalb musste der Freund ein halbes Jahr darauf warten; hat sich dann aber sehr darüber gefreut.

Ein Stück Alltag

Vom 9. bis 11. Mai fand nun also die VDR-Tagung „Ein Stück Alltag – Möbel und andere Dinge der Alltagskultur aus Holz in der Konservierung und Restaurierung“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. Und ich habe die drei Tage wirklich sehr genossen.

Jessica Midding und ich während unseres Vortrags (Foto: Christian Huber)

Zum 40-jährigen Jubiläum der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte sollten mit dieser Tagung auch einmal die Themen und Objekte des früheren und aktuellen Alltags gewürdigt werden. So ging es in 25 Vorträgen u. a. um ländliches Mobiliar, Schreibtische, Rollstühle, Flugzeugtanks und Hausapotheken sowie um den aktuellen Berufsalltag, der aus Schimmel- und Insektenbekämpfung in Depots, Neupräsentationen von Konvoluten und zahlreichen verschiedenen Forschungsprojekten besteht. Es war ein wirklich sehr buntes, facettenreiches Programm mit internationalen Gästen.

Persönlich sehr genossen, habe ich neben den Fachvorträgen natürlich auch die Gespräche mit ehemaligen Kollegen und Kolleginnen und dem Knüpfen neuer Kontakte bei einer Rundumversorgung mit Speis und Trank. Im Nu waren da die drei Tage um.

Natürlich war ich auch sehr aufgeregt, da ich mit einer lieben Kollegin, Jessica Midding, vom Deutschen Automatenmuseum in Espelkamp einen Vortrag zur Welt der Münzautomaten gehalten habe. Über den großen Zuspruch und die Danksagungen hinterher waren wir beide ziemlich überrascht, doch hoch erfreut.

Auch die Stadt Nürnberg präsentierte sich mit einem riesigen Nachtflohmarkt im Zentrum von seiner besten Seite. Und das Germanische Nationalmuseum wartete auch mit zahlreichen interessanten Ausstellungskomplexen und einer schier atemberaubenden Exponatanzahl auf.

(Foto: Christian Huber)

Es war für mich von dem Moment, als ich den Call for Paper las und auf die Idee des Vortrags kam, über die gesamte Vorbereitungszeit und die Tagung selbst, bis zur Rückfahrt eine sehr schöne Zeit, da ich wieder in meinem ursprünglichen Metier unterwegs sein konnte. Ein Restaurator bleibt halt im Herzen immer ein Restaurator.

Frohe Weihnachten

Der Herrnhuter Stern hängt an seinem Platz und strahlt, die Schwibbögen leuchten, die „Piramett rennt“ (Hochdeutsch: Pyramide dreht sich) und „Racherkarzlduft“ (Hochdeutsch: Reucherkerzenduft) zieht durchs Haus. Alle Geschenke sind eingepackt, Kekse sind gebacken, Linseneintopf ist gekocht – und schon fast komplett verputzt …

Gut, für einen Christbaum fehlt uns der Platz, aber auch so kann Weihnachten kommen.

Im Kreise meiner Familie genieße ich die gemeinsame Zeit.

Und darum wünsche ich auch all meinen Lesern ruhige und frohe Festtage mit leckerem Essen.

Vielleicht mit Sauerkraut, wie in der neusten Folge vom Karzl?

Der Archivar und seine Schätze

Gestern Abend ab 18 Uhr besuchte ich die Antrittsvorlesung vom neuen Honorarprofessor Dr. Michael Schütz an der HAWK in Hildesheim.

Mit abwechslungsreicher, interessanter musikalischer und kulinarischer Begleitung rahmten kurze Würdigungsreden den Vortrag von Herrn Schütz über den „Archivar und seine Schätze„. Der Fakultätsdekan Prof. Dr.-Ing. Günther Bahre stimmte die Zuhörer sehr wortwitzig mit den zu erfüllenden Voraussetzungen für so eine Professur und seiner Freude über diesen qualitätsvollen Zuwachs des Kollegiums ein. Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub unterstrich die Freude über diesen Glücksfall durch eine kurze Zusammenfassung der Vita und das vielseitigen Engagements von Herrn Schütz.

Dann stellte Herr Schütz selbst in gut 40 Minuten die Arbeit und das Selbstverständnis von Archivaren vom 17. Jh. bis heute anhand seiner Forschungen in Archivalien vor – immer auf die Erhaltung von Schriftgut fokussiert. Dies gelang ihm in seiner charakteristischen, überaus charmanten und amüsanten Vortragsweise, die ich noch aus meinem Studium von ihm kenne. Es gelingt ihm mit scheinbarar Leichtigkeit, eine Fülle von Informationen nahezu unbemerkt zu vermitteln. Er nimmt seine Zurörer stets auf eine Reise mit vielen scheinbar weiten Abschweifungen mit, die aber immer wieder zum roten Faden zurückkehren und ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Die Professorin der Studienrichtung Konservierung/Restaurierung von Schriftgut, Dipl. Rest. Ulrike Hähner rundete den Abend mit ausblickenden Worten in die zukünftige Arbeit von Herrn Schütz an der HAWK ab.

Leider waren sehr wenige Zuhörer anwesend – besonders wenig Studenten. Sie haben aber alle einen ganz wunderbaren und kurzweiligen Abend verpasst, der inspirierte und Spaß machte.

Der Wert der Restaurierung?

Seit einiger Zeit denke ich wirklich sehr intensiv über meinen ergriffenen Beruf nach. Und mein Urteil fällt leider nicht ganz so positiv aus. Ohne Frage liebe ich die Beschäftigung mit historischem Kulturgut, aber es scheint eine brotlose Kunst zu sein.

Festigung historischer Inventar-Etiketten an Stuhlzargen

Nach einem Jahr Vorpraktikum habe ich fünf Jahre studiert (B.A. und M.A.) und nach etwas mehr als einem Jahr Arbeitssuche dann zwei Jahre Volontariat absolviert, bis ich mich endlich sicher genug gefühlt habe, um richtig in dem Beruf zu arbeiten. Somit habe ich insgesamt acht Jahre damit verbracht, diesen Beruf zu erlernen. Wer vorher noch eine handwerkliche Ausbildung gemacht hat (z. B. zum Tischler), der wäre dann gut elf Jahre dabei.

Und nach so langer Zeit sind wir dann doch ziemlich umfassend und gut ausgebildet! Neben handwerklichen Fähigkeiten wissen wir einiges über Geschichte der Kunst, der Gesellschaft, von Konstruktionen und Materialien. Wir haben chemisches und physikalisches Verständnis unserer historischen und modernen Arbeitsmaterialien und ihrer Reaktionen. Wir können fotografisch, zeichnerisch und verbal komplexe Zusammenhänge dokumentieren. Mit einem feinen Auge erkennen wir kleinste Unterschiede, um Veränderungen zu bemerken und Ergänzungen harmonisch einzupassen. Wir arbeiten sehr analytisch, logisch und nach hohen ethischen Ansprüchen. Wir haben ein sehr hohes soziales Empfinden bei unserer Tätigkeit.

Und dann gibt es kaum Stellen – besonders für Möbelrestauratoren. Die meisten müssen sich selbständig machen. Das ist ja auch nicht jedermanns Ding. Hat man eine Stelle im öffentlichen Dienst, bekommt man meist nur E9, auch wenn man Vergaben durchführt und Projekte managet. Oft ist so eine Stelle aber nur befristet – für einige Monate oder wenige Jahre. Mal in der einen Stadt, dann wieder im nächsten Bundesland oder gar ins Ausland. Hat man dann noch dummerweise einen sachgrundlos befristeten Job angenommen, ist man bei dem Arbeitgeber für drei Jahre gesperrt. Man muss permanent Bewerbungen schreiben, stets netzwerken oder höchst flexibel sein, um eine Folgeanstellung zu bekommen. Partner und Eigenheim oder gar Kinder sind schwierig in dieses Lebensmodell zu integrieren.

Und dann muss man sich Aussprüche anhören wie: „Ach, das kann man studieren?“ oder „Und in welchem Restaurant arbeitet man dann so?“ oder „Oh, wie toll! Ich hab auch schon mal einen alten Tisch abgebeizt/abgeschliffen und neu lackiert!“ oder „Toll, ich hab hier eine Kommode; wie viel ist die denn wert?“ oder „Ja, ich mag solchen Shabby Chic!“ Werde ich als Möbelrestauratorin etwas über die Restaurierung eines Buches oder Porzellanvasen gefragt, bin ich schon überglücklich.

Tja, da haben die Restauratoren wohl völlig den Draht zur Öffentlichkeit verloren – oder anders herum. Und wieso? Weil wir gern im stillen Kämmerlein arbeiten – freiwillig oder auch zwangsläufig. Dabei sind Museumsbesucher überaus an unserer Arbeit interessiert! Für mehr Führungen oder Öffentlichkeitsarbeit durch uns reicht unsere Wochenarbeitszeit aber wieder nicht aus, da wir ja meist noch so viel anderes zu erledigen haben, weil wir oft zu wenig angestellte Restauratoren sind.  Ein Teufelskreis …

Eine Kollegin ist schon dazu übergegangen, zu behaupten sie sei Fleischereifachverkäuferin, weil sie müde geworden ist, immer wieder den Beruf und die ethischen Grundsätze zu erklären. Und auch mich nervt es so langsam, wenn mir Antiquitätenhändler, die alte Möbel auf nassem Rasen in der prallen Sonne ausstellen, mir erzählen, ich soll doch einen zweitägigen Restaurierkurs bei ihnen belegen, dann würde man viele Aufträge bekommen …

Restauratoren in Deutschland, jung und alt: Schließt euch zusammen und unterstützt den Berfsverband! Und VDR: Setz den Berufstitelschutz durch und finde Wege der besseren Öffentlichkeitsarbeit! Über einen Verbandsausschluss der Restauratorin in der umstrittenen Sendung „Kaputt und zugenäht“ zu diskutieren finde ich da kontraproduktiv! Ihr Einsatz sollte eher belohnt und besser unterstützt werden. Wir brauchen charismatische Gesichter, die endlich ein richtiges öffentliches Verständnis für unseren Wert an der Gesellschaft schaffen!

Kästchen mit Perlenmosaik

Schon seit dem Studium wollte ich die historische Technik des Perlenmosaiks nachempfinden.

Im Braunschweig des 18. Jh. stellte die „Korallenmanufaktur“ van Selow begehrte Sammelobjekte her, indem sie Tischplatten und andere Oberflächen mit Glasperlen in zahlreichen Motiven dekorierten. Über die genaue Herstellungstechnik ist aber bisher sehr wenig bekannt.

Deshalb hatte ich mir vorgenommen, zwei kleine Kästchen mit solchen Mosaiken zu verzieren – und zu Weihnachten zu verschenken … Jetzt sind sie endlich fertig und werden Geburtstagsgeschenke.

Handelsübliches Kästchen für Zigarillos

Anfang November nahm ich zwei hölzerne Zigarillokisten, entfernte zunächst die Deckelscharniere und -schließen und schliff die Oberflächen ab. An die Kanten der Deckeloberseiten klebte ich dann kleine Vierkantleisten aus Balsaholz, um ein Kittbett für das spätere Perlenmosaik vorzubereiten. Alle später sichtbaren Außenflächen habe ich in weißer oder hellblauer Acrylfarbe gefasst. Die farbigen Außenflächen sollten als Kontrast zum späteren Perlenmosaik samtig-matt und pastellig-hell werden. Durch Zwischenschleifen und abschließendes Planschleifen wurde eine ebene, qualitätvolle Oberfläche erzielt.

Kästchen geschliffen, mit der Fassung begonnen


Auf Papier habe ich dann die Mosaikmotive seitenverkehrt in Farbe angelegt, um die Perlen mit Fischleim darauf zu fixieren. Das Auffädeln und Legen der Perlen hat unglaublich lang gedauert. Leider habe ich mir keine Zeiten notiert, aber es hat gefühlt dreimal so lang gedauert, wie anfangs gedacht. Mit Übung bin ich aber im Laufe der Zeit schon schneller und ordentlicher geworden.

Auffädeln und Legen der Perlenbilder


Das Kittbett der Kästchen habe ich dann mit Fischleim abgesperrt und nach längeren Versuchen einen Kitt aus Leinöl, Fischleim (1:1) in gleichen Teilen mit Champagner und Bologneser Kreide (1:3) gemischt und aufgespachtelt. Um Klümpchenbildung zu vermeiden, muss der Kitt wirklich gut vermengt werden. Die richtige Menge anzusetzen und in der richtigen Schichtstärke gleichmäßig aufzuspachteln, ist wirklich unglaublich schwierig. Auch hier wird man durch Erfahrung besser.

Anschließend habe ich die aufgeklebten Perlenbilder in das Kittbett gedrückt – mit der Papierseite nach oben. Mit einem feuchten Schwamm habe ich dann zügig das Papier durchfeuchtet und abgezogen. Dann konnte ich die Perlen noch einmal gut festdrücken. Dabei hat sich dann gezeigt, wie sorgfältig ich vorher die Muster gelegt habe.

An Stellen, wo der Kitt herausqoll, konnte ich den Überschuss nach dem Trocknen mit einem feuchten Schwamm entfernen. An einigen Stellen musste ich dann aber auch nachkitten. Beim Versäubern dieser Nachkittungen habe ich allerdings festgestellt, dass manche Perlen ihre Oberflächenfarbe verloren (grün und orange). Vermutlich wurden sie mit den Kreiden im Kitt abgeschmirgelt.

Das Innere der Kästchen habe ich dann noch mit feinem Papier ausgeklebt.

Mit Papier ausgekleidete Kästchen


Da die Acrylfarbenoberfläche unglaublich anfällig gegenüber Flecken war, musste ich sie doch noch durch einen Klarlack schützen. Obwohl das gewählte handelsübliche Fertigprodukt seidenmatt eingestellt ist, war es mir noch zu glänzend und hat durch ehröhtes Tiefenlicht die blaue Farbe deutlich verdunkelt. Durch abschließendes feines Anschleifen konnte die ursprüngliche Oberflächenerscheinung wieder hergestellt werden. Auch das Papier im Innern wurde zum Schutz lackiert – aber nicht geschliffen.

Fertige Perlenmosaik-Kästchen


Nachdem die Scharniere und Schließen wieder angebracht wurden, sind die Kästchen jetzt endlich fertig. Und sie sind genau so geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Hoffentlich freuen sich die Beschenkten, so sehr wie ich.

Zwei Hanno Hockey-Automaten im Vergleich

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Automat „36“

Mittlerweile habe ich ja zwei gleiche Hanno Hockey-Automaten der 1930er Jahre restauriert. Doch bei genauer Untersuchung sind dann doch etliche kleine Unterschiede zutage getreten, die darauf hindeuten, dass die damalige Serienproduktion modifiziert worden sein muss.

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Automat „79“

Mein erster Automat trug mehrfach die Schlagmarke „36“, der zweite die „79“, weshalb ich vermute, dass „36“ der ältere ist. Da allerdings nicht bekannt ist, wie viele Automaten pro Jahr gefertigt wurden, kann man nicht sagen, wie groß der zeitliche Abstand zwischen den beiden Automaten wirklich ist. Nimmt man einen Automaten pro Woche an (was vermutlich recht wenig ist), währe der Altersunterschied zwischen „36“ und „79“ weniger als ein Jahr.

Zunächst fiel mir auf, dass „36“ sehr viele Bleistiftsignaturen im Korpus hat. Mehrfach taucht „1919“ um den Kasseneinsatz auf. Die Unterseite des Spielfeldeinsatzes ziert eine Bleistiftmarkierung, die „vorn“ anzeigt, zwei Signaturen, die wie ein 3-094geschwungenes „Fb“ oder „2+“ aussehen, sowie eine „3“, eine „26“ und eine „36“. Die beiliegenden Beine hatten allesamt eine „1488“ mit Tinte eingestempelt, was mich
vermuten lässt, dass sie von einem Zulieferer stammen, der Möbelbeine in verschiedener Ausführung anbot und die entsprechende Produktnummer hier angebracht hat. Automat „79“ hingegen trägt lediglich an drei Stellen des Korpus seine Schlagmarke.

Am Gehäuseäußeren fällt auf, dass die Metallplakette der Münzeinwurfs sowie die Stellfüße von „36“ Reste einer grünlichen Beschichtung tragen, bei „79“ habe ich keine entsprechenden Spuren gefunden. Ist das eine ursprüngliche Variation oder eine spätere Veränderung?

Der Knauf des Kugelhebers ist bei „36“ aus Metall (Zinklegierung?) mit einem Gummipuffer konstruiert, bei „79“ hingegen aus Kunststoff ohne Pufferring. Spuren für eine Reparatur von „79“ konnte ich nicht finden, also scheint dies eine Modifizierung – vielleicht aus Rohstoffmangel? – zu sein.

„36“ trägt noch ein schlichtes Möbel-Einlassschloss, „79“ eines, das wir heute eher als Briefkastenschloss bezeichnen. Dadurch bedingt variieren auch die Holzkonstruktionen der Frontblende vom Kasseneinsatz. Sind die Querfriese von „36“ in die Höhenfriese durchgezapft, sind sie bei „79“ nur eingezapft. Warum bei „36“ dann auch noch die obere und rechte Kante dieser Holzfront furniert ist, erschließt sich mir nicht. Der Boden des gesamten Kasseneinsatzes ist ebenfalls unterschiedlich: bei „36“ aus einer Hartfaserplatte, bei „79“ aus Sperrholz. Der Kassenbehälter von „36“ scheint ockerfarben beschichtet zu sein, der von „79“ ist aus blankem Zink. In der Korpusöffnung für den Kasseneinsatz befindet sich bei „36“ rechts noch ein Stoppklotz, der bei „79“ offenbar eingespart wurde, da genügend andere Konstruktionsteile verhindern, dass der Einsatz zu weit ins Innere geschoben werden kann.

Der Spielfeldboden ist bei „36“ von unten mit 12 Schrauben an den Banden befestigt, bei „79“ hingegen mit 16; der komplette Spielfeldeinsatz aber bei „36“ mit 10, bei „79“ nur mit 8 Schrauben von oben in den Korpus geschraubt. „36“ zeigt hier im Innern an den Längsseiten mittig noch Auflageklötze, die bei „79“ eingespart wurden. Bei „79“ gibt es zwar ebenfalls Schrauben, die an den Längsseiten mittig eingedreht wurden, doch sind diese weit kleiner und fixieren lediglich die mittlere Kunststoffscheibe. Denn hier sind die drei aufgelegten Kunststoffscheiben nicht mit den verchromten Eisenleisten vernietet, wie bei „36“.

detail-reichpfennigUnd der netteste Unterschied zum Schluss: In „79“ wurde der innere Gummipuffer der Hebemechanik mit einem gestutzten Reichspfennig als Unterlegscheibe abgeschraubt. Der Gummipuffer von „36“ ist da hingegen ganz konservativ.

So wie in diesem ganz speziellen Fall von Hanno Hockey-Automaten ist allgemein über die Produktion historischer Münzautomaten bisher nicht viel bekannt. Ich empfinde dies aber als unglaublich wichtiges Desiderat in der Erforschung von technischem Kulturgut.

Karlsruher Schlosslichtspiele

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr zum 300sten Stadtgeburtstag wurden sie auch dieses Jahr wieder ausgerichtet.


Nur noch bis zum 25.9.2016 kann man diesmal beeindruckende Lichtspiele auf der Fassade des Karlsruher Schlosses bestaunen.

Am letzten sommerlichen Abend letzte Woche habe auch ich es endlich geschafft, alle vier Shows anzusehen. Pünktlich um 20:30 Uhr gings los, doch die besten Plätze im Schlossgarten waren wohl schon seit Stunden belegt. „LEGACY“ fand ich toll, da das Schloss als historisches Gebäude und als Museum einbezogen wurde. So war es sehr beeindruckend, als man glaubte, vor einem ägyptischen Palast zu stehen. Später war das Schloss eine gothische Kathedrale oder zeigte eine orientalische Fassade. „Paperworld“ war leider überhaupt nicht meins, weder von den Bildern noch von der Musik her. Bei „Defilee“ und „Transkutan“ war ich leider etwas abgelenkt. Doch die Interpretation berühmter Kunstwerke hat mir einen netten Ausklang des Tages bereitet.

Wer es nun doch nicht mehr rechtzeitig schafft, muss nicht traurig sein. Auch 2017 sollen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe wieder stattfinden.

Und vielleicht bald auch in Ihrer Stadt? 😉