Buchtipp: Barockschloss Mannheim

_DSC0157Dieses Buch habe ich vor einiger Zeit für noch nicht einmal 6 € in einem Mannheimer Buchladen ergattert und habe es sehr gern gelesen.

Es wurde 2007 von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg anlässlich der Wiedereröffnung des Schlossmuseums herausgegeben und behandelt wirklich sehr umfassend die wechselhafte fast 300jährige Geschichte dieses Gebäudes. Angefangen bei den Vorgängerresidenzen und den Erfordernissen zur Grundsteinlegung eines neuen Schlosses in Mannheim durch Herzog Carl III. Philipp von der Pfalz 1720, über die nahezu komplette Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, geht der Ritt durch die Jahrhunderte bis hin zum Wiederaufbau und der jüngsten Einrichtung des Museums.

Auf 262 Seiten mit vielen anschaulichen Bildern und angehängten Stammtafeln, Grundrissen sowie Raumkonkordanzen (47 Seiten) erfährt man, wie lang sich der Bau dieses riesigen Komplexes hinzog, sich weithin bedeutende Sammlungen am kurpfälzischen Hof und in badischer Zeit etablierten, und mit dem Umzug Carl Theodors 1778 nach München wieder zerfielen. Die Blütezeit dieser Residenz war also bereits nach weniger als 60 Jahren vorbei. Im frühen 19. Jh. diente Mannheim als Zweigresidenz und erfuhr fortan eine ständige Umnutzung hin zu einem „Bürgerschloss“, da hier Ämter und Behörden beheimatet waren.

Der Leser erfährt etwas über die früheren Hofbewohner, wie Stephanie de Beauharnais Großherzogin von Baden (Adoptivtochter von Napoleon) und den zahlreichen Kavalieren und Hofdamen. Leider ist mir die komplexe Höfische Welt von damals so fremd, dass auch dieser Exkurs nicht zu meiner Erhellung diesbezüglich beitragen konnte.

Mit dem Ende der Monarchie 1918/19 wurde das Inventar aufgelöst und gelangte erst 2007 teilweise wieder in das Museum zurück.

Als Restauratorin hat mich natürlich ganz besonders ein kurzer Beitrag über die Freilegung zweier Konsoltische interessiert. Unter einer groben dunkelbraunen Überfassung kam noch eine recht gut erhaltene Weißfassung mit Vergoldung zutage. Erst nach dieser Entdeckung konnten gefundene Fragmente richtig zugeordnet werden.

Die umfangreichen Raumkonkordanzen fassen Raumnutzungen und deren Ausstattung zusammen. Arbeitet man mit diesen Listen kann man erahnen, wie sich im Laufe der Geschichte die innere Optik dieses Komplexes verändert hat.

Besonders wenn man das Mannheimer Schloss kennt, regt diese Lektüre die Phantasie an und die Geschichte erwacht vor dem inneren Auge zum Leben. Die drastisch bebilderten Kriegsschäden und moderne städtebauliche Überlegungen schmerzen ein bisschen, doch lassen das Überkommene umso wertvoller erscheinen.